Unterwegs in Ontario

   7. Juli 2015  -  Unterwegs in Ontario

Einen Tag vor Ablauf unserer Visa überqueren wir erneut die Grenze zu Kanada, nun in Höhe des Voyager Nationalparks -  und „landen“ somit im waldreichen Bundesstaat Ontario. Seen, Flüsse und Farmland der hier niedergelassenen Mennonitengemeinden unterbrechen die schier endlosen Mischwälder. Verkehrsschilder warnen vor Wildwechsel, doch von den Tieren ist „in Natura“ nichts zu sehen.

Mit etwas Mühe finden wir ein paar ruhige Übernachtungsstellen, denn entweder ist das Parken über Nacht verboten, oder, wo es erlaubt ist, fährt in unmittelbarer Nähe der Güterzug mit durchdringendem Warnsignal vorbei. So ziehen wir uns zwei Mal auf enge Waldwegen zurück.

 Die dritte Nacht verbringen wir auf einem sehr angenehmen Campground in Thunder Bay, direkt vor dem Eingang des Fort Williams. Dieses Fort, ein originalgetreuer Nachbau, erweckt durch seine umfangreiche  Ausstattung , die Handwerker und der Zeit entsprechenden Laiendarsteller das 18. Jahrhundert zum Leben. Trapper und Indianer brachten Pelze zu diesem Handelsstützpunkt, die anschließend sortiert, gewogen und verpackt wurden für den Transport über die großen Seen nach Europa. In der Lagerhalle zeigt uns die junge Pelzhändlerin die Felle von Eisbären, Schwarzbären, Grizzlys, Pumas, Waschbären, verschiedenen Füchsen, Wölfen, Hermelin und natürlich von Bibern. Für uns Tierfreunde ein wenig traurig, hätten wir diese Tiere doch viel lieber lebendig gesehen. Nichtsdestotrotz gewinnen wir jedoch einen bemerkenswerten Einblick in diese Ära.

 

 

  

 

 

Besonders angetan sind wir von der Lebensweise der Ojibwa (First Nations / Indianer), die uns eine Stammesangehörige näher bringt. Birkenrinde ist hier das ultimative Baumaterial. Aus ihnen werden die Wigwams gefertigt, Gefäße und Körbe – und nicht zuletzt die wunderbaren Kanus. Wir staunen über die Kunstfertigkeit, mit der diese eleganten und sehr haltbaren Boote hergestellt wurden und die in ihrer ausgeklügelten Form geradezu geschaffen sind für die unterschiedlichen Gewässer.

 

 

 

 

 

 

Zum Fort gehört auch

eine eigene Farm…

 

 

eine Backstube, die Garnisonküche,…

 

der Schlafsaal der Soldaten…

 

die Privaträume der Offiziere…

   

 

 

die Waffenkammer…

 

die Kannenschmiede

 

und die Küferei…

 

Mehr als vier Stunden verbringen wir in Fort Williams, schauen den Handwerkern über die Schulter, probieren das frische Brot in der Backstube, schauen, was die alten Handelshäuser zu bieten hatten, amüsieren uns über den Stechschritt der „Rotröcke“, erschrecken beim Knall der Kanone, gruseln uns über die Methoden des Stabsarztes und freuen uns, kurz – in das Leben dieser Zeit eintauchen zu können.

 

 

 

In der Hoffnung, vielleicht doch noch ein paar lebendige „Plüschtiere“ zu Gesicht zu bekommen, wählen wir am nächsten Tag die Nordroute über Nipigon nach Cochrane. Hier oben ist es zunächst richtig einsam, viel Wald, kaum Besiedlung. Und tatsächlich - hier quert ein kleiner Schwarzbär vor uns die Straße; ein kurzer Augenblick, dann verschwindet er ganz schnell im Gebüsch. Doch es bleibt bei dieser einzelnen Begegnung.

 

Dafür haben wir in den nächsten zwei Nächten Mückenalarm: Als wir am späten Nachmittag einen hübschen Schlafplatz gefunden haben, sind ziemlich schnell die ersten Insekten im Anflug. Also igeln wir uns ein. Es sind immer noch 30 Grad draußen und drinnen noch mal 8 Grad mehr. Wir lüften bei geschlossenen Moskitorollos. Einzelnen „Stechmonstern“ wird mit dem Moskitogrill der Garaus gemacht. Doch dann mit Einbruch der Dunkelheit – wir trauen unseren Augen kaum – schaffen es immer mehr von den Viechern ins Wageninnere. Wir hängen jetzt zusätzlich unser Innennetz auf um wenigstens einigermaßen geschützt zu sein. Das Surren um uns können wir jedoch nicht ausschließen. An der Decke und an den Wänden wimmelt es nur so von Moskitos. In dieser Nacht bekommen wir nicht viel Schlaf. Erst im Morgengrauen sammeln sich die Insekten an den Fenstern und wollen raus. Ganz flink öffnen wir die Rollos und innerhalb von fünf Minuten ist der ganze Spuk vorbei. Erleichtert, aber ziemlich geschafft starten wir in den Tag.

Der nächste Stellplatz ist weit genug vom nächsten Bach entfernt, wir stehen mitten auf einer Kiesfläche. Doch mit Einbruch der Dunkelheit geht das Drama von vorne los. Wieder haben wir trotz der Insektenrollos Moskitos „en Masse“  im Womo, wieder bekommen wir kaum Schlaf und grübeln, wo denn „zum Kuckuck noch mal“ eine undichte Stelle sein könnte. Am nächsten Tag wird Gustav fündig: Die Viecher kommen über die Fahrzeugbelüftung ins Innere!

In der folgenden Nacht haben wir Ruhe, dank einer Einkaufstüte über dem Lüftungszugang.