Ein Visum für die USA

Ein Visum für die USA

Wer, auch als Tourist, länger als 3 Monate die USA besuchen will, benötigt ein Visum.

Dies aber kann man nicht so einfach beantragen, nein, man muss zuerst einen ausführlichen Fragebogen im Internet ausfüllen, dann die Bearbeitungskosten bezahlen – auch wenn man vielleicht keine Einreisegenehmigung – also ein Visum- erhält, und zuletzt muss man zu einem Konsulat hinfahren und sich dort einer Begutachtung unterziehen.

Aber was tut man nicht alles!

Also, frisch ans Werk: Internet, amerikanische Botschaft, Visaantrag stellen: Oh, welches Visum hätten Sie denn gern! „Nonimmigrant“ – das versteht man ja noch. Aber dann: „A, B, C, die Katze lief im Schnee“ Visatypen gibt es von Typ A bis zum Typ V. Und wir können ja alle sehr gut englisch, verstehen ja sofort die feinen Unterschiede zwischen den einzelnen Typen! „Welches Schweinderl hätten Sie denn gern?“ So kam es mir zuerst vor.

Mit der Zeit bekam ich heraus, dass für uns der Typ B1/B2 der passende ist – man beachte, die Buchstaben reichen nicht aus – es müssen noch zusätzlich Zahlen ran - damit alles seine Ordnung hat. Und so ist diese Ordnung fein säuberlich dargestellt:

http://travel.state.gov/content/visas/english/general/all-visa-categories.html

Wie schön, wenn man das erst mal im Internet gefunden und verstanden hat! (Ach, wie bequem ist es durch Europa zu fahren.)

Tja, und dann muss man das Antragsformular im Internet ausfüllen  im „Consulat Electronic Application Center“.

Dort lernt man noch einige Begriffe dazu wie Spouse, surname, given name etc. – es schadet ja nie, seine Englischkenntnisse ein bisschen aufzupolieren.

Dann gibt es noch die üblichen Angaben wie Name, Herkunft, Pass etc. Doch! Welche Überraschung: Wir sollen eine Adresse angeben, wo wir in den USA bleiben wollen! Wir wollen mit dem Wohnmobil durch die Staaten fahren, nicht an einer Stelle bleiben. Aber eine Nachfrage ergibt, man solle einfach das Hotel angeben, in dem man nach der Ankunft zum ersten Mal übernachtet. Ich gebe einen Campingplatz in Los Angeles an, den ich im Internet gefunden habe. Und es gibt keine Nachfrage. Fragt nicht, welchen Zweck diese Angabe im Antrag hat - wir wollen ja hin!

Tja, und dann muss man eine Kontaktperson oder eine Organisation in den USA angeben, zu der man hin will. Wir kennen niemanden! Aber ohne diese Angaben kann man nichts beantragen- also schreibe ich nochmals die Adresse des Campingplatzes in Los Angeles hin. Es klappt. Immerhin kommt die Erklärung, wenn man keine Telefonnummer habe, solle man 10x die „9“ eintippen – ach wie schade, die Nummer steht doch im Internet. Aber wenn man schon mal so schön Neunen eintippen kann - -!

Dann wird Ahnenforschung betrieben: Vater, Mutter inklusive Geburtsname, Geburtsdaten, ob sie in den USA leben usw. Später stelle ich fest, ich habe surname und given name vertauscht- aber gestört hat es keinen.

Wozu man wissen will, ob ich Verwandte in den USA habe? Keine Ahnung – wir haben keine. Gut, den früheren Beruf kann man ja nennen, ich bin ja schließlich „retired“, auch die Adresse des früheren Arbeitgebers ist sehr wichtig - einschließlich Adresse, ebenso der Titel, aber wozu ich „Supervisor´s Surname“ und „Given Name“ angeben soll, das geht über meinen Verstand hinweg. Immerhin, man kann schreiben: „Do not know“. Dann ist eine kurze Beschreibung der früheren Pflichten notwendig. Na, das ist ja kein Problem.

Ja, dann aber wird es interessant – die Security Informationen:

Habe ich eine ansteckende Krankheit- Syphilis, Gonorrhoe etc.? Gottseidank nicht!

Habe ich eine psychische Krankheit, die für andere gefährlich sein könnte? Nein, das auch nicht. Aber wenn ich eine hätte, würde ich dann mit „Ja“ antworten?

Es steigert sich: Tolle Fragen kommen da. Ob man mal Drogen genommen hat – oder noch nimmt. Ob man im Gefängnis war, wegen Beleidigungen oder krimineller Handlungen – auch wenn man begnadigt wurde, ob man Gesetze wegen Drogen verletzt oder an einer Verschwörung zur Verletzung dieser Gesetze teilgenommen hat. Habe ich aber Glück, dass ich so etwas noch nicht probiert habe.

Es ist noch steigerungsfähig: Ob ich in die USA komme, um mich in der Prostitution oder ungesetzlichem Laster zu engagieren, ob ich vorhabe, Geldwäsche zu betreiben, ob ich Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen will oder begangen habe, ebenso meine Verwandtschaft,  ob ich jemandem dabei geholfen habe, ob ich Spionage, Sabotage o. ä. betreiben will, ob ich mich in den USA als Terrorist betätigen will, ob ich Mitglied oder Repräsentant einer Terrorgruppe bin, ob ich an einem Völkermord beteiligt bin oder war, Kindersoldaten rekrutiert habe, gegen die religiöse Freiheit gekämpft habe, Frauen gegen ihre Willen zur Abtreibung gezwungen habe, an Zwangstransplantationen von Körperteilen beteiligt war usw. Jetzt weiß ich, was ich alles versäumt habe.

Aber wie kann man denn glauben, dass ein Mensch so etwas wahrheitsgemäß mit „ja“ beantwortet. Die Quittung wäre doch ganz klar ein Einreiseverbot – also ist dieser Fragebogen eine direkte Aufforderung zum Lügen. Ich muss zugeben, die Logik dieser Fragen erschließt sich mir nicht.

Ein toller Fragebogen!

Na schön, wenn das geschafft ist, müssen die Gebühren für den Visaantrag bezahlt werden. Erst dann kann man einen Termin in einem Konsulat vereinbaren im Internet. Das geht alles recht gut, aber erst muss bezahlt werden! Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass sie fällig sind, auch wenn der Visaantrag abgelehnt wird. Aber das bereitet uns keine Kopfschmerzen, schließlich wissen wir ja jetzt, was wir alles im Leben nicht gemacht haben - schön ist ein gutes Gewissen!

Und dann war er fällig – der Termin, an dem man persönlich erscheinen musste. Wir hatten nur 500km bis dahin zurückzulegen, bei Schnee, Regen und Verkehrsstau – das war richtig erfreulich. Naiv, wie wir waren, dachten wir, ein Montagmorgen sei nicht schlecht. Also fuhren wir am Vortag zur Verwandtschaft, die bei Gießen wohnt – ca. 60km vom Konsulat entfernt. „Oh je, am Montagmorgen nach Frankfurt, da steht man stundenlang im Stau, das ist immer so!“ Begeisterung macht sich breit. Aber – wie schon gesagt –was tut man nicht alles.

Aufstehen um 6 Uhr, losfahren um 7 Uhr, damit wir ja pünktlich sind! Und es gab etwas Gutes zu vermelden – fast kein Stau auf der Autobahn. Beinahe wären wir in Frankfurt noch in die grüne Zone reingefahren – das ist ja richtig teuer heute, schlimmer als zu schnelles Fahren! Aber dann fanden wir den Park und Ride Parkplatz in Preungesheim – und siehe da, es war halb neun. Wir hatten noch Zeit genug um gemütlich die zwei Kilometer zum Konsulat zu laufen – ein Morgenspaziergang von 2 km Länge war genau das Richtige nach der Hektik.

Auf jeden Fall wären wir pünktlich um 9.30 Uhr dagewesen. Um diese Zeit sollten wir nämlich dort sein – und wenn man sich den Fragebogen und die Sicherheitshinweise ansieht, kann man verstehen, dass wir möglichst pünktlich da sein wollten.

Es wurde erklärt, man dürfe keine elektrischen, elektronischen oder batteriegetriebenen Geräte mitbringen, z.B. Handys oder USB-Sticks. Das lässt sich ja noch verstehen, aber man stelle sich vor, man darf weder Feuerwaffen noch Hieb-und Stichwaffen mitbringen. Na so was! Wer hätte das gedacht! Wo wir doch immer schwerbewaffnet herumlaufen!

Auch Sprengstoffe darf man nicht mitnehmen! Und Chemikalien etc. sind auch verboten!! Da darf man doch nicht mal eben das Konsulat in die Luft sprengen oder mal eben mit Tränengas benebeln! Sind die aber kleinkariert!

Wer weiß, ob andernfalls nicht unsere gesamte 500 km Fahrt umsonst gewesen wäre. Wer solche Fragen stellt, hat vielleicht noch andere Schikanen, dachten wir.

Aber weit gefehlt: Als wir um 9.15 ankamen, sahen wir eine Schlange von Menschen im Eingangsbereich der Botschaft anstehen. Und da spielten wir Engländer – wir stellten uns an. Nun mussten wir warten, bis wir zu einem Schalter gelangten, an dem wir eine Bearbeitungsnummer erhielten. Da dauerte aber noch etwas. Immerhin, der Wartebereich war überdacht und mit Heizstrahlern beheizt, bei den Temperaturen recht angenehm.

Am ersten Schalter wurden wir nach der Einladung gefragt sowie, ob wir die Visagebühren bezahlt hätten. Letzteres wiederholte sich mehrere Male; war es etwa bei dem gesamten Vorgang das Wichtigste?

Dann ging es – immer noch draußen (z. Z. wird dort umgebaut) zu einer zweiten Schlange.- Dort mussten wir alles, was mit Metall zusammenhängt (auch Münzen-also das Portemonnaie sowie den Gürtel- die Hose hielt tatsächlich auch so!), in eine Plastiktüte packen. Nun wurden wir durch eine Sicherheitsschleuse geleitet, immer begleitet von freundlichen Brinks – Mitarbeitern.

Nun, nachdem klar war, dass wir ganz friedliche Menschen sind, konnten wir unsere Metallteile wieder an uns nehmen – auch den Gürtel, und mussten die Plastiktüte zur weiteren Verwendung in einen Kasten legen.

Dann ging es weiter: Wir kamen in einen großen Raum, ca. 30x20m, lichtdurchflutet, großzügig angelegt. Oben, im ersten Stock, gab es eine umlaufende Galerie. An den Wänden hingen die Fahnen der einzelnen US-Staaten. Also, das sah schon imposant aus.

Am Eingang wurden wir von einer freundlichen Frau zu einem Schalter an der rechten Wand geschickt. Nach kurzem Anstehen mussten wir dann unsere Fingerabdrücke einscannen lassen: rechte Hand-linke Hand-beide Daumen. Noch einmal wurde gefragt, ob wir die Visagebühren bezahlt hätten. Merkwürdig, ohne dies hätten wir doch gar keinen Termin verabreden können! Na ja, man muss nicht alles verstehen – sind halt Behörden. Ich hatte glücklicherweise die Quittung ausgedruckt. Na prima, alles klar.

Am nächsten Schalter dann wurden unsere Pässe eingesammelt und wir mussten noch einmal mit dem Fingerabdruck bestätigen, dass wir im Fragebogen die Wahrheit gesagt hatten – soweit ich das richtig verstanden habe. (s. letzter Absatz).

Dann hieß es: Warten, bis unsere Nummer aufgerufen wurde-auf einem Display an der großen Wand. Das dauerte vielleicht 20 Minuten. Dann waren wir dran. Nun mussten wir Englisch reden. Es begann das Interview – das gefürchtete.

Eine junge Dame fragte aber nicht sehr viel – es begann mit dem Beruf. Edith schaltete schneller und erklärte, ich sei „retired“. Dies wurde mit einem Lächeln quittiert. Anscheinend ist die größte Sorge der Amerikaner, dass Menschen ins Land kommen wollen, die kein Geld haben. Und als Pensionär hat man ja doch etwas Geld pro Monat! Daraufhin wurden wir gefragt, wie lange wir in die USA wollten. Aber meine Erklärung – für ein ganzes Jahr – gefiel ihr gar nicht. Sie meinte, der Aufenthalt wäre immer nur für höchstens ein halbes Jahr möglich. Meine Antwort, müsse man dann mal schnell nach Kanada, gefiel ihr nicht so sehr. Aber damit war das Interview schon beendet. Sie sagte noch, wir würden die Pässe noch im Laufe der Woche per Post zugesendet bekommen. Und damit war alles gelaufen. Alles war doch nur halb so schlimm. Und die dort Arbeitenden waren ausgesprochen freundlich. Überraschend für uns war auch, dass die Pässe am Mittwoch schon bei uns ankamen.

Also war das Ganze gut gelaufen.

Ein Problem allerdings bleibt immer noch – im Gegensatz zu allen mir bekannten zivilisierten Staaten wird die Aufenthaltsdauer nicht schon jetzt, sondern an der Grenze vom Einwanderungsbeamten festgelegt – und der kann einfach die Aufenthaltsdauer festlegen, wie es ihm passt. Eine solche Willkür gibt es sonst nicht. Und dass man nach einem halben Jahr in jedem Fall wieder raus muss, es sei denn, man bekommt eine Verlängerung zugestanden, lässt der Willkür Tür und Tor. Also, begeistert bin ich davon nicht.

Lassen wir uns mal überraschen, wie es an der Grenze zugeht. Wir werden wegen dieser Voraussetzungen das Auto erst mal nach Halifax in Kanada verschiffen. Dann sind wir schon mal auf dem Kontinent. Ich bin ja gespannt!