Ostfriesentreffen - zum Zweiten

28. August 2012 – Ostfriesentreffen zum – Zweiten …..

Heute fahren wir 500 km vom Kings Canyon zurück nach Norden. In Davis bei Sacramento erwartet uns Elke mit ihrer Familie. Für alle, die es nicht wissen: Elke ist eine von den Wallrichs-Zwillingen aus unserem kleinen Dorf, die Ende der Neunziger im Alter von ca.30 Jahren ihr Glück in den Staaten gesucht hat.

Wir freuen uns sehr auf das Treffen und sind ganz gespannt, was Elke bis dahin erlebt hat und wie es ihr heute geht. Und so fahren wir durch die Hitze Kaliforniens und am Abend durch die Rush Hour Sacramentos, bis wir die überraschend grüne Stadtgrenze von Davis passieren. Bäume säumen die Straßenränder und selbst die Vorgärten sind begrünt; das haben wir auf der ganzen vorherigen Strecke nicht gesehen. Hier ist ja schließlich Wüstengebiet und die gesamte landwirtschaftliche Industrie, der Anbau von Getreide, Obst, Gemüse, und Wein würde ohne künstliche Bewässerung überhaupt nicht funktionieren. Ist es hier oben anders? Die Temperaturen sind zumindest nicht gesunken.

Die gesuchte Adresse führt uns in eine ruhige Wohnsiedlung mit lauter hübschen Einfamilienhäusern und so parken wir Käptn Blaubär unter einem schattigen Ahorn vor Elkes Heim. Wie sich später herausstellt, handelt es sich hierbei um ein in den Siebzigern erstelltes modernes Architektenhaus mit bis unters Dach offenem Wohn- und Essbereich (Achim, Uli und Meike: Ähnlichkeiten sind unübersehbar!).

Auf unser Klingeln öffnet ein kleines, blondes Mädchen die Tür. Isabel, die jüngste von zwei Töchtern, ist schon über uns informiert und begrüßt uns ganz artig. Kurz darauf kommen ihre Schwester Patricia und Papa Mark dazu und die Vorstellung ist in vollem Gange. Etwas später können wir auch endlich Elke in die Arme schließen, denn sie musste zuvor noch einen Termin in der Schule wahrnehmen. Aber jetzt geht es los: Wir haben uns ja soviel zu erzählen und so manches Mal geht es lustig kreuz und quer und das zusätzlich in der Sprache. Elke und ich reden natürlich plattdeutsch miteinander; das muss wieder ins Deutsche und ins Amerikanische übersetzt werden. Hinzu kommt, dass Elke aktuell eine taiwanesische Studentin beherbergt, für die die amerikanische Sprache auch noch nicht so einfach ist, und die wir doch gerne mit integrieren wollen. Mark hat mittlerweile einige „Frikadellen“ auf dem Grill gebrutzelt und so beschließen wir gemeinsam den inzwischen lauen Sommerabend in der Laube mit einem echten, amerikanischen Nationalgericht, den Hamburgern.

Was wir die Monate zuvor schon auf den Campingplätzen erlebt hatten, gilt auch hier: Man geht früh zu Bett. Mark ist Statistiker im Staatsdienst und sein Tag beginnt um halb sechs in der Früh. Elke unterrichtet stundenweise Englisch für Ausländer und bringt davor um sieben Uhr die Kinder in die Schule. Anschließend kümmert sie sich um ihre Studenten daheim, den Haushalt und den Garten. So ist es verständlich, das am Abend um 20.30 Uhr die Nachtruhe beginnt. Wir haben nichts dagegen, denn nach so einer Tagesreise sind auch wir rechtschaffen müde.

Am nächsten Tag hat Elke aber mehr Zeit für uns und wir sind froh über das sehr persönliche Miteinander. Wir erfahren so einiges über den „American Way of Life“, über die Unterschiede zu Deutschland oder über Situationen, die einfach nur mal nerven.

Auf privater Ebene wird fast alles geplant oder unterliegt diversen Einschränkungen: Kinder können – selbst im Grundschulalter - nicht mal einfach zum Nachbarkind rüberlaufen, sondern es ist Usus, solche Spiel- und Begegnungszeiten vorher mit den Eltern abzusprechen. Nicht selten sind die Terminkalender der Kinder genauso voll wie die der Erwachsenen und die Mütter finden sich unversehens in der Rolle des Chauffeurs ihrer Kinder wieder.

Und wenn einem mal danach ist, sich dem allem zu entziehen, alleine in der Natur die Stille zu suchen, so ist auch das hier nicht möglich; lange einsame Strände und Wälder sind entweder in privater Hand und man halst sich schnell eine Anzeige auf, oder sie sind eingezäuntes Staatseigentum mit einer begrenzten Zahl von Parkmöglichkeiten, die entsprechend frequentiert und natürlich nicht umsonst sind.

Auch in der Stadt geht man nicht spazieren, zum einen weil es nicht üblich ist, und zum anderen weil es tagsüber viel zu heiß ist und abends die Dunkelheit naturgemäß recht plötzlich hereinbricht.

Um sich und den Kindern hier etwas Freiraum zu schaffen, haben Mark und Elke die Mitgliedschaft in einem Countryclub erworben. Dieser Club besitzt unweit ihrer Wohnung ein begrüntes Sportgelände mit kleinem See; Pools und Tennisplätzen, so dass die Familie hier etwas Erholung finden kann. Viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht, denn ihr Terminkalender weist selten größere Lücken auf.

So ziehen wir denn auch am Samstagmorgen nach einem gemeinsamen Frühstück in großer Runde wieder unserer Wege.

Liebe Elke, danke für deine Gastfreundschaft, die liebevolle Aufnahme in deiner Familie und für deine Zeit und die guten Gespräche!

Bis auf ein Wiedersehen!