Mexico-City und Tanz auf dem Vulkan

Mexikos Hauptstadt und Tanz auf dem Vulkan

Der Stellplatz in San Jose de Teotihuacan ist nicht nur wegen der Nähe zu den gleichnamigen Ausgrabungen interessant, sondern auch wegen der guten Verkehrsanbindung zur Hauptstadt. Für nur 34 Peso (ca. 2,40 Euro) bringt uns ein Bus von hier in nur 45 Minuten direkt zur Metrostation. Ab dort kostet es nur noch unglaubliche 30 Eurocent um zu den gewünschten Destinationen zu gelangen.

 

 

 

                                                         Die Galaxis in Mexicos Untergrund

  

Am ersten Tag fahren wir auf diese Weise in die Stadt. Im Bus gibt es statt Radiounterhaltung Livemusik eines Gitarristen und an einer anderen Station steigt ein Händler mit Bauchladen zu und bietet Süßwaren an.Bei Ankunft an der Metrostation entscheiden wir uns für die etwas umständlichere Variante mit dem Metrobus  (man sieht mehr von der Stadt). Wir überlegen kurz, welche Richtung wir dazu laut Plan einschlagen müssen. Ein Passant ist so nett uns unaufgefordert zur nächsten Bushaltestelle zu begleiten und uns den richtigen Ticketschalter zu zeigen. Beim Warten nichts von der sonst üblichen großstädtischen Anonymität, wir werden gegrüßt, Kinder sprechen uns neugierig, aber höflich, an und so kommen wir schon mal mit ihnen und ihren Eltern in einen netten kleinen Plausch.

Als wir uns beide nach mehreren Stationen fragen, ob wir denn nun auch noch immer auf der richtigen Strecke sind, spricht mich überraschend eine junge Frau an, die eigentlich bis dato mit ihrem Makeup beschäftigt war. Nachdem sie sich vergewissert hat, dass wir uns auf Englisch verständigen können, bestätigt sie uns den Weg. Selbstverständlich kommen wir ins Gespräch: Sie ist Medizinstudentin, die Vereinigten Staaten für einen Austausch recht nah, und so ist es nur natürlich, dass sie auch diese Sprache beherrscht.

Am Chapultepec-Park steigen wir aus und finden uns gleich in einer riesigen Menschenmenge wieder. Es ist Gründonnerstag, in Mexiko ein Feiertag, und so scheint die ganze Stadt „auf den Beinen“ zu sein: Bunte Tretboote auf den Seen in der Stadt, die Grünanlagen voll von fröhlichen Menschen, die im Schatten der Bäume picknicken, klönen, mit ihren Kindern spielen, und junge Paare, die händchenhaltend die Zeit miteinander genießen. Hier ist Mexiko-City für uns eine angenehme Überraschung, war doch im Vorfeld so viel von Smog und Chaos die Rede; egal: Für uns hat die Stadt hier und heute richtig Esprit.

 

Nach einem gemütlichen Spaziergang durch den Park suchen wir das anthropologische  Museum auf. In sieben verschiedenen Hallen wird nach Epochen geordnet die präkolumbianische Geschichte Mexikos präsentiert. Es ist für uns so faszinierend, dass tatsächlich fünf Stunden vergangen sind, als wir uns den letzten Saal angeschaut haben, die Beine eine Sitzpause verlangen und die Aufnahmekapazität unserer Hirnwindungen an ihre Grenzen gestoßen ist.

 

 

 

 

 

 

Nach einem Imbiss im Restaurant sind wir sozusagen auf allen Ebenen gesättigt und fahren zurück zum Campingplatz in San Jose de Teotihuacan.

Auf dem Stellplatz erwarten uns die übrigen Reisenden zu einem gemeinsamen Grillabend. Die beiden Schweizer Christa und Johann hatten die Idee, weil sie  - zum einen -  in zwei Tagen die Heimreise antreten werden und – zum anderen – sich in der aktuellen Gemeinschaft der Reisenden wohlgefühlt haben. Die beiden haben nahezu die ganze Welt umrundet und Johann weiß in einer besonders launigen Art so manche Anekdote zum Besten zu geben. So wird es ein gemütlicher und sehr lustiger Abend.

Ach ja – hier stehen aktuell vier Wohnmobile aus Frankreich, fünf aus Deutschland, zwei aus Kanada, eines aus der Schweiz und für die USA halten Michelle und Edward die Stellung. Das Tüpfelchen auf dem I machen die beiden Radfahrer aus Berlin – Chandra und Benjamin. (Links auf unser HP).

 

 

Zwei Tage später erkunden wir gemeinsam mit Edward die Innenstadt von Mexico-City. Es ist Ostersamstag und in dieser Woche und der folgenden sind auch hier „Osterferien“. Die Leute sind unterwegs zu den Stränden und Metropolen ihres Landes und so natürlich auch in der Hauptstadt präsent. Wir „schwimmen“ in der Menge mit, durch die Parks und Fußgängerzonen in Richtung Zocalo.

Die Menschen sind gut gelaunt und genießen in Cafés,  Eisdielen,  an Taccoständen die Leckereien, die die Stadt zu bieten hat.  Händler aller Art machen lautstark auf ihre Waren aufmerksam, auch schon mal mit Hilfe von Megaphonen, und andere – auf der Suche nach Spendengeldern – trompeten mitten auf der Gasse im Wettstreit mit einer Gruppe, die  Handorgeln aus Berlin traktiert. „Junge, Junge, welch eine Randale!“ Da kommt uns schon mal grinsend die Idee, mit einer Art „Schweigegeld“ für Ruhe zu sorgen; doch wir fürchten, damit eher das Gegenteil zu bewirken.

So ziehen wir weiter, verkrümeln uns zwischendurch mal in eine Kirche oder in die Kühle eines Lokals. Im Park geht es etwas ruhiger zu und wir amüsieren uns mit den Kindern, die in den Springbrunnen der Stadt ihren Spaß haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Ostermontag reisen Ed und Michelle nordwärts und Gustav und ich fahren zum Vulcano-Nationalpark. Mexiko-City hat eine „verrückte „ Idee in die Tat umgesetzt: Um den Smog zu minimieren, dürfen die Fahrzeuge an den für ihre Endziffer gültigen Tag nicht  die No-Go-Zone befahren. Da wir widersprüchliche Informationen über den für uns gültigen Tag hatten, entschlossen wir uns auf Minas (RV-Park-Chefin) Rat, den Umweg über die Autobahn zu nehmen. Das erspart uns nicht nur mutmaßlichen Ärger  - mit der Polizei, sondern auch mit den – hinterhältigen Topes. Belohnt werden wir mit einer kurvenreichen, aber wunderschönen Strecke hinauf in den Nationalpark.

Am Aussichtspunkt angekommen überrascht uns die Menge an Fahrzeugen auf dem Parkplatz. Dann entdecken wir den Grund: Indios zelebrieren eine sakralen Zeremonie, der einer uralten Tradition zur Ehre und Besänftigung der Elemente – Feuer, Wasser, Erde, Luft – folgt. Fasziniert verfolgen wir die Tänze, die Ausrufe, das Darbringen geweihter Gegenstände und werden unversehens selber von einer Schamanin integriert und mit Weihrauch eingeräuchert. Nach etwa einer Stunde ist alles vorbei, die Indios verabschieden sich fröhlich, und wir haben den Parkplatz auf fast 3800 Höhenmetern etwas später für uns allein.

 

 

 

 

 

                                                 Die Höhe macht´s: reichlich aufgebläht!

 

Der Popocatépetl ist zu dieser Zeit etwas unscharf im Abenddunst zu erkennen, es ist etwa 20 Grad kühler als unten im Tal und so stellen wir uns auf eine den Temperaturen entsprechende Nacht ein. Wir sind voller Erwartung, welchen Blick wir am frühen Morgen erleben dürfen und  - werden nicht enttäuscht: Vor einem tiefblauen Himmel produziert der Vulkan sein eigenes Wolkenfeld. Ein leises Grollen aus dem Erdinneren unterstreicht dieses grandiose  Naturschauspiel und wir können sehr gut nachvollziehen, was die Indios zu ihrem Ritus an diesem speziellen Ort bewogen haben mag.

 

          Es muss nicht immer Mais-Silo sein.

 

Auf dem Weg nach San Miguel de Allende:

 

              Möbeltransport auf mexikanisch