Vom Golf von Mexiko an die Karibik

20. Februar 2015

Unser nächstes Ziel heißt Campeche. Diese hübsche alte Kolonialstadt am Golf von Mexiko hat sich immerhin noch einen bemerkenswerten Teil ihrer Altstadt erhalten. Die ehemalige Mayasiedlung wurde im 16. Jahrhundert von den spanischen Konquistadoren übernommen und musste sich bald darauf gegen marodierende Seeräuber wie Henry Morgan und Francis Drake behaupten.  Reste der Stadtmauern und der Festungsanlage sind noch heute steinerne Zeugen dieser Zeit, deren Faszination auch wir erliegen. Zwei Tage verweilen wir hier, bummeln durch die Gassen, über die Wehrmauern, entlang der Promenade, über den Zoccalo und durch die Markthallen. Da wir direkt auf dem öffentlichen Parkplatz übernachten, gewinnen wir einen kleinen Einblick in das Alltagsleben der Menschen von Campeche: Morgens vor acht beanspruchen Jogger die Promenade für sich, etwas später sieht man Hundehalter mit ihren Vierbeinern vorbeikommen. Auf „unserem“ Parkplatz treffen die ersten Autoscheibenputzer mit ihren Utensilien ein sowie  und gutgekleidete Angestellte der Stadtverwaltung und anderer anliegender Geschäfte. Gegen zehn sieht man dann Touristengruppen aus den Hotels in der Umgebung  der Innenstadt entgegen ziehen. Danach kriegen wir erst einmal nicht mehr viel mit, weil wir ja grade selber herumspazieren. Doch ab 18.00 Uhr wechselt das Publikum: Die einen haben ihre Arbeit beendet und die anderen kommen, um selber zu flanieren oder aber in einer der vielen Restaurants zu Abend zu essen. Auf dem Zoccalo ist den ganzen Tag über „Leben“, doch jetzt spielt auch hier die Musik und die Besucher genießen einen entspannten Tagesabschluss, genau wie wir.

In den nächsten Tagen steuern wir zwei weitere, bedeutende Mayaruinen  auf Yucatan an: Uxmal und Chichen Itza. Wir haben beide archäologische Stätten bereits vor fünf Jahren besucht und sind nun „Wiederholungstäter“. Uxmal mit seinen sehr detaillierten Verzierungen an den Gebäuden,  seiner imposanten Pyramide des Magiers und nicht zuletzt seiner Lage im Grünen,  gefällt uns immer noch sehr gut.  Die Zahl der Besucher bleibt überschaubar und lässt einem die Muße für Erkundungen im eigenen Tempo.

Die nächsten zwei Nächte verbringen wir  in  der Hotel- und Campinganlage von Harald Eder, einem Österreicher, der sich hier in Itzamal seit den Neunzigern auf einer ehemaligen Hacienda ein kleines Paradies geschaffen hat. Auch hier sind wir wieder einmal die einzigen Gäste. Wir nutzen die Zeit für notwendige Internetrecherchen und Updates und erkunden bei nachlassender Hitze (ab 34° abwärts) den kleinen, freundlichen Ort. Verstörend sind allerdings auch hier die krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich: Prachtvolle Villen mit kunstvoll angelegten Gärten liegen direkt neben ursprünglichen, wilden Grundstücken mit einfachen Hütten, manchmal Verschlägen  - durch deren offene Eingänge man Erwachsene träge schaukelnd in ihren Hängematten sieht. Kinder, Hunde und Hühner tollen über den Lehmboden und selbst der Müll scheint hier niemanden zu stören. Kommt man dem kolonialen Ortskern näher, so ändert sich das Bild, ab etwa 50 Meter vorher: Eine durchgehende Straßenfassade,  je nach Eigentümer bunt gestrichen mit individuellen, hohen Eingangstüren und – ab jetzt – ein  befestigter, gepflegter Gehweg. Ein wenig das Gefühl, aus der Gosse aufzusteigen! (?) Wie gesagt: Sehr irritierend! -  Und wir fragen uns, wie die Menschen hier mit diesen sozialen Strukturen zurechtkommen. Vielleicht bekommen wir ja noch irgendwann eine Antwort.

Nach zwei Tagen haben wir genug von der Hotelanlage in Itzamal, denn es ist nicht nur sehr heiß (hier hinter den Mauern steht die Hitze) sondern es gibt aktuell auch reichlich Mücken, die natürlich ein ungehindertes Lüften verbieten. So geht es auf nach Chichen Itza.

Doch Yucatans Hauptattraktion enttäuscht uns nun über die Maßen: Der Besucherstrom jetzt Mitte Februar ist um einiges größer als zur Feriensaison im März/April und die meisten laufen wegen der intensiven Sonne mit Schirmen herum – es bildet sich u.a. eine riesige rosarote Wolke einer bestimmten Busreisegruppe, die die Weite des grandiosen Ballspielplatzes nur noch erahnen lassen. Der Eintritt hat sich inzwischen verdreifacht auf 216 Peso (ca. 13,- Euro) p.P., dafür kann man die meisten Gebäude nur auf Distanz oder gar nicht mehr besichtigen, geschweige denn irgendwo  hinein oder hinauf. Das alles erfährt man nicht im Vorfeld, sondern natürlich erst, wenn man die doppelte Eintrittskontrolle bereits hinter sich hat. Das Nächstnervigste sind die gefühlt tausende von Händlern, die nahezu jeden Meter der Besucherwege in Beschlag genommen haben. Wie auf dem Basar liegen sie uns ständig mit  unerwünschten Angeboten in den Ohren, während  wir unsere Aufmerksamkeit doch nur auf die archäologischen Besonderheiten dieser Stätte zu richten wollen.

Wir „verkrümeln“ uns ein wenig in den Schatten einer etwas ruhigeren Ecke, um zu rasten, und holen die mitgebrachten Äpfel hervor. Dann wird es plötzlich interessant: Von einer etwa 20 Meter entfernten Ruine fixiert uns ein Leguan – und – kommt zielstrebig über alle Hindernisse hinweg auf uns zu. Unglaublich! Diese sonst so scheuen Tiere haben bisher eher das Weite gesucht, wenn Menschen auftauchten. Doch hier scheint das Verlangen nach einem Stück Obst definitiv größer zu sein. Die Echse kommt so nah heran, dass wir es direkt mit von Hand füttern könnten, aber wie sicher sind da unsere Finger? So lassen wir die Apfelstückchen lieber fallen, die das Tierchen sehr geschickt auffangen kann.

Nach knapp zwei Stunden verlassen wir Chichen Itza in Richtung Vallodolid.

Bei der Cenote Suytun finden wir ein lauschiges Plätzchen für unseren „Käptn“ und für uns einen tollen Pool und Hängematten im Schatten der Palapas. Jaa, so lässt es sich aushalten!

 

Wir sind grad ein wenig auf ein normales Temperaturlevel abgekühlt, da kommt ein weiteres Wohnmobil dazu: Michelle und Edward aus Kalifornien sind mit ihrem individuell ausgebauten Fahrzeug auf Probefahrt durch Mexiko, bevor es für sie auf der Panamericana endgültig nach Süden weitergehen soll. Wir verbringen einen interessanten Abend miteinander und relaxen auch noch am nächsten Tag gemeinsam, bevor wir zur Karibikküste aufbrechen.

Der erste hier ausgewiesene Platz – XpuHa - liegt etwa 20 km südlich von Playa del Carmen und entpuppt sich als ein recht enger kleiner Campingplatz mit vernachlässigter Sanitärausstattung, die ausschließlich mit Salzwasser betrieben wird. Trinkwasser für die Wohnmobile wird in 20 l Kanistern geliefert (20 Peso) und ist somit für uns nicht besonders praktikabel.  Kosten pro Tag: 295 Peso mit Strom. Es ist natürlich heiß und abends kommen ohne Einladung die Moskitos. Auch wenn die Dauercamper hier sehr nett sind, haben wir nach zwei Nächten und einer Salzdusche genug. Im hundert Kilometer weiter südlich gelegenen Mahahual auf einem kleinen Platz direkt am Meer:    http://www.bluekaymahahual.com/index.php/lodging/ecamping  finden wir für nur 200 Peso viel mehr Komfort: Strom, Süßwasser, heiße Duschen (die man nicht unbedingt braucht, klar…) Wifi, Hängematten und Liegen am Strand. Ort mit Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und Bars fußläufig erreichbar. Interessanterweise wurde das hier offerierte Sportangebot von Bananaboat bis Jetski während unseres Aufenthaltes noch von niemanden in Anspruch genommen. Anscheinend ziehen die übrigen Gäste genau wie wir diese ruhige, entspannte Atmosphäre im Schatten von Palmen und Palapas am malerischen Karibikstrand vor.

 

Hurricaneschäden an der Riviera Maya

 

Camping Blue Kay in Mahahual

 

 

 

Mit Michelle und Edward in einem kleinen Fischrestaurant: