Adios Mexiko

18. Mai 2015, Patagonia, Arizona

Ja, wir haben es geschafft: Wir sind MIT „Käptn Blaubär“ wieder in die Staaten zurückgekehrt! Am Sonntagnachmittag am Grenzübergang Nogales dauerte es keine halbe Stunde, bis unsere Pässe kontrolliert, die Fahrgestellnummer überprüft und unser Kühlschrank inspiziert waren. Gefragt wurde nach Geflügel-, Schweinefleischprodukten, Eiern, Kartoffeln und  Äpfeln; doch da wir uns bei „Churches“ vorab informiert hatten, war dies kein Problem. Die beiden Grenzer im Außenbereich waren sehr freundlich, hilfsbereit und sogar zu einem „Schwätzchen“ aufgelegt. Ganz im Gegensatz dazu der Schalterbeamte – „Seine Macht und Herrlichkeit“ in Person empfängt uns mit feindselig, herablassendem Blick, der besagt: „Geh mir aus der Sonne“ oder „Sieh zu, dass du Land gewinnst“ aber auf jeden Fall: „ Ihr seid hier unerwünscht!“

Noch ehe der nette uns begleitende Officer erklärt hat, worum es geht,  ist uns schon klar: Hier bekommen wir keine Visaverlängerung.

Dazu folgendes: Als wir im Januar in Las Vegas eingereist sind, haben wir den Fehler gemacht, ohne groß darüber nachzudenken dem dortigen Officer zuzustimmen, als er uns ein halbjähriges Visum anbot. Dabei hätte ein 14-tägiges gereicht, da wir ja ohnehin vorhatten den Winter in Mexiko zu verbringen. In dem Fall wäre es eine Neueinreise mit  - höchst wahrscheinlich - einem 180-Tage-Visum gewesen. Jetzt bleiben uns – wir hatten es schon befürchtet – grad mal sechs Wochen für die Staaten, bevor wir wieder offiziell ausreisen müssten. Müssten – weil in den „ach so demokratischen“ USA die letztendliche Entscheidung der Willkür eines Grenzbeamten unterliegt. Und „Badman“ hier in Nogales ist ein typisches Beispiel dafür.

Aber immerhin – unser „Käptn“ wurde nicht konfisziert und wir sind wieder in Amiland. Doch wär hätte das gedacht: Nach ein paar Meilen im nächsten Ort  - wir fremdeln ganz schön, fühlen uns plötzlich irgendwie im „falschen Film“: Alles ist so steril, so supergeordnet, anonym, und was uns ganz besonders fehlt, sind die lächelnden Gesichter, die freundlichen Menschen – mit denen man so unkompliziert und spontan in Kontakt kommt.

Mexiko, dieses verrückte, chaotische, bunte, meist fröhliche Land mit seiner lässigen Lebensart hat uns für vier Monate in seinen Bann gezogen.

Es hat uns meistens begeistert (Land, Leute, Klima)  -   manchmal entsetzt (der immense Kontrast zwischen Arm und Reich, der Drogenkrieg, der viele Müll)  -  und oft überrascht (kreative Problemlösungen/ die lässige Auslegung der Verkehrsordnung / freundliche Polizisten).

Genervt hat uns die Vorliebe der Mexis für Böller, Raketen und „Musik“ in Discolautstärke (unter freiem Himmel versteht sich), die besonders an Wochenenden für schlaflose Nächte sorgte. Genervt haben die „zig-millionen“ Topes, die uns unzählige Male - auch gerne ohne Vorwarnung -  von 100 km/h  auf  Null gebracht haben, wobei des öfteren die Kühlschranktür aus der Sicherung riss und den Inhalt, einschließlich diverser Flüssigkeiten, auf den Boden entleerte. Diese Topes, die den Verschluss vom Abwassertank forderten und immer mal wieder die Tragfähigkeit unserer Anhängerkupplung prüften, waren zudem eine echte Herausforderung für die vorgeschädigten Traggelenke.

Das Klappern wurde immer bedenklicher, so dass Gustav in San Miguel erneut einen Mechaniker zur Überprüfung heranzog. Dieser kam zu dem Schluss, dass die Spurstangenköpfe defekt seien. Wir ließen uns diese Diagnose in der nächstgelegenen MAN-Werkstatt im 100 km entfernten Queretaro bestätigen und fuhren dann zwecks Ersatzteilanforderung zurück nach San Miguel, denn der RV-Park hier bot dafür die besten Voraussetzungen.

Wir hatten angenommen, dass die Versendung genauso schnell erfolgen würde wie seinerzeit in Payson und dass wir spätestens nach einer Woche wieder unterwegs sein könnten. Doch da wußten wir noch nicht von den Umstrukturierungen im Notfall-Management des Mobil-Clubs. ( Einzelheiten dazu hat Gustav auf unserer HP unter „Vorbereitungen/Erfahrungen“  veröffentlich).

Und so begann für uns eine frustrierende und nervlich belastende Zeit.

  • Zuerst  funktionierte die Telefon-Skype-Verbindung mit dem Mobilclub nicht. Bei vier Versuchen war jedes Mal ein anderer Mitarbeiter am Telefon und wenn ansatzweise unser Problem zur Sprache gekommen war, brach die Verbindung zusammen. Also fing man wieder von vorne an.

Irgendwann klappte der Kontakt endlich über Mail. Doch dank der Zeitverschiebung von sieben Stunden verzögerte sich die Reaktionszeit oft um einen Arbeitstag. Wieder banges Warten! Dann stellte sich heraus, dass die nunmehr zuständige AVD die Ersatzteilbeschaffung auf ein größt möglichstes Maß verkomplizierte und sie erst zwei Tage später auf Gustavs Hinweis mit der DHL die Sendung auf den Weg brachten. Letztendlich vermasselte sie noch die internationale Expresslieferung,  so dass wir nicht sicher sein konnten, wann denn die Teile bei uns eintreffen würden. Leute vor Ort wollten sich lieber nicht festlegen, da sie selber auch schon mal einen Monat auf  Zustellung durch die Mexikanische Post warten mussten.

Oh, unsere Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Es folgten einige schlaflose Nächte, bedingt durch unseren angeschlagenen Zustand, jedoch noch mehr durch die hier üblichen, von extremem Krach begleiteten Festivitäten. Aus den offenen Innenhöfen der umliegenden Häuser und Hotels dröhnt es am Wochenende, was die Boxen hergeben, und es werden Böller und Raketen abgefeuert mit einer Ausdauer, die uns schier fassungslos macht. Das klingt dann schon mal wie ein mehrstündiges Neujahrsschießen,  am Tag und in der Nacht und auch schon mal mitten in der Woche.

 

                                                            Danke an Günter für diese Fotos!

 

So flüchten wir uns während der nächsten Wochenenden ins ruhigere Guanajuato, was uns auch an sich besser gefällt. Leider haben wir nicht daran gedacht, diesen Campingplatz als Lieferadresse anzugeben.

 

 

 

 

 

San Miguel de Allende war mit Abstand der lauteste Ort auf unserer Reise durch Mexiko und bleibt uns  -  abgesehen von den netten Begegnungen – nur mit Unbehagen in Erinnerung. Immerhin finden wir hier eine Werkstatt, die die neuen Spurstangenköpfe  (mit unkonventionellen Methoden)  einbaut und die Spur mit Maßband einstellt. Als das Klackern dann zu unserem großen Schrecken immer noch vorhanden ist, stellt der Mechaniker fest, dass die defekten Puffer am linken Traggelenk, bzw. Querlenker dafür die Ursache sind. Wenn wir ihn richtig verstanden haben, wäre es derzeit kein sicherheitsrelevantes Problem. Das bedeutet für uns, wir sind am nächsten Tag „so was von weg“ aus San Miguels Dunstkreis.

Hier in Mexiko beginnt in den für uns interessanten Teilen des Landes nun die Regenzeit mit hohen Temperaturen, entsprechender Luftfeuchtigkeit und einem Wohlfühlklima für Moskitos und Co. Also heißt es für uns: Nichts wie raus!

Nach Süden hin hat die Fähre zwischen Panama und Kolumbien wieder mal ihren Dienst eingestellt, (lt. Webseite: für diese Saison  - also „nichts Genaues weiß man nicht“) und eine diebstahlgefährdete Frachtschiffpassage wollen wir nicht. Also entscheiden wir uns, den Sommer in Nordamerika zu verbringen.

Da die Golfküste, einschließlich der USA-Südstaaten, von einer längerfristigen Regenwetterfront heimgesucht wird, ziehen wir die Pazifikroute vor.

 

 

 

Südlich von Guadalajara verbringen wir eine wunderbar ruhige Nacht bei einem Balneario. Am nächsten Morgen relaxen wir noch vor dem Frühstück in einem von heißen Quellen gespeisten Pool, umgeben von tropischer Vegetation während ums uns herum die Vögel singen. Welch eine Wohltat nach den vergangenen Wochen!

550  Kilometer weiter erreichen wir in Mazatlan den Pazifik und auch den Ausgangspunkt unserer Rundreise auf dem mexikanischen Festland. Inzwischen sind die meisten Camper aus Kanada und den USA wieder heimwärts gezogen und wir haben den Platz fast für uns alleine. Hier hat es am Tag Temperaturen von über 40 Grad, was bei unserem Digitalthermometer zu dem bekannten Aussetzer führt.  Am Abend  bietet der Pool hoch über dem Meer eine willkommene Erfrischung und wir genießen von hier einen spektakulären Sonnenuntergang, der uns ein wenig wehmütig die wunderbaren Erlebnisse in diesem Land in Erinnerung ruft. Wir bleiben zum Ausspannen noch einen weiteren Tag.

Weitere 500 Kilometer später landen wir in Huatabambito auf einem Platz, wo wir nun wirklich die einzigen Gäste sind. Wir stehen auf festem Sandboden und wenige Meter vor unserem Womo spült das Meer seine Wellen an Land. Gegen Abend macht uns die Natur das Geschenk,  in Strandnähe zwei Delphine beim Fischfang beobachten zu dürfen. Ein wenig zweifelhaftes Vergnügen ist später die aufdringliche Moskitoarmada. Doch dem setzen wir uns mit unserem neuen Spielzeug – dem elektronischen Mückentennis - zur Wehr: Hey, welch ein Erfolgserlebnis, wenn jeder Treffer mit einem blitzenden Klicken belohnt wird!

In Guayamas verbringen wir die letzte Nacht in Mexiko, bevor wir uns am nächsten Tag, einem Sonntag auf den Weg nach Nogales machen. Auf mexikanischer Seite geben wir unsere Touristenkarten ab, kaufen bei einem Mitglied der Mennonitengemeinde einen leckeren Käse ein, tauschen unsere Pesos zu einem guten Kurs in Dollar um und verabschieden uns aus Mexiko.

Hasta luego!