Calakmul bis Bacalar - noch mehr Ruinen im Dschungel und ein Traum in Blau

13. März 2015, Von Calakmul nach Bacalar

 

13. März 2015, Von Calakmul nach Bacalar

Im Yax Ha Resort bei Chetumal lässt es sich wunderbar relaxen. Wir stehen direkt am Meer im Schatten einiger Palmen (in sicherer Entfernung zur Kokosnussabwurfzone) und die Temperaturen von über 30 Grad werden durch eine leichte Brise recht angenehm. Zur Abkühlung stehen uns wahlweise ein hübscher Pool oder aber eine platzeigene Badebucht zur Verfügung und Drinks werden auf Wunsch bis zum Rand dieses nassen Vergnügens serviert. Welch ein Lotterleben! Doch wir genießen es hier erst mal mit den übrigen Reisenden aus insgesamt sechs Wohnmobilen, darunter unsere liebgewonnen Kalifornier Michelle und Edward, bis sich unsere Wege mal wieder trennen. Die zwei ziehen in Richtung Golf von Mexiko weiter und uns lockt das 200 km entfernte, noch unbekannte Calakmul.

Diese ehemals größte Mayametropole (200 000 Einwohner) liegt heute einsam im Dschungel an der Grenze zu Guatemala und ist nur über eine 60 km lange, zeitintensive, schmale Fahrstrecke zu erreichen. Von der Hauptstrecke zwischen Chetumal und Escarcega zweigt die Straße links ab und wir stehen erst einmal vor einem Schlagbaum, der gleichzeitig den Eingang zum Naturreservat darstellt. 20 Peso p. P. und 50 fürs Womo und wir können passieren. Da sind wir aber mal gespannt! Doch noch ist die Fahrbahn zweispurig und ohne besondere Herausforderung. Nach zwanzig Kilometern steht plötzlich ein Gebäude mitten auf der Fahrbahn und drei aufgeregt winkende Männer stoppen uns. Das Gebäude entpuppt sich als Museum und die Männer als Wächter des Nationalparks. Wir können heute nicht mehr weiter, denn es ist 15.30 Uhr und um diese Zeit lassen sie niemanden mehr durch. Schade, hatten wir doch gedacht, direkt auf dem Platz vor den Ruinen nächtigen zu können. So aber müssen wir mit dem Platz hier vor dem Museum vorlieb nehmen.

Wir verbringen eine sehr ruhige Nacht und brechen nach dem Frühstück auf zur zweiten Etappe. Bald hinter dem Museum wird die Straße enger, als würde der Dschungel sein Territorium zurückerobern. Wir müssen alle drei Dimensionen beachten, denn immer mal wieder versucht ein Zweig von der Seite, von oben oder von unten unseren “Käptn“ zu streicheln. Nach 48 km und zwei Stunden erreichen wir den Eingang zu den Ausgrabungen. Außer uns sind zu diesem Zeitpunkt nur zwei weitere PKW da. Noch einmal 64 Peso p. P. und wir dürfen die Anlage erobern.

 

Doch zunächst geht es erst einmal für eine Viertelstunde durch den Busch, bevor man sich fast überraschend auf dem Hauptplatz und am Fuße der großen Pyramide wiederfindet. Wow!- ist der erste Eindruck. Wie fühlt man sich so klein im Angesicht dieses großen Bauwerkes. Von seiner Architektur ähnelt es sehr der Pyramide von Tikal, was eigentlich auch nicht weiter verwundert, stammt es doch aus derselben Zeit.  Es sind viele Stufen bis zum ersten Plateau. Wir umrunden das Gebäude auf dieser Ebene und erklimmen einen dahinterliegenden weiteren Anstieg bis zur endgültigen Höhe – 139 Stufen. Von hier haben wir einen wahrhaft atemberaubenden Ausblick: Dschungel in sämtliche Richtungen, soweit das Auge reicht, und nur drei kleinere Tempel in der Umgebung unterbrechen das Grün. Wir suchen uns einen Platz im Schatten und lassen hier für eine ganze Weile diesen faszinierenden Ort auf uns wirken. Es ist hier heute so still, abgelegen und  einsam, dass es kaum vorstellbar ist, wie viele Menschen hier einmal gelebt  haben. Aber auch die Vergänglichkeit von Größe, Glanz und Glorie wird uns bewusst und wie von selbst stellt sich die Frage, was eigentlich bleibt? Doch darauf muss wohl jeder Mensch in seiner Zeit und an seinem Ort seine eigene Antwort finden.

Ganze vier Stunden schlendern wir durch Calakmul, besteigen noch weitere Tempel und rätseln mit  um die Bedeutung diverser Gebäude, Plattformen und Stelen. Dann spüren wir langsam unsere Füße und machen uns auf den Rückweg zum Womo. Wieder dauert die Rückfehrt zum Museum zwei Stunden, wieder ist es zu spät für eine Weiterreise (über 160 km in beide Richtungen) und so verbringen wir eine weitere Nacht auf dem Parkplatz vor dem Museum von Calakmul.

Am nächsten Tag fahren wir zurück zur Küste nach Chetumal, mit einem Abstecher zur Laguna Bacalar. Hier schimmert das Wasser in schier unglaublichen Grün- und Blautönen, dass man schon fast den Eindruck hat, in die Kulisse einer Werbeszenerie geraten zu sein. Von der kleinen Festung aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Lagune und das Wechselspiel der Farben im Sonnenlicht.

 

Die Festung selber beherbergt eine kleine Ausstellung zum Thema Handelswege der Maya, der Konquistadoren und der Piraterie auf,  bzw. um Yucatan.

Vor der Festung hat ein freundlicher, junger Polizist seinen Einsatzposten. Er spricht sehr gut englisch und verwickelt uns in ein Gespräch. Er interessiert sich für uns, unsere Reiseart, unsere Eindrücke von Mexiko und für das Leben in Deutschland. Und dann erzählt er von sich: Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und möchte gern für seine Familie ein Haus kaufen. Dazu hat er seit drei Monaten diese Stelle bei der Polizei angetreten, um die für den Verkäufer notwendige Sicherheit eines festen Einkommens nachzuweisen. Sein Monatsgehalt beläuft sich auf umgerechnet 180 Euro und er rechnet damit, dass es 25 Jahre braucht, bis er das Haus (umgerechnet  25.000 Euro) abbezahlt hat. Wir hoffen  von Herzen mit ihm, dass er seinen Traum erfüllen und seiner Familie ein gutes Leben bieten kann. Doch auch hier macht uns nicht nur die augenfällige Unterbezahlung, sondern auch die Diskrepanz zwischen Arm und Reich mehr als betroffen.

Am Abend checken wir wieder auf dem RV-Platz in Chetumal ein.