Berge - Meer - Berge: Von Oaxaca bis Mexico-City

3. April 2015, Teotihuacan

Ein kleiner Abstecher führt uns zu Dörfern in der näheren Umgebung von Oaxaca. In Santa Maria del Tule bestaunen wir einen über 2000 Jahre alten, mächtigen Baum, der in seinem Umfang die Baumriesen in den Staaten in den Schatten stellt.

 

In Teotitlan del Valle besuchen wir die weltbekannten Teppichwebereien. Nach alter Tradition und mit großer Kunstfertigkeit werden hier in allen erdenklichen Größen wunderbare Webarbeiten gefertigt. Vom raumgreifenden Wollteppich bis zum Glasuntersetzer, mit indigenen Stammesmustern, oder nach individueller Vorstellung – hier wird jeder Web-Wunsch verwirklicht. Einfarbig, zweifarbig oder bunt leuchten die Ausstellungsstücke in ihren Naturfarben; auch wir können nicht widerstehen und tragen ein paar Läufer und Sets in unser rollendes Zuhause.

 

Der nächste Stopp ist in einem Dorf namens Latuvi. Schon die Fahrt dorthin ist abenteuerlich: Eine am Anfang sehr gute zweispurige Fahrbahn mündet ohne Vorwarnung in eine nur halb so breite Schotterpiste und aus den vermeintlichen 6 km werden 12 km bis zum Zielort. Steil geht es den Berg hinauf,  über schmale Grate, durch spärlichen Pinienwald, vorbei an einfachen Katen und kleinen Maisfeldern, bis wir Latuvi erreicht haben. Das Dörfchen liegt auf einem schmalen Bergrücken und der Blick reicht zu beiden Seiten weit ins Tal. Laut unserem Reiseführer liegt dieser Ort an einem uralten Handelsweg zwischen der Golfküste und dem Pazifik, und man könne hier auf einem bestimmten Abschnitt historische Überreste davon auf einer Wanderung entdecken. „Weitere Informationen gibt es bei der Touristeninformation“.  Schon verwunderlich, dass es in dieser abgeschiedenen Ecke so etwas geben soll, aber tatsächlich werden wir fündig und sehen uns in einem Vorraum vier dunkel gekleideten Männern und einer Frau in gegenüber. Unser Gruß wird etwas einsilbig erwidert von einem der Männer, der sich uns als „Presidente“ des Ortes zu erkennen gibt.  Wir stellen uns vor und fragen, ob und wo wir evtl. mit unserem Womo über Nacht stehenbleiben können, bekommen aber nur eine unverständliche  Antwort und ein vages Handzeichen in Richtung der Ortskarte. Alles ein wenig suspekt!

Die übrige „Mannschaft“ mustert uns kommentarlos und unverhohlen und wir fühlen uns an diesem „Ecotourismusort“ eher wie Eindringlinge denn willkommen. So ziehen wir uns mit  ein paar höflichen Worten aus der Affäre und beschließen für uns,  auf diesen historischen Wanderausflug zu verzichten.

 

 

 

 

Und weiter geht die Fahrt – auf 3000 m hohe Berge, durch einen Nebelwald und hinunter in tropische Gefilde, bis zum nächsten Ecodorf : San Mateo Yetla in Valle C Nacional. In einer wunderschönen Anlage mit Appartements, Bungalows und einem Pool, der vom hiesigen Wildwasserfluss gespeist wird, finden wir eine Parkgelegenheit für die Nacht. Auch hier sind wir die einzigen „Fremden“ und werden von der Dorfgemeinschaft  „unter die Lupe genommen“; doch die Atmosphäre ist entspannt, interessiert und freundlich. Mit Einbruch der Dämmerung ziehen sich die Menschen zurück in ihre Häuser und auch wir freuen uns auf eine ruhige Nacht nach dieser abenteuerlichen Tagestour. Die kehligen Flötentöne der hiesigen Vogelwelt singen uns in den Schlaf.

 

 

Aber dann – ihr ahnt es sicher schon – werden wir mal wieder geweckt: Gegen ein Uhr in der Nacht beginnt ein einsamer  -  Cellist !!! – sein Spiel und wird auch bis zum Morgengrauen nicht enden. Doch dem ist nicht genug, denn ab zwei Uhr hören wir in den Steilhängen über uns in größeren Abständen einzelne Schüsse fallen. Darüber sind nicht nur wir beunruhigt, sondern auch die Hunde  und Hähne des Dorfes. Ihr lautstarker Protest schallt durch die Nacht und vermischt sich mit den Tönen des Cellos zu einem verstörenden Intermezzo. Wieso kommt mir da wohl ausgerechnet ein Weihnachtslied (Stille Nacht…) gleich einer Beschwörung in den Sinn?

Irgendwann zieht der Schütze weiter, die Tierwelt beruhigt sich und Ohropax  reduziert die Belästigung durch das phantasielose Spiel des Cellisten. Etwas verkatert starten wir am Morgen die Weiterreise, werden aber wiederum durch die wundervolle, üppige Natur und freundliche Menschen am Wegesrand  mehr als entschädigt.

 

 

 

 

 

Nach 500 km erreichen wir am späten Nachmittag den Stellplatz in San Juan de Teotihuacan. Hier treffen wir wieder auf einige Langzeitreisende und werden freundlich begrüßt. Der Platz ist sehr zentral und dennoch in der Nacht recht leise. Es gibt Strom, Wifi und heiße Duschen und das Zentrum, der Supermarkt und sogar die Ausgrabungen von Teotihuacan sind zu Fuß zu erreichen: Alles in Allem ein guter Ort zum „Verschnaufen“ oder längerem Verweilen. Davon sind auch Ed und Michelle überzeugt, und so ändern sie ihre Pläne und stoßen anderntags zu uns. Die beiden lieben Mexiko und sind nicht zum ersten Mal im Land. Da wir die letzten Wochen auf unterschiedlichen Routen gefahren sind, gibt es so viel zu erzählen, und die besonderen Erlebnisse der anderen erweitern nochmals unsere Wahrnehmung  für die bunte Vielfalt im Leben des mexikanischen Volkes.

Gemeinsam besuchen wir vier die Tempel von Teotihuacan.