Schlaflos in Villahermosa und ein Affenspaß in Palenque

 

16. Februar 2015, Palenque

Eine halbe Tagesreise führt uns am späten Nachmittag nach Villahermosa, einer modernen Großstadt, die uns jedoch lediglich als Übernachtungsmöglichkeit dient. Die Navigationsdaten bringen uns zu einem Stellplatz auf dem Gelände einer riesigen Sportanlage. Am Eingangstor ist weit und breit niemand zu sehen und so suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen zwischen Aschenbahn und Squashplatz, zwischen all den übrigen parkenden Fahrzeugen. Mit Einbruch der Dunkelheit lichtet sich der Parkplatz, bis wir nahezu alleine stehen, und später beschließen wir den Abend und legen uns schlafen.

Doch dann werden wir urplötzlich durch kräftiges Klopfen recht unsanft aus den Träumen gerissen: Vor der Türe steht ein uniformierter Wachmann, der uns zu verstehen gibt, dass wir hier nicht stehen dürfen, und sich diesbezüglich auf keine Diskussion einlässt. Befehl ist wohl Befehl, oder haben die Angst, dass wir dieses tolle Sportstadion in die Luft jagen? – Ganz gleich wie die Antwort lauten mag: Wir müssen raus; aber – wir dürfen vor dem Eingang stehen! -???

Der gute Mann läuft sogar neben unserem Womo her und dirigiert uns an die entsprechende Stelle. Wir trauen unseren Augen nicht: Wir stehen wirklich direkt an der Ausfahrt des Sportgeländes und dummerweise nur etwa 50 Meter von der mehrspurigen Cityzufahrt entfernt. „Na, das kann ja heiter werden“. Leider ist es zu spät für eine Alternative und von Nachtfahrten wird auf allen Travellerkanälen  grundsätzlich abgeraten.   Also auf in die nächste Runde. Doch nun kommt das nächste Problem: Durch den Schnack mit dem Wächter sind Moskitos ins Womo gekommen und zwar welche von der üblen Art, die sich mit enervierendem Gejaule auf einen stürzen um einen gnadenlos den Gnadenstoß zu verpassen. Unser gutes Moskitonetz befindet sich unerreichbar, tief verborgen im Sitzstaufach und uns bleibt nichts anderes übrig, als die Viecher mit einer Taschenlampe zu blenden und ihnen anschließend eins über den Schädel zu ziehen. Die ganz Wagemutigen, die noch durch das Netz der Luke hereinwollen, werden mit einem Mückenschutzmittel, was eigentlich für unsere Haut gedacht war – ins Jenseits befördert. Man, das Zeugs hat es aber in sich! Und sowas soll gut für uns Menschen sein?

Es ist heiß wie in einer Dampfsauna und wir können aus Sicherheitsgründen nur die Dachluke öffnen, doch dies ist dringend nötig um der Erstickungsgefahr vorzubeugen. Dafür haben wir dann aber Gratisbeschallung durch alle aus- und durchfahrenden Fahrzeuge, einer jungen, fröhlichen Fußballmannschaft und einer Reihe von Leuten, die unsere beiden Wachleuten beim Wachbleiben behilflich sein wollen. „Yeah, that is fun“ – wenn man denn auf sowas steht. Immerhin bekommen wir die Chance zwischendurch mal für ein halbes Stündchen einzunicken und später auch für ein wenig länger, als der Stadtverkehr etwas nachlässt. Dann werden wir nur noch einmal geweckt, als ein dödeliger Fahrer seinen Wagen mit zu viel Schwung auf einen Topes aufsetzt und anschließend sich mit dem Beifahrer ein erhitztes Streitgespräch liefert. Unseren Vermutungen nach ging es wohl darum, wer denn nun Schuld war: Der dödelige Fahrer, oder der hinterhältige Topes. Nach etwa zehn Minuten bringen sie das Fahrzeug wieder zum Laufen, ziehen endlich ab und überlassen uns zwei geplagte Seelen dem Morgengrauen.

Reichlich verkatert suchen wir in  der Frühe so schnell wie möglich das Weite – und einen ruhigen Parkplatz zum Frühstücken. Gegen Mittag erreichen wir Palenque und seine oasengleichen Hotel- und Campinganlage „Mayabell“ und hier gibt es erstaunlicherweise keine Moskitos, obwohl wir nun ja wirklich im Dschungel sind.

Hier wird erst einmal ordentlich ausgeschlafen, der hübsche Pool bietet eine gute Erfrischung, die verschiedenen Traveller einen interessanten Austausch, abends gibt es für zwei Stunden Livemusik mit wehmütigen Latinoklängen zu Pinacolada und Cervesa; doch das alles wird getoppt durch die Brüllaffen, die sich hier am späten Nachmittag einfinden und in den Wipfeln eines Gummibaumes neben und über unserem Fahrzeug einen wahren „Affenzirkus“ veranstalten. Geschickt angeln sie sich von Ast zu Ast, bis sie einen gemütlichen Ruheplatz gefunden haben. Die Kleinen spielen Fangen und suchen, wenn sie des Spielens überdrüssig werden,  Zuflucht auf dem Rücken der Mutter. Es ist wirklich ein absolut fröhliches Schauspiel, welches alle Gäste auf diesem Platz in seinen Bann zieht.

Zwischendurch besuchen wir zweimal den Ort, weswegen wir eigentlich hier sind: Die Mayaruinen von Palenque. Nur 800 Meter von unserem Campground entfernt befindet sich der untere Eingang zu den Ausgrabungen. Ab hier windet sich ein halbstündiger, traumhafter Dschungelpfad in die Höhe, führt über Hängebrücke und Stege, vorbei an Wasserfällen und halbausgegrabenen Ruinen bis zu den Überresten von Tempeln und Palästen der Mayakönige. Es sind weniger die Gebäude selbst als ihre spezielle Lage hier mitten im Urwald, die uns für mehrere Stunden an diesem magischen Ort verweilen, und die Fantasie, die das Wissen um die Historie zum Leben erwachen lässt.