Bergab - bergauf - von Tuxtla Gutierrez bis Oaxaca

26. März 2015, Oaxaca

In Tuxtla Guitierrez entschlossen wir uns, noch einmal an den Pazifik zu fahren: In einem kleinen Dorf namens Mazunte soll man Meeresschildkröten erleben können. Also, auf geht’s, vom Hochland hinunter zur Küste.

Die Strecke von 460km ist – abgesehen von einigen wenigen Orten – trist und öde, weil wir hier noch in der Trockenzeit unterwegs sind. Der Höhenunterschied mit dem entsprechenden Klimawechsel von 25 auf 38 Grad ist enorm und macht uns beiden sehr zu schaffen. Nach einer kompletten Tagesreise landen wir zunächst in Tangolunda auf einem Stellplatz in Hörweite des Pazifiks. Sehen kann man das Meer erst, nachdem man einen 50m langen Weg durch den Mangrovenwald zurückgelegt hat. Aber das ist ja nun einmal eine ganz nette Abwechslung. Dieses Vergnügen teilen wir -  da Sonntagabend ist – nur noch mit einer britischen Familie und mit den Kölnern Daniel und Alex und ihren Kindern. Und – oh, wie angenehm kann doch eine kalte Dusche sein!

Der Strand selber ist relativ klein, schattenlos und die Brandung ist mächtig – nichts, was uns zum längeren Verweilen reizt. Wir stehen mit unseren Fahrzeugen in der prallen Sonne und fußläufig ist nichts von Interesse zu erreichen, so dass wir alle am anderen Tag den nächstmöglichen Stellplatz anfahren. Der liegt eine Autostunde entfernt in dem recht überschaubaren ehemaligen Hippiedorf Zipolite.  Alternativreisende  aller Art fühlen sich hier wohl und relaxen in den einfachen Cabanas, in Hängematten und am Strand.

Für Wohnmobilreisende gibt es hier einen Platz, der zu einem Hotel gehört. Mangobäume, Palmen und blühende Tropenpflanzen und ein hübscher Pool laden spontan zum längeren Verweilen ein.

Doch wieder hat das Paradies seine Schattenseiten: Hier werden gerade Reparaturarbeiten mithilfe von Radlader und Co. durchgeführt, der Landstrom funktioniert nicht, abends bzw. nachts gibt es eine Wahnsinnsmückeninvasion bei Temperaturen um die 29 Grad, wir „schlafen“  bei offener Schiebtür und genießen den nächtlichen dorfeigenen Hundechor -  und das alles zu dem für hiesige Verhältnisse recht hohen Preis von 350 Peso.

In Mexiko darf man bestimmte Angelegenheiten, wie Tanken an den Tankstellen oder Wäschewaschen, nicht selber machen: Das wird von entsprechenden Angestellten oder Einrichtungen gegen Entgelt erledigt. So hatte ich auch hier in der ortseigenen Wäscherei unsere Wäsche abgegeben und war sehr erstaunt  im Nachhinein zu erfahren, dass die in dieser Ecke des Landes noch per Hand im speziellen Waschbecken  „gewaschen“ wird. Das Ergebnis lässt in diesem Fall zu wünschen übrig: Wie einmal durch die Lauge gezogen, an der Leine getrocknet, in Folie verpackt  - und das mit einer Restfeuchte von 20%. Doch das bemerken wir erst beim Auspacken im Womo. Da wir abfahrbereit sind, wird kurzerhand der Wohnraum mit Hemden, T-Shirts und Shorts dekoriert, und auf geht’s zu den Meeresschildkröten.

In Mazunte angekommen stellen wir fest, dass das Schildkröten-Forschungsinstitut montags und dienstags geschlossen hat. Wie schade! Aber das ist halt Mexiko.- Wir haben nun einfach keine Lust mehr, unter diesen für uns anstrengenden Bedingungen hier länger zu bleiben, und machen uns auf  zur nächsten Etappe. Wiederum geht es über steile Hänge und vielen Serpentinen, doch jetzt mit üppiger Vegetation hinauf in Richtung Oaxaca.

 

  

 

Doch die Strecke von 280 km braucht  auch hier ihre Zeit und wir merken am späten Nachmittag, dass wir es heute nicht mehr schaffen werden. In dem kleinen Ort San Jose stellen wir uns „El Presidente“, dem Bürgermeister des Ortes, vor. Bereitwillig stellt er uns einen hübschen Platz zwischen Kirche und Verwaltung zur Verfügung und wir haben hier endlich wieder eine erholsame Nacht.

Es ist nicht mehr weit bis Oaxaca und am Weg liegt die ehemalige Zapotekenstadt Monte Alban. Wir schlendern durch die Ruinen und erkunden den für dieses Volk so typischen, völlig anderen Baustil.

                                                          Museum von Oaxaca

 

 

 

 

In Oaxaca stehen wir mit unserem Womo auf einem Platz, der zwar völlig heruntergekommen und vernachlässigt ist, jedoch wegen seiner zentralen Lage – besonders von autarken Reisenden -  immer noch gern frequentiert wird. Ein willkommener Fußmarsch von etwa drei Kilometern – und schon sind wir am Zocalo. Doch o Wunder: Von dem ist kaum etwas zu sehen: Verkaufsstände, Zelte und gespannte Regenfolien ringsum. Als wir uns hier nach einem Cafe umschauen, riecht es penetrant nach Urin. In den Seitenstraßen entdecken wir noch mehr kleine Trekkingzelte und erfahren nun auch den Grund: Seit Wochen wird hier protestiert -gegen die Ermordung der 43 Studenten und für deren immer noch aktuelles Anliegen, der Verbesserung rudimentärer Lebensbedingungen. Es geht um Wasserrechte, medizinische Versorgung, Unterrichtsversorgung und um einen realistichen Mindestlohn, denn von umgerechnet sechs Euro für einen achtstündigen Arbeitstag kann niemand leben, auch hier nicht.

Wir können die Menschen so gut verstehen und hoffen so sehr mit ihnen auf einen Erfolg; doch es bleibt zu befürchten, dass ihr Schicksal die Regierenden und Oligarchen unberührt lässt und sie eher mit Gewalt reagieren.