Von Tepototzlan bis Catemaco

Catemaco, 11.Februar 2015

In Tepotzotlan quartieren wir uns für zwei Nächte auf Pepes RV-Park ein, teilen aber diesen großen Platz mitten im Ort mit lediglich einem weiteren Paar, Gitta und Peter aus Heidelberg (Link). Am Abend gesellt sich dann noch eine deutsche Rotelgruppe mit ihrem speziellen Gefährt dazu, doch von ihr bekommen wir nur wenig mit, weil das straffe Rundreiseprogramm tages- und oft eben auch abendfüllend ist. Aber wir sind ja erst einmal hier, um ein wenig zu relaxen und um weiterhin in unserem eigenen Tempo das Land zu erkunden. Also schlafen wir aus, klönen mit Gitta und Peter und bummeln durch den Ort. Tepotzotlan hat aber nicht so viel zu bieten.

Das sieht dann knapp 300 km weiter südöstlich in Cholula schon ganz anders aus. Auch hier liegt der RV-Platz mitten im Ort, doch fußläufig erreichbar ist nicht nur ein modernes Einkaufszentrum, sondern auch eine alte Tempelanlage, die im 16. Jahrhundert mit einer Kirche überbaut wurde. Bei klarer Sicht hat man von hier aus einen wunderbaren Ausblick über die Altstadt bis hin zu den majestätischen Vulkanen, allen voran dem Popocatepetl. Es ist Sonntag und die halbe Stadt scheint auf den Beinen zu sein.  Für die Tempelanlage gibt es heute freien Eintritt und so wagen wir uns inmitten einer größeren Gruppe fröhlicher Einheimischer in und durch die unterirdischen Gänge.

Der Unterwelt entkommen, sehen wir auf einem Vorplatz,  wie sich vier Indios mit Seilen von einem hohen Stamm herunterlassen - ein Frühlingsritual wie wir später erfahren. Auf dem Zocalo bieten die bunten Marktstände allerlei Handwerkskunst, aber auch Gerichte aller Art feil; manchmal sind diese jedoch für uns eher faszinierend denn appetitlich.

 

Schon den ganzen Tag über hört man es krachen, so wie bei uns an Silvester. Ein paar Stunden und Straßenzüge später sehen wir den Grund: Es ist kurz vor der Karnevalssaison und die wird von bunt gekleideten Schützen mit Hilfe selbstgebauten Musketen „eingeschossen“.

Eh wir es uns versehen, drückt jemand grinsend Gustav eine Muskete in die Hand und bedeutet mir zu fotografieren. Aber als das Ding dann losgeht, sind meine Finger vor Schreck reflexartig in den Ohren statt auf dem Auslöser. Ja, das sorgt dann noch mal für Fun; war ja klar!

Aber die Jungs sind auch wieder charmant. Sie stellen sich vor, fragen natürlich nach unserem Woher und Wohin und erzählen von den aktuellen Bräuchen. Nach einem kurzen Plausch (soweit denn unsere Spanischbrocken reichen), verabschieden wir uns und kehren nach einem Zwischenstopp auf dem hiesigen Friedhof in das ruhige Viertel zum RV-Platz zurück.

Auch wenn die Tagestemperaturen bei angenehmen 25 Grad liegen, nachts sinkt das Quecksilber immer noch in den einstelligen Bereich herunter. Wir sind der Meinung: Das sollten wir ändern. Also fahren wir am Montag unter Umgehung der Megacities, -  allerdings 50 km vor Schluss auf recht abenteuerlicher Strecke -  bis ins tropische Catemaco, unweit von Veracruz. „Jaaa, das isses!“ Dieses viele Grün, diese üppige Pflanzenwelt, klare, wilde Flüsse, Wasserfälle, unzählige Vogelstimmen (die Interpreten bleiben manchmal verborgen), dazu quietschbunte Häuser oder Palapashütten, viele Zweibeiner und Vierbeiner auf den Straßen, die verschiedensten Dinge werden auf phantasievolle  Art transportiert: Ja, das ist Leben pur. Hier bekommen wir eine Ahnung, dass das Land  (auch ohne Drogen) süchtig machen könnte.