"Ups and Downs" im Redwood Nationalpark

7. August 2014  -   Redwood-Nationalpark

Zurück im Bereich des Pazifiks überqueren wir heute erstmals die Grenze zu Kalifornien und landen gleich - mal wieder – in einem Märchenwald, dieses Mal in dem der Riesen: 80 Meter hohe Nadelbäume (Redwood) lassen uns die Halse recken und dennoch könne wir die Spitze nur erahnen; manche sind 800 oder gar bis zu 2000 Jahre alt und haben Durchmesser von über sechs Meter; hinter denen kann sich sogar unser „Käptn“ verstecken. Der Boden wird bedeckt von hohen Schwertfarnen, die das ganze irgendwie urzeitlich erscheinen lassen: Könnte hier nicht gleich ein Dino um die Ecke schauen?

 

 

 

 

Aber nein, es bleibt ganz friedlich, nicht einmal ein weißes Einhorn lässt sich blicken. Schade!. So gehen wir beide Hand in Hand ganz fasziniert durch diese Wunderwelt und fühlen uns ein wenig klein und doch sehr glücklich, diese geretteten Naturphänomene erleben zu dürfen.

Etwas weiter in Richtung Klamath entdecken wir ein kleines, gut sortiertes Museum, welches das Leben der Indianer Nordamerikas – ihren Regionen entsprechend - darstellt. Eine private Sammlung dokumentiert an Hand verschiedener Bekleidungs-, Alltags- und Zeremoniengegenstände nicht nur das Leben der Prärieindianer, sondern auch das der Eskimos, der Küstenindianer, der Navajos und der Cariben. Einiges davon werden wir vielleicht noch näher erleben, anderes weckt neue Reiseträume; doch wir nehmen mit: Diese Menschen waren in Handwerksdingen wahre Meister und ihre geniale Kreativität und bringt uns heute noch zum Staunen.

 

 

Die Nacht verbringen wir in einer schön gelegenen Anlage direkt am Meer in Crescent City.

Anderntags führt uns die 101 weiter südlich bis an die Mündung des Klamath River ins Reservat der Yurok- Indianer. Hier entdecken wir einen wunderschönen Campground, wieder direkt am Meer, nur mit dem Unterschied, dass wir hier von unserem Womo aus sowohl den Seelöwen und den Pelikanen  als auch den Indianern beim Fischfang zuschauen können. Die Yurok betreiben hier eine Stellnetzfischerei und so sieht man sie in den Abend- und den Morgenstunden mit ihren z. T. bunt bemalten Booten die Netze auf ihren Fang überprüfen und den Inhalt dann anschließend in der Zentrale hier am Platz zu sammeln und für den Verkauf vorzubereiten.

Die Seelöwen hingegen sammeln nicht: Sie preschen durch das Wasser, man sieht kurz ihren runden Kopf und die fröhlichen Kulleraugen und im nächsten Moment tauchen sie in einem eleganten Bogen ab mit der höchsten Wahrscheinlichkeit einen Leckerbissen erwischt zu haben.

Auch die Pelikane bieten ein entsprechendes Schauspiel; mit einer beeindruckenden Leichtigkeit schweben sie über den Meeresspiegel um in der nächsten Minute pfeilschnell ins Wasser zu tauchen, den Hals im wahrsten Sinne des Wortes: voll (Fisch)!

Auf uns hat das Ganze eine etwas hypnotisierende, ja äußerst entspannende Wirkung, der wir uns nur schwer entziehen mögen. Dass dieser Campground nur so wenig besucht ist (von den etwa 30 Plätzen sind gerade einmal vier besetzt), liegt wahrscheinlich an der für große Womos und Trailer unmöglichen Zuwegung Nun gut, dafür haben wir hier einen lockeren, fast familiären Umgang, unsere Ruhe und wenig qualmende Campfeuer.

 

9. August –„-Up and Down“ - und andersherum; oder: „Ein ganz spezieller Tag“

Heute Morgen kurz vor dem Abwasch versagt unsere Wasserversorgung. Die Pumpe müht sich, aber es kommt kein Wasser. Was kann das nur sein?, rätseln wir beide. Also wird Platz geschaffen, der Tank freigelegt und nach dem Übel geforscht. Nach einer Weile hat Gustav den zwischengeschalteten Wasserfilter in Verdacht. Und siehe da: Das Ding sieht ziemlich übel aus. Da haben sich inzwischen ganze Sedimentschichten abgesetzt (Gold war leider nicht dabei) und so anscheinend den Durchfluss behindert. In der Folge wird der Filter auseinandergenommen, peinlichst mit Bürstchen und Pinselchen gereinigt, wieder zusammengesteckt – ja – und da passiert das Malheur: Gustavs nicht gerade schwachen Hände vertragen sich nicht mit dem zart besaiteten Kunststoffmaterial und ein leises Knackgeräusch vermeldet das Dahinscheiden unseres Wasserfilters. Na toll! Ich bin erst mal geschockt. Haben wir nun statt eines Wohnmobils nur noch einen Schlafwagen? Wie soll man das wieder hinbekommen? Ist so ein deutsches Teil hier überhaupt im Handel? Und wenn ja, wo???

Es ist Samstag, wir sind 120 Meilen von der nächstgrößeren Stadt entfernt, dazwischen liegen noch einige bisher unerforschte Hauptattraktionen des Redwood-Parks und eigentlich wollten wir doch noch hier bleiben. Doch was nützt es? Wir überlegen kurz zu improvisieren, entscheiden uns aber in Anbetracht des bevorstehenden Wochenendes doch für die Fahrt nach Eureka. Die Strecke dorthin ist eigentlich unglaublich schön, bietet sie doch wundervolle Ausblicke auf den Pazifik mit seinen unterschiedlichen Küstenstreifen; Doch sie vermag uns nur zeitweilig aus unseren dunklen Grübeleien zu reißen. Dazu kommt noch die Nachricht von Stefan, dass er mit seiner Truppe in Eureka war und sie in Richtung San Franzisco weiterfahren. Auch das noch: Wie schade! Hatten wir uns doch so auf ein Treffen gefreut! Und Gustav kann nun auch noch nicht einmal antworten.

Nach anderthalb Stunden erreichen wir auf einer vierspurigen Einfallstraße die Peripherie von Eureka und entdecken – natürlich auf der linken Seite – einen Wohnmobilhändler. Wir können nicht rechtzeitig stoppen, um den speziellen Abbieger zu erwischen, und sind gezwungen, weiter stadteinwärts zu fahren. Einige Kilometer weiter sieht Gustav erneut einen RV-Händler, ich bremse rechtzeitig ab, fahre vorbei an einer Tankstelle (Wir brauchen noch dringend Diesel!) und sehe: Es ist kein Händler, sondern ein RV-Park. In gleichem Schwung drehe ich zur Tankstelle um, denn das können wir ja nun mal erledigen – und während Gustav sich noch mit den immer überraschenden Tankprozedere auseinandersetzt, sehe ich mich plötzlich einem fröhlich grinsenden Gesicht gegenüber: Stefan Luitjens aus Uplengen! Ist das zu glauben???

Wir wussten schon länger, dass Stefan und sein Vater im August in den Staaten sein würden und hatten schon mal einfach so beschlossen uns zu treffen, ohne zu wissen wie sicher die Realisierung sein könnte. Vor einigen Tagen erreichte uns Stefans Nachricht von seiner Landung in Vancouver und von der Reiseroute, die unserer sehr ähnelte. Meine Antwort erhielt er verspätet, weil entweder wir oder er keinen Funkkontakt hatte(n), und nach der letzten Meldung hatten wir schon keine Hoffnung mehr. Doch so kann man sich irren (glücklicherweise). Was ist das für ein besonderes Ereignis, dass wir uns just hier und genau zu diesem Zeitpunkt in dieser nicht so kleinen Stadt begegnen?

Es stellt sich heraus, dass Stefans Vater gerade hier eine Harley Davidson Filiale entdeckt und die spontan angefahren hatte, weil er dringend einen neuen Helm brauchte. Also hinter uns Harley, rechts der RV-Platz und vor uns die Tanke. Was für ein Ding!!! Wir blockieren erst mal vor lauter Freude die halbe Tankstelle und vorbeikommende Tankkunden haben auch noch ihren Spaß.

Stefan und sein Vater sind schon des öfteren in den Staaten unterwegs gewesen und kennen sich auch hier in Kalifornien schon gut aus. Die beiden sind mit drei Freunden unterwegs, zwei reisen im Begleitfahrzeug (schöner Ami-Alkoven) und drei auf den Motorrädern. Unser so schönes und unverhofftes Treffen wird erst mal mit einer anständigen Tasse Tee mit Kluntje und Sahne  gefeiert und dabei genießen wir den gegenseitigen Austausch unserer Eindrücke und Erfahrungen und haben noch den ein oder anderen Tipp füreinander. Zu alledem hat Johann noch einen speziellen Telefonvertrag, mit dem er uns ermöglicht, Elfriede um 23 Uhr deutscher Zeit mitten in ihrer tollen Geburtstagsparty zu überraschen: „Elfriede, schön, dass wir ein bisschen mit dabei sein konnten“ Und Johann: „Natürlich ein dickes Dankeschön für Dein Telefon!“

Gute zwei Stunden später verabschieden wir uns von Johan, Stefan und den „Gefährten“; Und während die einen die Nr. 1 nach San Franzisco vor sich sehen, sehen sich die anderen dem bisher ungelösten Problem der Wasserversorgung gegenüber.

Der Tankwart hat eine Adresse eines RV-Händlers für uns, doch als wir etwas später auf den Hof fahren steht  „Sorry, we are closed“ an der Tür. Uns bleibt nichts übrig als weiter zu suchen und das Navi ist dabei leider nicht sehr hilfreich. Eine halbe Stunde später finden wir einen zweiten Zubehörladen, der auch glücklicherweise geöffnet hat. Drinnen hat Gustav recht schnell einen entsprechenden Filter in der Hand, aaaber --- leider stimmt der Durchmesser nicht. Der Ladenbesitzer überlegt noch mit Gustav zusammen, wie eine Überbrückung funktionieren könnte, doch auch die Umsetzung funktioniert leider nicht, weil passende Schläuche fehlen. Wir fragen nach dem nächsten Heimwerkermarkt und haben jetzt doppelt Glück: Der Markt liegt direkt um die Ecke und hat die notwendigen Verbindungen. Noch auf dem Parkplatz bringt Gustav die Wasserwelt (und auch die meine) wieder in Ordnung.  -  Heureka in Eureka! Oder auch:„O happy Day…“ Zuerst das  unverhoffte Treffen, das unter diesen Bedingungen unmöglicher gar nicht sein konnte, und dann haben wir am Ende des Tages wieder ein funktionierende Womo.

Nach einem Imbiss in einem Biorestaurant fahren wir die 120 km wieder zurück zu dem verträumten Platz in der Lagune bei Klamath.