11.5.2014 - Von Deutschland nach Kanada

Kanada im Anflug

Ein Gewitter über Frankfurt ließ unseren Flieger zunächst einmal  mit zehn anderen Kandidaten für eine halbe Stunde Warteschleifen drehen, bevor die Landung freigegeben wurde. Nach einem leider etwas kürzeren Treffen mit Margret und Wolfgang ging es dann ans Einchecken. Schon wieder wurde Gustav locker durchgewunken und ich - einschließlich meiner Schuhe - ordentlich kontrolliert. Da kommt man sich doch mal etwas merkwürdig vor, nicht wahr?

Nach dem O.K. weiter in die Schlange um die Bordkarten zu bekommen. Hier die nächste Überraschung: Vor uns werden Handgepäckstücke gemessen und z.T. gewogen. Wir fangen eifrig an umzupacken. Noch bevor wir fertig sind, werden Gustav und ich aus der Schlange heraus zu einem extra Schalter geführt. Hier heißt es, unsere Passdaten wären in Bremen nicht eingetragen worden.

Dann will der Officer wissen, warum wir kein Rückflugticket haben. Wir erklären es, er sagt nichts- ???—greift zum Telefon und führt ein sehr leises Gespräch. Uns wird mulmig. Er legt auf, schaut uns an und meint: Bis vor drei Monaten wären die Bestimmungen so gewesen, dass er uns nicht hätte an Bord gehen lassen dürfen. Au weia! Das war knapp! Doch jetzt werden wir zum Glück  - an der Schlange -  vorbei schön extra eingecheckt.

Der Flug kann beginnen.

Die Condor-Maschine ist eine Boeing mit der 2-3-2-er Bestuhlung und daher trotz knapper Economyplätze noch einigermaßen erträglich. Nach sieben Flugstunden, Ortszeit 18.00 Uhr (Deutschland 23.00 Uhr), geht das Flugzeug auf Sinkflug. In einem spektakulären 45 -Grad-Winkel, fast als würden die Tragflächen die Baumspitzen berühren, schwebt es in großem Bogen dem Flughafen entgegen, bevor es sicher zur Landung ansetzt. Allein dies war schon ein Erlebnis für sich.

                                   

Kanada empfängt uns mit strahlen Sonnenschein und so geht es gutgelaunt zur Passkontrolle. Halifax-Airport ist klein, kleiner als Bremen und daher schön übersichtlich. Die Beamten sind freundlich und sehr hilfsbereit. Ohne Probleme geht es durch die Kontrollen und kurze Zeit später befinden wir uns im Mietwagen auf dem Weg zu unserer Unterkunft. Und Leute: Wir finden unser Ziel OHNE Navi nur mit simpler Karte. Also: Geht doch!!

Unser Appartement (über Airbnb gebucht) befindet sich im Erdgeschoss des Hauses von Jean und Carl Beeler. Die beiden erwarten uns schon in der Einfahrt und wir erfahren eine sehr freudige Begrüßung.

 Nach nahezu 12 Stunden Schlaf starten wir ausgeruht in den Tag und zur Erkundung von Halifax. Das Zentrum von Halifax ist recht überschaubar und gut zu Fuß erreichbar. Großstadthektik ist hier wohl unbekannt. Wir lassen uns treiben durch die alten Gassen und flanieren an der Hafenpromenade. Anderntags führt uns ein Besuch ins Museum der Zitadelle und in die Geschichte von Halifax: Alles ehemaliges Indianerland. Nicht viele sind mehr übriggeblieben. Welch ein Wandel hat sich hier vollzogen, seitdem die ersten Siedler sich niederließen: Menschen, die in Europa keinen Lebensraum mehr fanden und voller Hoffnung in eine doch ungewisse Zukunft ihr Glück in diesem Landstrich suchten.

Zurück in die Gegenwart. Eigentlich haben wir erst am Mittwoch einen Termin bei der Spedition die für den Import unseres Womos zuständig ist. Doch wir versuchen unser Glück schon mal am Dienstagnachmittag. Und siehe da: Die Dokumente liegen schon bereit und wir können die Einfuhrformalitäten gleich erledigen. Wir erfahren, dass andere Mitreisende auf die gleiche Idee gekommen sind, denn 3 Womobesitzer waren schon vorher da, z. T. schon am Montag. Also auch hier ist wohl ein „easy going“ angesagt.

Für den Abend hatten uns Jean und Carl auf ein Glas Wein eingeladen. Von wegen und ein Glas Wein: Jean hat es sich trotz ihrer beruflichen Verpflichtungen nicht nehmen lassen uns mit einer selbstgemachten, sehr delikaten Fischsuppe zu verwöhnen. Es wurde ein sehr gemütlicher Abend. Wir haben miteinander gelacht, philosophiert und diskutiert und nebenbei reichlich Gemeinsamkeiten entdeckt. – Wir haben die beiden in der kurzen Zeit richtig lieb gewonnen.

Am Mittwochmorgen hieß es möglichst früh auf dem Zollamt vorstellig zu werden (Tags zuvor waren wir um 16.00 Uhr ja zu spät dafür gewesen). Also die Dokumente von der Spedition vorlegen, Fragen nach zollpflichtigen Gütern beantworten, Stempel drauf bekommen und mit dem Taxi ab zum Hafen.

Yeah – Und da sehen wir ihn schon von weitem: „Käptn Blaubär“ ist da! Als einziger blauer Fleck überhaupt auf dem ganzen riesigen Arsenal von Container und Fahrzeugen aller Art.

Am Eingang nimmt uns ein Escortservice in Empfang und bringt uns zum Terminal. Im Büro Papiere vorlegen, sich als Eigentümer ausweisen und ab zu unserem „Gefährten“ und offiziell auf Schäden überprüfen. Aber nichts da: Es gibt nicht das Geringste zu beanstanden. Blaubär hat den Transport tadellos überstanden. Glücklich nehmen wir ihn wieder in Besitz und werden vom Escortservice vom Gelände geleitet.

Nachdem Gustav das Garmin in Position gebracht und die Gasfüllstation eingegeben hat, stürzen wir uns erst mal vorsichtig ins Gewühl. Das Navi ist top, die Station schnell gefunden und im Nu sind unsere Gasflaschen befüllt. Auch frisches Wasser können wir vor Ort bunkern. Jetzt noch mal den Dieseltank voll und schon ist die Basis gerichtet.