21.5.2014 - Niagarafälle

21. Mai 2014  -  Niagarafalls  -   Lake Huron

2300 km nach Übernahme unseres Wohnmobils in Halifax erreichen wir heute den Distrikt Niagara.

Da es schon später Nachmittag ist, entschließen wir uns zunächst einen CP anzusteuern. Diesen finden wir in ca. 20 km Entfernung des berühmten Wasserfalls. Laut Beschreibung bietet er alle Annehmlichkeiten wie Internet, Waschmaschine und Trockner, die wir uns nun mal wieder gönnen möchten. Soweit stimmt dann auch die Realität hiermit überein, nur - das Internet ist leider lediglich in einem kleinen muffigen Raum zu empfangen. Des Weiteren birgt der Platz selber eine nicht ganz glückliche Überraschung: Überwiegend wilde, grasbewachsene Stellflächen, die dank der letzten Regenfälle eher einer Sumpflandschaft gleichen und das Ein- und Aussteigen aus dem Fahrzeug zu einem akrobatischen Kunststück werden lassen.

Seit dem Abend regnet es erneut und auch in der Nacht gießt es in Strömen. Am nächsten Morgen scheint die Sonne, als wenn nichts gewesen wär. Als wir nach dem Frühstück aufbrechen wollen, müssen wir aber leider feststellen, dass „Käpt`n Blaubär“ anfängt sich langsam und sicher einzugraben und aus eigenem Antrieb nicht mehr fortkommt. Die Reifen drehen völlig durch, selbst auf den vorgelegten Sandleitern.

Der freundliche Campgroundbesitzer sieht unser Dilemma und eilt uns zur Hilfe - leider mit einem viel zu schwachen, kleinen Traktor. Nichts bewegt sich. Als er einen stärkeren Radlader holen will, fehlt der Zündschlüssel dafür. Dann versucht er das Fahrzeug kurzzuschließen, was aber auch nicht klappt.

„Voll das Abenteuer!“ – Jetzt kommt ein anderer Camper ins Spiel, der mit einem kräftigen Ford-Pickup und einem Riesentrailer unterwegs ist. Der gute Mann bietet seine Hilfe an, obwohl er eigentlich selber kurz vor der Abreise steht. Er klinkt den Trailer wieder aus, stellt sich unserem Kleinen gegenüber, bringt das Abschleppseil in Position und nur wenige Minuten später sind wir aus unserem Morastloch befreit. Wow, das ging aber mal fix! Und es hat Spaß gemacht zuzuschauen, mit welcher Leichtigkeit der Pickup mit seiner Kraft und den 4 WD unser Womo rauszieht, als wäre es kein 3-Tonner, sondern ein Handwagen.

Je mehr wir dieses Land mit seiner Größe und den oft sehr ursprünglichen Gegebenheiten kennenlernen, die einem normalen Fahrzeug schnell zum Verhängnis werden können, umso mehr entwickeln wir Verständnis für den Nutzen dieser Art Fahrzeuge. Hier bedeuten sie die Möglichkeit sich unter Umständen selbst zu befreien, wo sonst keine Hilfe verfügbar wäre, während sie bei uns in Europa bis auf wenige Ausnahmen keinen realistischen Nutzen haben und lediglich der Selbstdarstellung dienen.

Überschwänglich bedanken wir uns bei unsrem Helfer, bzw. Helfern und machen uns an die Reinigung von Sandleitern, Karosserie und Gustav (Warum hab ich heute eigentlich schon geduscht?).

Es ist Mittag, als wir endlich loskommen, und wir erreichen bei schönstem Ausflugswetter den ersten Parkplatz zu den Niagarafällen. Durch eine wundervolle, natürlich gestaltete Parklandschaft führt ein Weg an die Promenade zum Oberlauf des Flusses. Schon von weitem sieht man die Gischt in die Höhe ziehen, hört die tosenden Fluten in die Tiefe stürzen, die sich direkt vor uns zunächst als wild entfesselte See darstellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es brodelt, rauscht und zischt über eine riesige Distanz und führt uns die schiere Kraft dieses Flusses vor Augen.

Das alles verstärkt sich, je näher wir den eigentlichen Fällen kommen.  Und plötzlich steht man davor – und – ist erst mal nur noch sprachlos: In Form eines Hufeisen auf nahezu 800 m Länge stürzen hier gewaltige Wassermassen über 50 m in die Tiefe. Die durch den Aufprall verursachte Gischt schießt in die Höhe und verursacht in unmittelbarer Nähe eine Art Dauernebel bzw. einen Nieselregen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Menschen verschiedenster Nationen genießen lachend dieses Spektakel und sind sich eins in der Freude über dieses grandiose Naturschauspiel. Wer noch intensivere Erfahrungen möchte, kann einen Gang hinunter zum Wasserfall oder eine Bootstour bis in den Sprühnebel buchen. Da wir aber an diesem Tag bereits genug geduscht hatten, sind wir – wie die meisten Besucher – mit der Besichtigung von oben vollends zufrieden. Die etwa 4 km lange Promenade bis zum unteren Ende gegenüber den amerikanischen Fällen bieten hinreichend Eindrücke, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganz erfüllt von diesem zauberhaften Ort machen wir uns gegen 18.00 Uhr auf den Rückweg zu unserem CP. Hier wartet nun aber ein tragfester Platz auf uns, so dass auch der erneute Regen in der Nacht mit seinem Gewitterintermezzo uns nichts anhaben kann.