Quebec - Französische Lebensart in Kanadas Osten

31. Juli 2015 – „Slow down“  in der Region Quebec

Es hat seinen Schrecken verloren in der Hauptsaison in Kanada unterwegs zu sein, zumindest hier im Osten des Landes. Wir bewegen uns auf Nebenstrecken, umgehen die Metropolen und entdecken liebliche Landschaften, in denen die ersten Siedler ihre Spuren hinterlassen haben. Kleine Raps- und Kartoffelfeldern und bunte Wiesen unterbrechen die hügeligen Mischwälder, und unzählige Bäche, Flüsse, Wasserfälle bezeugen auch hier Kanadas Platzierung als Land mit dem weltweit größten Süßwasservorkommen.  Die Holzhäuser sind Unikate mit verspielten Verzierungen und werden ganz offensichtlich gepflegt. Es gibt beschauliche Orte, in denen eine Kirche das Zentrum bildet; die Straßen haben Fahrradstreifen und Gehwege, die Menschen bummeln durch die Gassen, treffen sich in Restaurants und Cafés und genießen den Sommer.

Wir sind im französischen Teil Kanadas unterwegs, der besonders europäisch geprägt ist. Sehr schnell sind wir dem lässigen Lebensstil verfallen und  freuen uns zudem über das unglaublich gute Lebensmittelangebot mit den vielen frischen Produkten. Selbst die Radiosender weichen hier vom „Mainstream“ ab und bringen Klassik und französische Chansons.

Wir finden schöne, ruhige Stellplätze und Möglichkeiten das Fahrzeug zu versorgen, davon die meisten grati

s.

 

 

 

 

Von Gatineau fahren wir über Montauban mit einem kurzen Abstecher nach Quebec-City. Hier werden wir unserem ursprünglichem Motto – Städte zu umgehen – untreu und bereuen es prompt.  Nun, im Juli scheint die Stadt „aus den Nähten zu platzen“. Das ohnehin große Besucheraufkommen wird durch das jährlich stattfindende Kulturfestival erweitert, durch das zudem ein beachtlicher Teil der Festungsanlage okkupiert und abgesperrt wird. So ist die Parkplatzsuche für Tagesgäste geradezu ein Lotteriespiel und in der Altstadt herrscht ein Betrieb wie auf einem Jahrmarkt. Aber – wir haben einen Platz für „Blaubär“ gefunden und uns selber tut ein flotter Spaziergang mit vielen Treppen auch ganz gut.

 

Gegen Abend „verkrümeln“ wir uns in ein nahegelegenes Waldstück, um uns am nächsten Tag etwas näher mit den Wasserfällen von Montmorency vor den Toren von Quebec-City zu befassen. Obwohl 80 Meter hoch, wirken sie eigentlich nicht besonders spektakulär; jedoch die Möglichkeit, sich die Aussicht darauf auf einer verwinkelten Holztreppe mit ihren über 500 Stufen zu erschließen – das ist ein Vergnügen, was wir uns nicht entgehen lassen.

 

 

Mit Muße fahren wir die nächsten Tage am Nordufer des Sankt Lorenz Strom bis zur Fähre in Saint Simon hoch.  Die Überfahrt dauert eine Stunde und verbindet sich für viele nebenbei mit der Hoffnung, einige der sieben verschiedenen Walarten zu Gesicht zu bekommen. Hier, wo der Saguenay in den St. Lorenz mündet, finden die Meeressäuger Nahrung im Überfluss und sind normalerweise entsprechend  zahlreich anzutreffen. Doch leider befinden wir uns seit zwei Tagen in einem Tiefdruckgebiet, dessen Ende nicht ganz abzusehen ist. Regenschauer und Nieselregen wechseln sich ab und bringen die Wolken auf ein erstaunlich niedriges Niveau über dem Fluss. Die Hälfte der Zeit befindet sich das Schiff in dichtem Nebel (oder doch in den Wolken?) und in regelmäßigen Abständen ertönt das Nebelhorn. Doch zum Glück ist weder ein Kanu noch ein Frachter auf Crashkurs und wir erreichen wohlbehalten das andere Ufer. Hier – in Riviére du Loup - checken wir am Nachmittag (seit langem mal wieder) für eine Nacht auf einem Campingplatz ein, zwecks Organisation der Weiterreise.

 

Nun, am Südufer des Sankt Lorenz-Stroms, entscheiden wir uns für die „Leuchtturm-Route“, die uns rund um die Gaspésie-Halbinsel führt. Die Sonne hat sich wieder zu uns gesellt und zeigt uns das Land um den großen Strom in seinen schönsten Farben: Türkis der Himmel, ultramarin der Fluss, die Wälder frühlingsgrün, die Wiesen voller Margeriten, und als rote oder weiße I-Tüpfelchen die Leuchttürme. Wir unternehmen Wanderungen entlang der Steilküste, treffen auf eine Elchkuh mit ihren zwei Kälbern, begleiten einen irregeleiteten Basstölpel eine Viertelstunde lang bis zum Wasser und sehen tatsächlich noch Wale in Ufernähe.

Wie so oft in Küstennähe, hat auch diese Ecke ihre Künstler hervorgebracht. Besonders gut gefallen haben uns die originellen Skulpturen aus Treibholz.

Diese Route entlang des Sankt Lorenz mit seinen tollen Ausblicken und einsamen Abschnitten gehört für uns mit zu den schönsten Küstenstrecken Ostkanadas - und am Ende fällt es uns tatsächlich ein wenig schwer, Quebec zu verlassen.

 Dieser Abschnitt gehört für uns mit zu den schönsten Strecken Ostkanadas.