14.5.2014 - Von Halifax nach Quebec

14. Mai 2014 - Die Reise beginnt

Nachdem wir unsere Sachen gepackt und uns von Jean und Carl verabschiedet hatten, steuerten wir als nächstes ein Einkaufszentrum an. Für unseren relativ überschaubaren Bedarf brauchte es allerdings über eine Stunde, bis wir alles zusammengesucht hatten. Dies lag nicht nur an der Größe des Centers, sondern besonders an dem Sortiment, welches zu über 90 % aus Fertigprodukten und veränderten Lebensmitteln bestand.  So war es wirklich nicht einfach, eine simple Sahne, (Kondensmilch und H-Milch gibt es gar nicht), einfaches Mehl, Salz oder Zucker zu finden. Vieles ist aromatisiert in Süß etwa mit Vanille oder bei Salz mit Zwiebel o. ä. und zudem in für uns ungewohnten Großpackungen (2kg statt 1kg, Butter 450g).

Obst und Gemüse ist dagegen fast nur im Kleinformat zu bekommen, da ist die Regelung umgekehrt, dafür ist der Preis dann aber auch doppelt bis 3 x so hoch. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir uns derzeit in der äußersten Ecke Kanadas befinden und frische Früchte und Gemüse von weit her kommen, zumeist aus den USA.

Aber am Ende fanden wir alles beisammen und selbst ein Schwarzbrot (was wir weder gesucht noch erwartet hatten) war dabei.

Nun neigte dieser Mittwoch, an dem wir unser Womo übernommen hatten, sich langsam dem Ende entgegen und wir zogen es vor, einen von Seabridge vorgeschlagenen Campground aufzusuchen.

Dies war ein kleiner, recht einfacher Platz ohne funktionierendes Equipment (abgesehen von den WCs), da er offiziell erst am kommenden Wochenende öffnen würde. Dies störte uns ja nicht weiter, da wir ja ohnehin autarkes Campen gewöhnt sind und alles an Bord haben.

Auf dem Platz fanden sich dann interessanterweise - außer einem kanadischen Dauercamperpaar- auch einige andere Verschiffungskandidaten aus dem Hamburger Hafen ein. Darunter auch Rudi und Friederike (s. Linkliste), die mit ihrem La Strada-Sprinter die Panamericana bereisen wollen, allerdings in längeren Etappen. Die beiden planen für dieses Jahr ausschließlich Kanada, evtl. Neufundland (liegt hier ja gleich um die Ecke!) zu erkunden.

So verabschieden wir uns am nächsten Morgen voneinander und wir machen uns auf den Weg nach Westen. 

Wenn man sich eine Karte von Kanada anschaut, fällt auf das über 90 % mehr oder weniger noch Wildnis ist, in dem es keine Straßen – und wenn, dann keine im üblichen Sinne, gibt. Es macht sich also ein ähnliches Gefühl von Abenteuer breit, wie wir es von Australien kennenlernten, nur dass wir dieses Mal die Wildnis nicht erkunden werden. Dazu braucht es dann doch eine noch speziellere Ausrüstung und Kondition.

Für uns geht es also in dem kleinen 10% des Landes weiter,  wo eben auch 90% der Kanadier leben, nämlich recht nah an der US-Grenze. Der Highway zieht sich wie eine große Lebensader von Ost nach West (u. umgekehrt) und verbindet die Städte und Häfen miteinander. Die Fahrspuren sind ähnlich wie bei uns, jedoch viel weiter auseinander, mindestens 10 m, manchmal 50m, und ab und zu sieht man sie gar nicht mehr. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 110 km/h und da die Verkehrsdichte sehr gering ist, ist es ein recht entspanntes Reisen. Unterwegs kann man die riesigen Trucks, Wohnmobile und auch Wohnanhänger bestaunen und manche Kuriosität am Wegesrand entdecken.

 

Wir starten in Nova Scotia und durchqueren die Region New Brunswick , zu deutsch Neu Braunschweig, (Wikipedia!). Hier haben im 18. Jahrhundert die ersten Siedler im weiten Umkreis sämtliche Bäume gefällt, bis nichts mehr da war, wovon sie leben konnten. Anschließend suchten sie das Weite .

Deshalb entsteht für uns zunächst der Eindruck, durch den Harz zu fahren. Den ganzen Tag begleiten uns etwa 50 Jahre alte Mischwälder mit noch nicht begrünten Laubbäumen - zu beiden Seiten der Strasse und geben nur hin und wieder den Blick frei auf ein landestypisches Wohnhaus oder Gehöft.  Die Vegetation ist hier etwa 2 Monate später als bei uns in Ostfriesland und so ist manches noch karg und es blühen die ersten Osterglocken und Weidekätzchen. Glücklicherweise sind die Temperaturen mit 8 – 20 ˆrecht angenehm.

 

Am Abend übernachten wir im „Fundy-Nationalpark“ auf einem Parkplatz vor einem noch geschlossenen Campingplatz und haben eine wunderbar ruhige Nacht.

Freitag erkunden wir den NP, der aber für Europäer doch im Grunde keine Besonderheiten bildet, erinnert er doch stark an die Landschaften Skandinaviens. Für die Nacht steuern wir ein CP am Lake George an, der sich als recht abenteuerlich entpuppt. Am Empfang ist niemand, nur eine Notiz: Zurück um 8.30 Uhr. Rechterhand auf dem Platz ist alles dicht belegt mit Mobilen, die z.T. auf Dauer stehen und den Eindruck erwecken, als würde es sich um ein großes Familientreffen handeln. Die Leute sitzen auf den Terrassen und wir wollen uns nicht aufdrängen, fahren nach links auf den Platz. Hier sind wir die einzigen. Wir suchen uns eine passende Parzelle und schauen uns auf dem Platz um. Als erstes fallen uns zwei Plumpsklos auf, deren Türen weit offenstehen und die wohl niemand in letzter Zeit benutzt hat - was wir mit Sicherheit auch nicht zu tun gedenken. Weiter unten am See gibt es allerdings doch noch zwei normale WCs. Von einem Sanitärgebäude haben wir jedoch nichts gesehen. Auch mal witzig. Aber wahrscheinlich haben die Camper - genau wie wir -  in ihren ohnehin viel größeren Mobilen auch in der Hinsicht alles, was sie brauchen.

Als die Rezeption weder am Abend um 8  Uhr noch am nächsten Morgen besetzt ist, frage ich ein Paar, das zufällig des Weges kommt. Der Mann ist so freundlich und schaut, ob er einen Angestellten finden kann. Aber auch nichts. Er meint, die Saison hätte wohl noch nicht offiziell begonnen, aber „just a joke“: er würde unser Geld auch nehmen. Smile! Also wieder nichts mit Bezahlen. Was sind wir doch auch traurig!

Es stellt sich heraus, dass die beiden keine Camper sind, sondern Anlieger weiter unten am See, die ihren täglichen Spaziergang unternehmen. Sie erzählen, dass sie Rentner sind und den letzten Winter in Florida verbracht hätten. Wörtlich: Hier gab es zu viel Schnee! Das hörten wir auch schon anderenorts. Der Winter muss dieses Jahr besonders hart hier gewesen sein.

Wir verlassen die Küstenregion. Weiter landeinwärts verändert sich die Landschaft, wird offener, leicht hügelig und ist geprägt von landwirtschaftlichen Nutzflächen, die sich jedoch immer wieder mit Wäldern abwechseln. Irgendwann führt der Highway über einen kilometerlangen Damm, der ein weitläufiges, von einzelnen Bäumen durchsetztes Sumpfgebiet überbrückt.

In Edmunston endet der Highway No. 2 und es geht rund 90 km auf einer dennoch größtenteils vierspurigen Strecke bis an den St. Lorenz Strom. In Rivière du Loup, auf einem tollen CP (für uns der erste mit Internet) direkt am Fluß endet unsere heutige Etappe.

In Rivière du Loup sind wir, wie der Name schon vermuten lässt, und was schwer zu übersehen ist, im französischen Teil Kanadas angekommen. Wunderbar ist allerdings die Lage am St. Lorenz-Strom, der hier noch über 20 km breit ist und wo man im Frühjahr Wale beobachten kann. Ein alter Mann macht uns darauf aufmerksam, dass die Tiere normalerweise grad in dieser Zeit hier sind. Leider haben wir keinen dieser großartigen Meeressäuger gesehen. Ihnen ist es vielleicht auch noch zu kalt dieses Jahr.

Am nächsten Morgen fahren wir eine recht kurze Strecke von 300 km auf dem Transcanadian Highway bis Quebec, der französischsten Stadt schlechthin. Alles erinnert an Paris. Prachtvolle Paläste und Villen des 18./19. Jahrhunderts, gemütliche, noch ältere Straßenzüge wie am Montmartre und moderne Gegenwartsarchitektur fügen sich überraschenderweise zu einem harmonischen Gesamtbild. Und über allem thront eine riesige Festungsanlage, von der man ringsum einen grandiosen Ausblick auf Stadt, Land und Fluss genießen kann. Den großen Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterstadt überwindet man entweder sportlich über die vielen Treppen, die sich zwischen den Häusern durchwinden, oder aber ganz lässig gegen ein paar Dollar mit dem alten Aufzug. Wir haben uns natürlich für beide Varianten entschieden, auch froh darüber, dass mich meine eigenen Beine noch tragen.

 

 

Am frühen Abend ging hier in Quebec ein schöner Tag für uns zu Ende und wir machten uns auf die Suche  nach dem nächsten CP. Das erwies sich leider schwieriger als gedacht. Es führen sehr großzügige Ausfallstraßen aus und in die Stadt. Ist man erst mal auf einer drauf, fährt man unweigerlich ein größeres Stück, mitunter auch unfreiwillig, weil grad mal eine Ausfahrt verpasst. So kam es, dass wir erst nach 2,5 Stunden vor der Einfahrt des CPs standen, nur um festzustellen, dass dieser auch noch geschlossen und zudem nicht zugänglich war. Gegenüber aber fanden wir einen Parkplatz, auf dem wir - sogar mit Einverständnis eines Angestellten -  bleiben durften.

 

Zum Schluss noch eine Anleitung für sportliche Kanadier: