Highway No 1 – Oder: Am Laborday ist die Hölle los

30. August 2014  - Der Highway No 1 – Oder: Am Laborday ist die Hölle los

Es ist ein Samstag, als wir uns von Elke und ihrer Familie verabschieden, aber nicht irgendein Samstag, sondern der vor dem Nationalfeiertag Labourday, welcher immer am ersten Montag im September stattfindet. An diesem Tag sollen angeblich „alle“ Amerikaner unterwegs sein. Das ist für uns ein Grund, irgendwo in der Einöde unsere Zuflucht zu suchen. In San Jose haben wir noch einige Besorgungen zu erledigen, u.a. den Kauf eines Transformators, damit die Stromversorgung unseres Womos auch im Schatten bzw. ohne Solar möglich ist. So ist es bereits Nachmittag, als wir die südlich gelegenen Stateparks mit ihren Campgrounds anfahren. Die Strecke ist mal wieder atemberaubend: Über zwei Stunden führen uns schmale Straßen in steilen Serpentinen die Hänge rauf und runter, durch tiefe, enge, bewaldete Schluchten und mit wildem Buschwerk bewachsenen Höhen. Meilenweite Naturlandschaft ohne Anzeichen einer Besiedlung. Doch Gustav hat hier landeinwärts einige Campgrounds ausgemacht und tatsächlich finden wir den ersten auch da, wo er planmäßig zu sein hat. Doch was ist das? Eine Sperre signalisiert: Campground closed! Wegen der Dürre! - Na toll! Im Eingangshäuschen sitzt tatsächlich noch eine Parkaufsicht, die uns aber auch nicht auf dem leeren Parkplatz stehen lassen will. Immerhin hat sie eine Liste mit weiteren Plätzen für uns. Da sind wir aber mal gespannt, denn jetzt geht es doch wieder an die Küste, die wir gerade an diesem Wochenende meiden wollten. Und so kommt es denn, wie es kommen musste: Nach mehreren Absagen an vollen Plätzen stehen wir am Abend um halb neun in der Dunkelheit und ziemlich erledigt - vor einem Motel. Doch an diesem Tag gibt es auch hier wohl nur Willkürpreise und 175 Dollar für ein simples Dreisterne-Zimmer sollen uns entweder verjagen oder einfach nur abzocken. Wir gehen. Auf der Straße frage ich einen Einheimischen nach einem möglichen Übernachtungsplatz. Und – kaum zu glauben – der gute Mann nennt uns gleich 3 Plätze in der Nähe. Eine halbe Stunde später checken wir auf einem 200-er RV-Platz ein und bekommen für 65 Dollar den angeblich letzten freien Platz in absoluter Kuschelnähe zum Nachbarn. Wow! – Gut das es schon dunkel ist, das hält die Platzangst noch einigermaßen unter Kontrolle. Oh Amerika, du großes, weites Land!

Am nächsten Tag geht es weiter die Küste entlang und wir fragen schon mal am Mittag nach einem Platz. Aber, na klar, die sind alle ausgebucht. Einige Stunden später finden wir direkt oberhalb der Steilküste einen kleinen Parkplatz, der zuvor ein Teil der alten Straßenführung war. Hier wird erst mal gemütlich Pause gemacht und die Weite des Ozeans genossen. Unter uns schlägt die Brandung gegen die Felsen, über uns ein strahlend blauer Himmel und vor uns das schier endlose Meer. Und während wir noch so vor uns hin träumen, entdeckt Gustav plötzlich eine Wasserfontäne in den Wellen. Kurz darauf erkennen wir tatsächlich mit unserem Fernglas einen Wal – und wenig später einen zweiten. Allem Anschein nach haben die hier ihre Jagdgründe und wir finden es einfach nur schön, diesen tollen Tieren hier ungestört zuschauen zu können.

 

Bald bricht die Dunkelheit herein und da hier ausnahmsweise kein Verbotsschild steht, bleiben wir einfach, wo wir sind. Am nächsten Morgen bemerken wir einen PKW, der sich über Nacht zu uns gesellt hat. Ein Surfer krabbelt leicht verknautscht aus dem Fond, schaut blinzelnd im Sonnenlicht aufs Meer und ist bald darauf wieder verschwunden. Wer weiß, vielleicht macht Surfen ja auch süchtig.

Ein paar Fahrstunden später erreichen wir das Hearst-Castle. Hier hat der bekannte Zeitungsverleger sich seinerzeit ein eigenes Schloss bauen und mit antikem Interrieur aus Europa einrichten lassen. Das riesige Anwesen ist heute ein Museum. Vom Besucherparkplatz an der Highway bringen Shuttlebusse die Besucher hoch zu dem mehrere Kilometer entfernt liegenden Gemäuer.

Wir haben unseren Bedarf an Schlössern bereits in Europa gedeckt und zudem keinen Spaß an diesem Rummel. Da wenden wir uns lieber wieder dem Meer zu, denn hier gibt es plötzlich ganz viele Wale zu sehen. Man kann sie kaum zählen, sie tauchen kurz auf und sind im nächsten Moment wieder außer Sicht; doch mindestens 20 Buckelwale genießen hier grad ein Planktonbuffet. Drei von ihnen jagen gemeinsam. In einer Formation und ästetisch wie beim Ballet sieht man zunächst ihre Köpfe, dann gleitet der Rücken in einem eleganten Bogen durch die Fluten und zum Schluß  - fast königlich ein Wink mit der Schwanzflosse. Die Tiere sind hier so nah an der Küste, daß man nicht einmal ein Fernglas braucht und so halten immer mehr Fahrzeuge am Straßenrand und die Menschen lassen sich wie wir von den friedlichen Meeressäugern in den Bann ziehen.

Irgendwann läßt die Flut nach und die Wale ziehen sich langsam meerwärts zurück.

Der nächste Stopp ist Morrobay. Hier können wir uns die Beine vertreten, denn ein kleiner Kunstmarkt lädt geradezu zum Bummeln ein.

 

Wir finden für diese Nacht unser Plätzchen in einem Statepark in der Nähe.