Von den Niagarafällen bis zur Grenze in Sault Ste. Marie

                                    Toronto oder Montreal? Ratet mal

 

Von den Niagarafällen bis zur Grenze in Sault Ste. Marie

Nachdem wir uns von dem Bezirk Niagara verabschiedet hatten, entschieden wir uns weiterhin die großen Städte zu umgehen. So wählten wir nicht den nächstliegenden Grenzübertritt, der die Durchquerung von Detroit und Chicago bedeutet hätte, sondern zogen die 700 km Umfahrung des Huronsees auf kanadischer Seite vor.

Landschaftlich betrachtet war dies mit Sicherheit die interessantere Variante; Das eintönige, recht landwirtschaftlich genutzte Gebiet rund um Niagara und Toronto wechselte wieder ins ursprüngliche von Sümpfen, Seen und Bergrücken durchzogene Waldgebiet und sorgte so für allerhand Abwechslung.

Leider blieb auch hier in dem verhältnismäßig dünn besiedelten Gebiet das Problem der Parkplatz- und Stellplatzsituation bestehen. In unserem CP-Handbuch wurden Plätze genannt, die entweder schlicht und einfach für immer geschlossen hatten, oder aber private Plätze waren, die nur Dauergäste aufnahmen.

So landeten wir nach stundenlanger Suche auf einem Campground im Indianerreservat, der hier von Irokesen geführt wurde. Die junge „Squaw“  (natürlich in Shirt und Jeans und ohne Zöpfe!!) begrüßte uns freundlich und offerierte uns einen von drei freien Plätzen zwischen heruntergekommenen Trailern und mit Folie überdachten Vorbauten. Der 5000 qm große Rasen durfte leider nicht befahren werden und war wohl nur zum Anschauen gedacht. Wie schade: Denn gegen Abend traf einer von drei Irokesen-Dauercampern ein und ließ in seiner Bude bis weit nach Mitternacht seine Musik laufen, so dass wir erst spät, trotz Ohropax, erschöpft einschliefen.

Cranberries statt Kriegsbeil

                    Irokesen - Campground                                                                  Cranberries statt Kriegsbeil

 

Am nächsten Morgen nach einer heißen Dusche sah die Welt schon ein wenig besser aus und uns ging noch einiges durch den Kopf, was die junge Frau uns am Abend zuvor erzählt hatte: Sie hat drei Jobs um durchzukommen, an der Supermarktkasse, auf dem CP und als Kellnerin. Sie war vielseitig interessiert und wusste so einiges über die politischen Zusammenhänge, nicht nur in ihrem Land. Sie berichtete von Übergriffen von Spekulanten auf das Land im Indianerterritorium und wie sich die „6 Nations“ gerichtlich dagegen zur Wehr gesetzt und glücklicherweise gewonnen hätten. Wir erfuhren, dass es Diskriminierungen gäbe und die Gleichstellung noch ein Traum wäre. Aber die Hoffnung bleibt ihnen. Und so geht auch diese junge Indianerin trotz allem zuversichtlich in ihre Zukunft.

Nach drei weiteren Nächten auf ebenso vielen, frustrierenden Campingplätzen (entweder leise und schön, dafür ohne Sanitär am Platz, oder aber mit Sanitär, dafür eng gestellt und direkt an der Highway, beide Varianten für um die 30 /40$, beschlossen wir Kanada bei nächster Gelegenheit zu verlassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So erreichten wir am 26. Mai ( Christians Geburtstag!!) gegen Mittag die Grenzstadt „Sault-Ste - Mary“, die von der US-Stadt gleichen Namens durch den St.-Mary-River getrennt wird.

Wir hatten zuvor, selbst von Kanadiern,  von Schwierigkeiten beim Grenzübertritt gehört und von Auflagen und Einfuhrsperren von diversen Lebensmitteln auf amerikanischer Seite, die wohl manchmal auch recht willkürlich umgesetzt würden. Unsere Vorräte waren nun größtenteils verbraucht, aber eben nicht ganz und so näherten wir uns dem Kontrollpunkt dennoch mit einem etwas beklemmenden Gefühl. Auf kanadischer Seite war alles ganz easy: Eine junge Beamtin wollte lediglich wissen, ob wir frischen Fisch ausführten, was wir natürlich verneinten. Bei den vielen Gewässern gibt es hier viele leidenschaftliche Angler und es besteht inzwischen wohl tatsächlich das Risiko der Überfischung, wie uns Tage zuvor in einem NP berichtet wurde. Aber gut: Würmer baden ist eh nicht unser Ding und so konnten wir locker die kilometerlange Brücke über den St.-Mary-River passieren.

Auf der amerikanischen Seite mündete die Brücke in einer Kontrollstelle, die in einem Bergrücken eingelassen worden ist. Also: links und rechts von uns die Felswände, vor uns schwer bewaffnete, schwarzuniformierte, martialisch wirkende  Grenzer, ausgerüstet mit Schlagstöcken, Pistolen, Funkgeräten. So stelle ich mir die Einfahrt in einen Hochsicherheitstrakt vor!

Nach wenigen Minuten sind wir dran. Eine Beamtin fragt nach unseren Pässen und nach unserem Reiseziel in den Staaten. Anscheinend sind wir auch hier Exoten, denn sie ruft über Funk einen zweiten Beamten zu Hilfe. Wir bekommen einen Zettel mit Fragen nach diversen Lebensmitteln in die Hand und kriegen dann die Order, auf eine zweite Ebene hochzufahren. Hier nimmt uns besagter Beamter (mit einem Lächeln!!!) in Empfang und geleitet uns ins Gebäude.

Wieder warten. Vor uns sind drei weitere Paare an der Reihe. Nach weiteren 15 Min. werden wir aufgerufen. Dann geht alles recht schnell:  Fingerabdrücke, Irisscanner, wieder Fragen nach dem Grund unserer Reise, wie, wann und wo wir angekommen sind. Als Gustav dann zu verstehen gibt, dass er pensionierter Lehrer ist, ist alles ganz einfach. Jetzt haben die Beamten die Gewissheit, dass wir nicht illegal einwandern um zu arbeiten, denn damit haben auch die Vereinigten Staaten ein Problem.

Während ich noch mit der Aufnahme meiner Personalien beschäftigt bin, gesellt sich ein weiterer Beamter zu uns und unterhält sich unversehens ganz nett mit Gustav. Es stellt sich heraus, dass er persönlich historisch interessiert ist und sich einfach nur freut,  sich mit jemand Gleichgesinnten austauschen zu können. Ein Dritter gibt auch noch mal kurz seinen launigen Kommentar dazu und plötzlich sind alle guter Dinge und stehen unserem Unternehmen höchst positiv gegenüber. Wir bekommen eine sechsmonatige Aufenthaltsgenehmigung, sogar mit dem Hinweis auf eine Verlängerungsmöglichkeit – und - fühlen uns nun tatsächlich willkommen. Der Abriss mit den Fragen zu den Lebensmitteln wird unausgefüllt wieder zurückgenommen, man wünscht uns ein „Enjoy your stay!“ – wir können zu unserem (NICHT durchsuchten) Womo zurück und ab geht’s: USA – Wir sind da!