G wie Guanajuato - gemütlich und ein wenig gruselig

19. März 2015, Guanajuato

Eine kleine hübsche Stadt in den Bergen zieht dieses Mal unsere Aufmerksamkeit auf sich: Guanajuato -  jahrhundertelang  die reichste Stadt Mexikos, denn ihre Minen förderten umfangreiche Mengen an Gold und Silber zutage. Bis heute sind großartige Villen mit romantischen Innenhöfen und eine Unzahl an Kirchen – die sich in ihrem Prunk zu überbieten scheinen – Zeugen dieser Zeit. Die hiesige Universität ist eine der bedeutendsten Mexikos und so prägen eben auch viele junge Leute das Stadtbild. Wir fühlen uns ein wenig an Amalfi erinnert, denn enge Straßen, Gassen und Treppen führen durch verwinkelte Viertel steil die Hänge rauf und runter.

 

 

 

 

 

 

 

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Es macht Spaß, auf diese Weise die Altstadt zu erkunden, durch die Parks und über die Märkte zu flanieren; mit der Bergbahn zum Aussichtspunkt auf dem Hausberg zu fahren und hier – z.B.  an einem Sonntagabend -  inmitten fröhlicher Einheimischer das bilderbuchgleiche Stadtpanorama   zu genießen.

 

Doch Guanajuato hat auch noch eine andere Besonderheit: Das Mumienmuseum. In früheren Zeiten wurden die Leichname nur für fünf Jahre bestattet, anschließend exhumiert und in große Grabkammern verbracht,  wenn die Angehörigen die Kosten für ein privates Grab nicht länger übernehmen konnten. Trockene Luft sorgte für die Mumifizierung und so hat man nun über hundert Mumien in Glaskästen zur Schau gestellt. Ein sehr gewöhnungsbedürftiges Szenario, insbesondere für Nordeuropäer.

Doch dann überwiegt das Mitgefühl mit den Menschen, mit ihren Seelen,  die diese leeren Hüllen einmal „bewohnt“ haben. Von manchem weiß man noch eine Geschichte zu erzählen, andere erzählen sie von selbst: Eine Mutter und ihr Baby, im Kindbett gestorben: wie so häufig in früheren Zeiten; der Schmerz erreicht uns auch heute noch. Ein französischer Ingenieur, was mag ihn bewegt haben, kurz vor seinem Tod und fern von seiner Heimat? Oder hatte er hier ein neues Zuhause gefunden, neue Freunde, Familie – die aber kein Geld (für ihn?) hatte?

Und zum Mitgefühl gesellt sich das Entsetzen - mit denen, die Opfer der Kirche und der Inquisition wurden oder sich (vielleicht) eines Verbrechens schuldig gemacht hatten: Gefoltert, gepfählt, in einen Nagelsarg gepresst  - oder schlicht mit dem Fallbeil geköpft.

 

 

Diese Fälle sind zwar vor über hundert Jahren passiert, doch im Grunde hat sich bis heute nicht viel geändert: Asoziale Machthaber, egal in welchem Land,  ob in Politik, Wirtschaft oder Kriminalität (wobei sich manches leider vermengt), neigen dazu,  ihnen unbequeme Mitmenschen zu vernichten.

Klar, wir sind in Mexiko, und hier wurde schon immer auf brutalste Art getötet: Die Azteken, die spanischen Konquistadoren, die Diktatoren - und - heute insbesondere die Drogenkartelle, die sich blutige Schlachten mit Polizei und Militär liefern:

Egomanen, die ihren Reichtum und ihren Machtstatus mit aller zur Verfügung stehenden Gewalt verteidigen und vermehren!

Und die gibt es (auch wenn sie nicht morden) leider auch bei uns in Deutschland.

Wäre schön, wenn wir die Kraft fänden, Dinge zu ändern, die wir ändern können, und im Übrigen Unabänderliches zu akzeptieren. – Schließlich „scheint die Sonne über Gut und Böse“.