Vom Pazifik ins Mexikanische Hochland

6.Februar 2015 – Tepotzotlan (bei Mexiko-City)

In Mazatlan können wir uns ein paar Tage lang bei angenehmen Temperaturen von über 30 Grad mal wieder richtig aufwärmen. Dann reicht es aber auch. Neugierig auf das mexikanische Binnenland machen wir uns auf den Weg und erleben nun, was es heißt auf dem Festland unterwegs zu sein: Entweder man entscheidet sich für die kostenpflichtige Autobahn (im Schnitt 10 Euro für 100 km), oder aber man nimmt die „Liberta“ und lernt dabei jedes einzelne Dörfchen und – leider nicht zu vermeiden – jeden fiesen und manchmal unsichtbaren „Topes“ persönlich kennen. Diese typisch mexikanische Art der Verkehrsberuhigung überrascht einen an den unglaublichsten Ecken und fordert vom Fahrer ein Höchstmaß an Konzentration. Ein unachtsamer Augenblick kann recht unliebsame Folgen für das Fahrwerk oder aber auch das Fahrzeuginnere nach sich ziehen: Zweimal setzen wir leicht auf und einmal kracht es dermaßen, dass sich tatsächlich die Kühlschranktür aus der Verriegelung löst und sich die kompletten Vorräte einschließlich der Milch über den Boden verteilen. Bei der anschließenden Schimpftirade wollte sicher niemand von euch dabei gewesen sein. Aber wir „packen es“, versuchen noch umsichtiger zu fahren und finden es nur bedauerlich, dass zumindest der Fahrer kaum eine Möglichkeit hat die Landschaft in Augenschein zu nehmen. Selbst Parkplätze im eigentlichen Sinne sind nicht vorgesehen, und wenn, dann nur vor improvisierten Garküchen und Verkaufsständen, wo man natürlich nur bei Bedarf stoppt. Bleiben nur die schmalen Notparkplätze, die jedoch wegen der oft fehlenden Übergänge bzw. hohen Absätze  recht problematisch zu erreichen sind. Soviel zum Thema Straßenzustände.

Nach diesen ersten Erfahrungen entscheiden wir uns meistens für die Autobahn, denn die anschließende Strecke zum eigentlichen Zielort über Land reicht uns immer noch, um Eindrücke der örtlichen Gegebenheiten zu gewinnen.

Nach der reichlich ebenen und kargen Baja erleben wir die knapp 500 km lange Strecke zwischen Mazatlan und Villa Corona mit den grünen Bergen, Hügeln und ihrer vielfältigen Vegetation als äußerst wohltuend. In den Tälern wird Mais, Zuckerrohr, Gemüse und manchmal Tabak angebaut, aber wir sehen auch Obstplantagen und etwas später die ersten Agavenfelder, natürlich in zunehmendem Maße um die Ortschaft Tequila.

Am Nachmittag erreichen wir den RV-Platz in Villa Corona; mit diesem hat es eine Besonderheit, ist er doch einem Badeparadies mit heißen Quellen angegliedert. In den 1980-er Jahren haben drei Brüder hier dieses mehrere Hektar große und millionenteure Areal geschaffen, das nun leider etwas in die Jahre gekommen ist. Eine riesige Wasserrutsche und eine Kanalstrecke sind auf Kostengründen nicht mehr in Betrieb und zwei von den fünf Wasserbecken werden ebenfalls nicht mehr benutzt.

Der hübsch eingerichtete Campground ist nur zu einem Bruchteil belegt, was – wie wir später erfahren – für diese Jahreszeit recht ungewöhnlich ist: Die vielen früheren Besucher aus den Staaten bleiben aus und somit liegt auch hier die auf Tourismus gegründete Wirtschaft so ziemlich am Boden.

Da wir beide aber daran auch nicht viel ändern können, genießen wir einfach dieses immer noch schöne Fleckchen, lassen die Seele ein wenig baumeln und erkunden den fußläufig erreichbaren Ort mit seinen bunten Häusern, kleinen Läden und dem Zocalo.

     

 

 

     

Tage später heißt unser Zielort Santa Elena, in der Nähe von Guadalajara. Hier hat der Schweizer Charly (Schäpper) (Link auf unserer HP) in den 90-er Jahren ein wunderschönes, von der Architektur her landestypisches Restaurant aufgebaut, allerdings – und das ist der Clou – mit exquisiter europäischer, speziell Schweizer Küche. Seine Kundschaft kommt vorwiegend aus und um Guadalajara und ist so nebenbei zum Insidertreff für Panamericana-Reisende geworden.  Charly ist somit immer auf dem Laufenden, was die Fragen der Traveller betrifft, und kann mit vielen Tipps – wo nötig - weiter helfen.

Als wir am Nachmittag eintreffen, sind die beiden jungen Paare Sabine und Andy mit ihrem Toyota und Daniela und Pascale mit ihrem Ducato schon da. Ganz klar, dass wir am Abend bei einem leckeren Essen in erweiterter Runde mit Charly, Eduardo und Urs zusammensitzen und einen spannenden und zugleich vergnüglichen Austausch haben.

 

 

Am Montag sind wir unterwegs zum Naturpark der Monarchfalter in Santa Rosalia. Doch wie Charly schon gesagt hatte: Die Strecke zieht sich, es geht in die Berge auf über 3000 Höhenmeter. Nach 300 km reicht es uns und wir fahren einen laut Reisebeschreibung so genannten „Wohlfühlplatz“ an, den Balneario Eridira. Ja, was waren das eigentlich für hartgesottene Typen, die sich hier wohlgefühlt haben? Die sogenannten heißen Bäder sind mehr kalt als lau, die Duschräume betoniert und bis auf den Sichtschutz offen und winddurchpustet, der Stellplatz entpuppt sich als Wiese zehn Minuten von diesen Sanitäreinrichtungen entfernt und zu alledem sinkt die Temperatur rapide auf 8 Grad Celsius ab. Wir bezahlen die 15 Euro für diesen Parkplatz, verzichten auf all  diese „Annehmlichkeiten“ und ziehen uns in unsere eigene „warme Bude“ zurück.

Etwas später bekommen wir Gesellschaft: Auch Sabine und Andy sind auf dem Weg zu den Schmetterlingen und wollten vorher auf diesem „Wohlfühlplatz“ eine Rast einlegen. Tja, so wundern wir uns nun halt zu viert.

In der Nacht setzt nun auch noch ein heftiger Regen ein, der erste seit ??? k.A. – und macht den fehlerhaften Firmeneinbau unserer Heki-Dachluke bemerkbar: Es tröpfelt – glücklicherweise ins Spülbecken – und „Käptn Blaubär“ ist jetzt tatsächlich ein Wasserfahrzeug.

Am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder ein wenig besser aus: Auch wenn es noch fies kalt ist, es regnet nicht mehr. Und während Sabine und Andy noch vor der schwer lösbaren Frage stehen, in das lauwarme Becken zu hüpfen oder nur die zugige Dusche zu nehmen, sind wir startklar für die nächste Etappe. Auf zu den Schmetterlingen!

Es hieß, man sollte möglichst früh dort sein, weil die Falter sich mit den ersten Sonnenstrahlen und zunehmender Wärme von ihrem Schlafplatz an den Bäumen lösen und in die Wälder fliegen.

Wir sind sehr gespannt, als wir um zehn Uhr morgens die 90 Peso Eintritt für uns zwei zahlen und mit einem Guide die drei Kilometer in die Berge hoch wandern, zu dem Hauptaussichtspunkt , inzwischen auf über 3000 Meter Höhe. Mann, geht das steil hoch! Da bleibt mir doch glatt ein wenig die „Puste“ weg. Aber es gilt: Keine Müdigkeit vorschützen. Und ich hoffe doch so sehr, dass die Tierchen noch ein wenig vor Ort sein werden. Unser Guide, ein junges Mädchen das nur spanisch spricht, stoppt alle paar hundert Meter an einer Tafel mit spanischen Erklärungen und liest uns diese wiederum in Spanisch vor,  erklärt uns unermüdlich, was wir ohnehin schon wissen, das Besondere am Leben dieser Monarchfalter. Mann, kommt uns das nun spanisch vor!

 Aber gut, sie ist sehr nett, versucht ihrer Aufgabe gerecht zu werden und ich bin bloß nervös, weil ich die Flattermänner nicht verpassen will.

Endlich sind wir oben. Eine Handvoll weiterer Besucher steht schon da und schaut. Wir auch. Doch wo sind sie? Erst nach einigen Hinweisen entdecken wir die Schmetterlinge. Wie schwere Trauben hängen sie zu – tausenden? – Millionen? – an den Zweigen der Nadelbäume, verstecken das Grün der Pinien unter ihren gelb-weiß-schwarzen Flügeln. Wir stehen und warten, die Sonne steigt höher, es wird wärmer und da – urplötzlich löst sich ein Schwarm gleich einer goldenen Wolke und schwebt ab in den Wald. Schade nur, dass wir eigentlich zu weit davon entfernt bleiben müssen. Mit dem bloßen Auge nimmt man leider nur Bruchteile wahr und selbst unsere Kameras kommen an ihre Grenzen. Aber wenigstens haben wir ein wenig von diesem Naturereignis mitbekommen und im Übrigen war so ein längerer Spaziergang ja auch schon lange überfällig.

 

Wir wandern wieder abwärts, verabschieden das Mädel mit einem Trinkgeld und sind – kaum zu glauben – um 15 Uhr zurück auf dem Parkplatz. Wer hatte da eigentlich mal was von drei Stunden erzählt?

Gustav meint, in Anbetracht der Uhrzeit wäre es besser den nächsten RV-Platz in nur hundert Kilometer Entfernung anzusteuern. Gesagt getan. Doch – das war dann noch mal ein Abenteuer der besonderen Art: Durch enge Gassen, durch alte, urige Bergdörfer, über äußerst belebte Straßen mit erstaunlichen Schlaglöchern, über Serpentinen mit Eselsrücken, gefühlten tausenden von Topes, Straßensperren von Dörflern, die ihre Waren verkaufen wollen; wir brauchen glatt drei Stunden für diese hundert Kilometer und landen kurz vor der Dunkelheit und völlig erschöpft auf dem Campground der Ranch. Doch auch hier in dieser sehr abgeschiedenen Anlage sind wir die einzigen Gäste und beschert uns glücklicherweise eine ruhige Nacht.