Bodega Bay - San Francisco

14. August 2014  Die 101 von Bodega Bay nach San Franzisco

Wir lassen die Redwoods hinter uns, fahren über katastrophale Bergstraßen (Loch an Loch und hält grad noch!) mit atemberaubenden Ausblicken, passieren hübsche Fischerorte bis zur berühmten Bodega-Bay (hier verfilmte Hitchcock seinen Thriller „Die Vögel“ und nähern uns einem der Traumziele unserer Reise: San Franzisco (natürlich mit Scott McKenzies gleichnamigen Song im Ohr.

Schon kilometerweit vorher steigt das Verkehrsaufkommen und mit ihm die Anzahl der Fahrbahnen - und wir schwimmen ordentlich mit. Kurz vor der Golden-Gate Brücke ermöglichen mehrere Aussichtspunkte einen Autostopp und wir können von hier dieses wunderschöne Panorama genießen, d.h. soweit der Küstennebel dies zulässt.

In den Sommermonaten ächzt das Land hier unter der Hitze, Heu wird direkt vom Stängel geerntet, die Kühe büxen schon mal aus und die Dürre lässt den Wasserspiegel der Seen und Flüsse auf ein empfindliches Niveau sinken. Doch sobald man sich der Küste nähert, weht ein frischer Wind, der die hier gebildeten Nebelschwaden vor sich her schiebt und so eben häufig  einen klaren Ausblick auf die Küste verwehrt, aber statt dessen alles grau in grau erscheinen lässt.

 

Auch am Golden Gate blieb an diesem Vormittag zunächst ein großer Teil der Brücke verborgen oder verschwand gar völlig in dieser Suppenküche. Aber nach und nach war das elegante Bauwerk doch noch in seiner ganzen Schönheit zu sehen und wir staunten über das Kunststück des Architekten, der hier eine so harmonische Verbindung zwischen Natur und Technik geschaffen hat. Das „Golden Gate“ trägt seinen Namen zu Recht, gleicht es doch einem Torbogen, der meerseitig den Eingang zur Stadt krönt und umgekehrt – den Blick auf die Weite des Ozeans lenkt.

Auch hier sind wir natürlich nicht alleine und wir werden immer mal wieder auf unser für hiesige Verhältnisse ungewöhnliches Womo angesprochen. Ein kurzer Plausch, ein Foto hier und da vor dem hübschen Panorama der Golden Gate Bridge und dann überqueren auch wir mit „Käptn Blaubär“ die Brücke.

Auf der anderen Seite erwartet uns dichter Großstadtverkehr, wir verpassen in Oakland eine Abfahrt, die uns einen großzügigen Umweg beschert, landen in der Rush Hour und erst nach über drei Stunden auf einem RV-Platz in einem Vorort. Hier von Concord aus gibt es eine gute S-Bahn-Verbindung, die uns in einer dreiviertel Stunde ins Zentrum von San Franzisco bringt. Aber: Leute – alle die ihr europäische Hauptstädte kennt: Diese Stadt ist im Vergleich mit ihnen eine echte Servicewüste. Es gibt ausschließlich Tagestickets, die nur für eine Station in der Stadt und zurück zum Ausgangsbahnhof gelten. Die Tickets, die holt man sich an Automaten, die mit krumpeligen Dollarnoten gefüttert werden müssen, was schon mal dauern kann. Weil eine schriftliche Anleitung fehlt, wendet man sich an die Aufsicht hinter dem Schalter. Die erledigt die sechs Schritte dann so schnell, dass man nicht folgen kann und am nächsten Morgen vor demselben Problem steht. Ganze Tourigruppen stehen also morgendlich vor den Rätselautomaten und versuchen ihr Glück auf eigene Faust.

Um nun in der Stadt beweglich zu sein, braucht man ein zusätzliches Ticket einer anderen Gesellschaft (3 Tage 23$ pro Person) und kann damit bestimmte Busse, die schönen alten S-Bahnen und die berühmten Cable Cars nutzen. Und dann beginnt schon das Abenteuer: Die Cablecars sind so heiß begehrt, dass die Leute dafür stundenlang anstehen (Wir nicht!). Man kann aber auch unterwegs aufspringen, wenn denn Platz ist. Dieses Glück hatten wir in den drei Tagen immerhin für zwei kurze Fahrstrecken. Mit den wiederbelebten Straßenbahnen aus den 40-er und 50-er Jahren verhält es sich ähnlich. Bleiben die Busse; doch selbst da gab es eine Überraschung: Gustav hatte eine gute Strecke mit unserer S-Bahn ausgetüftelt, an deren Ende wir mit dem Bus bis zum Golden-Gate-Park fahren wollten. An der Bushaltestelle hielten denn, weil es Sonntag war, nicht ganz so viele Busse wie üblich und die besagte Linie fehlte ganz. Die Fahrer der Busse, die nun kamen, akzeptierten unsere Karten nicht, weil sie nicht zu dem Verbund gehörten. Also blieb uns nichts anderes übrig, als eine andere Haltestelle zu suchen, die uns aus diesem Stadtteil fortbrachte.

 

Wir haben ja nichts dagegen, eine Stadt in ihren reizvollen Bezirken zu Fuß zu erkunden, aber hier ist alles ein wenig schwerer. Die Amis bauen ihre Städte gerne im Schachbrettverfahren und taten dies auch mit San Franzisco, obwohl die Stadt auf steilen Hügeln liegt. Das hat dazu geführt, dass es eine Unzahl an Straßen mit extremen Steigungen gibt, die eben auch für Fußgänger nicht besonders einfach sind. Erschwerend hinzu kommt, zumindest für Menschen mit Gehbehinderungen, dass es so gut wie keine öffentlichen Bänke und Sitzgelegenheiten gibt. Die fehlen sogar in der U-Bahnstation. Und wenn denn mal eine existiert, ist die bestimmt mit jenen traurigen Gestalten besetzt, die kein Zuhause haben. Genauso schlimm ist die Situation mit den fehlenden Toiletten: weder an den Bahnhöfen noch in den großzügigen Büros der Touristeninformation findet man eine. Wir haben in keiner anderen Weltmetropole so oft die Luft anhalten müssen, weil penetranter Uringestank mitten in der Stadt uns den Atem verschlug. Sogar der elegante Aufzug im Visitor-Center wurde hierfür zweckentfremdet und ließ uns trotz müder Beine lieber die Treppe benutzen.

Unübersehbar auch die große Zahl an „kaputten“ Menschen, die hier an jeder Ecke und in jedem Stadtteil anzutreffen sind, von Drogen aller Art gezeichnet ihren Frust in die Welt hinausrufen, mit stierem Blick durch die Straßen laufen oder ohne alle Hoffnung auf den Gehwegen und Plätzen liegen. Menschen im Rollstuhl mit schwersten Verletzungen und Amputationen fahren bettelnd umher, weil es anscheinend für sie keine Fürsorge gibt.

Spätestens hier ging unser „Traum“ von San Franzisco zu Ende, denn diese Realität können wir nicht einfach ausblenden. Es fiel uns nicht so leicht, uns für das Schöne zu öffnen, denn das gibt es ja schließlich auch.

Wenn wir es denn mal geschafft haben, dorthin zu gelangen, flanierten wir gerne an der Fisherman´s Warf, stöberten in den bunten Läden der Hippieära ,schlenderten durch das alte Chinatown, freuten uns an den gut restaurierten alten Häusern und vergnügten uns mit den Autofahrern, die sich - wie damals Michael Douglas in „Die Straßen von San Franzisco“ - einmal die kurvenreiche Lombardstreet hinunter wagten. Wir bummelten über den Pier 39, schauten, was die Fischer so an Land gebracht hatten, und gesellten uns zu den anderen zum Picknick auf dem Rasen der kleinen Parkanlage.

Wir besuchten das alte Cable Car-Museum und entdeckten hier auch eine Ausstellung zur Erdbebenkatastrophe von 1906, in deren Folge die Brände seinerzeit nahezu die komplette Stadt zerstörten. Davon ist heute natürlich nichts mehr zu sehen, so dass man das Risiko durch den Sankt-Andreas Graben glatt vergessen könnte.

Gut, dass der wenigstens in diesen Tagen keinen Aufstand geplant hatte.

Unser Resümee am Ende unseres Besuchs: Traumhafte Vorstellungen werden durch einseitige Reportagen geweckt; die Realität ist eine andere. San Franzisco ist schön, wird uns aber wohl nicht ein zweites Mal locken.