Auf zu neuen Ufern - Mazatlan

27. Januar 2015, Mazatlan, Mexiko

 

Am Sonntagmittag heißt es Abschied nehmen von den Reiseprofis Ilka und Günther, und von Roli und Esti, unseren liebgewonnenen Schweizern. Roli hat uns mit umfangreichem Kartenmaterial und vielen praktischen Tipps versorgt und Esti überrascht uns mit selbstgebackenem Brot. Hmm, Esti, das war superlecker! Wir konnten uns aber auch echt nicht zurückhalten beim Verzehr. Wir revanchieren uns beim Widersehen, wo und wann immer das sein mag!

Wir fahren raus aus La Paz zur Playa Tecaolote, einem wunderbaren Naturstrand am türkisfarbenen Meer, wo die Wohnmobile frei nach Geschmack geparkt werden können. Und siehe da, wer winkt uns hier schon freudig entgegen: Ann-Mary und Rob. Nach kurzer Begrüßung laden sie uns für später auf einen Drink ein.

Bis dahin genießen wir das Strandleben: Viele Einheimische treffen sich hier an diesem Sonntag zum Picknick, zum Grillen unter den Palapas, zu Spiel und Spaß oder schauen – genau wie wir – den Pelikanen bei ihrem spektakulären Fischfang zu. Mit Einbruch der Dämmerung wird es langsam ruhig und nach dem Abendessen begeben wir uns hinüber zum Wohnmobil der Kanadier. Rob und Ann-Mary sind pensionierte Lehrer und beide haben schon so manche Ecke dieser Erde auf alternative  Art – oft als  Backpacker – bereist; Darüber hinaus entdecken wir noch so manche Gemeinsamkeit, so dass es ein höchst interessanter Austausch wird.

Stunden später begeben wir uns bei Mondenschein auf dem Weg zu „Käptn Blaubär“ und lassen uns bald vom sanften Wellenschlag des Meeres einlullen.

Am nächsten Vormittag werden wir zunächst im Immigrationsoffice in La Paz vorstellig und lassen dort unser Visum auf 180 Tage verlängern.  Anschließend fahren wir nach Pichilingue in den Hafen, um uns nach den Überfahrtsmodalitäten zu erkundigen. Hier erhalten wir für unseren „Käptn“ eine zehn Jahre gültige Importgenehmigung und zahlen dafür knapp 60  - US-Dollar! Dies ist übrigens die einzig akzeptierte Währung. Na, was das wohl zu bedeuten hat?!

Keine hundert Meter weiter ist das Büro der Frachtschifflinie TMC. Also lassen wir aus Platzgründen „Blaubär“ erst einmal auf dem Parkplatz stehen und gehen zu Fuß rüber. Im Büro angekommen, werden wir gefragt, wann wir denn fahren wollen: Heute? Upps! So schnell geht das? Ja, aber warum eigentlich nicht? – Ein suchender Blick der Angestellten aus dem Fenster: Wo ist denn ihr Wohnmobil? Ja, eehm… , das steht noch drüben beim Zoll. Ach so! – Ein verständnisvolles Lächeln: Dann sollten wir es mal rüber holen. Jepp! – Wir also zurück durch das Gewusel ein- und ausfahrender Fahrzeuge, Parkgebühr entrichten und selber mitwuseln, bis uns ein kundiger Mitarbeiter zielstrebig zu einer riesigen Waage lotst. Wir bekommen eine Bescheinigung in die Hand gedrückt, aus der u.a. hervorgeht, dass unser Womo nur noch 5 Meter lang ist. Damit geht es dann wieder zurück zur netten Dame am Ticketschalter; wir bezahlen 4250 Peso (ca. 250,- Euro) für uns drei und können anschließend gleich zum Schiff weiterfahren. Es ist 14 Uhr, als wir uns zu den kleinen Fahrzeugen an der Laderampe gesellen. Von hier aus verfolgen wir über eine Stunde die Ladeprozedur:  Spannend, wie riesige Trucks mit Anhänger rückwärts die Rampe hoch auf das Schiff manövrieren. Manche brauchen einen zweiten oder gar dritten Anlauf und es wundert, dass es keine Schrammen und Beulen gibt, allenfalls mal entnervte Fahrer. Aber dann sind auch wir dran. Zum Glück geht es aufs Oberdeck und nicht in den Bauch des Frachters und wir bekommen einen schönen sonnigen Platz an der Seite zugewiesen: Ja, da freuen sich doch die Solarzellen! Weitere zwei Stunden später ist die „Santa Marcela“ beladen und lichtet die Anker. Wir können es fast noch nicht  fassen: Wir sind tatsächlich schon auf dem Weg zu neuen Ufern.

 

Außer uns ist noch ein zweites Wohnmobil, ein Pickup mit Absetzkabine, an Bord. Dessen Besitzer spricht uns an und so lernen wir Enrique kennen, einen US-Amerikaner aus New York, mit chilenischen Wurzeln, der zu alledem noch  - sehr irritierend - wie ein zweiter „Crokodile Dundee“ aussieht. So ist es eigentlich nur logisch, dass wir es hier mit einem äußerst faszinierenden Menschen zu tun haben, an dessen Lebensgeschichte wir im Laufe dieser Überfahrt anteilnehmen dürfen. Nach einem gemeinsamen (inkludierten) Essen in der bordeigenen Kantine ziehen wir drei uns anschließend in den gemütlichen „Salon“ von „Käptn Blaubär“ zurück, bis es Schlafenszeit ist. Der Schiffsmotor brummt ganz  sacht und gleichmäßig und eine sanfte Dünung wiegt uns in den Schlaf. Nach siebzehn Stunden auf See läuft die „Santa Marcela“ in den Hafen von Mazatlan ein. Doch dann gibt es noch eine außerordentliche Verzögerung: Vor uns blockiert eine festgefahrene Fähre die Anlegestelle des Frachters, so dass wir weitere zwei Stunden warten müssen, bis wir von Bord können. Uns stört das Ganze nur peripher, haben wir mit unserem Womo doch unser trautes Heim immer dabei. Wir klönen noch ein wenig länger mit Enrique, bis zum endgültigen Abschied, und fahren anschließend auf einen örtlichen RV-Platz, um unsere Weiterreise zu organisieren.