Cody

 

 

Cody, Wyoming, 13. Juni 2014

An einem Freitagabend erreichen wir Cody, eine Westernstadt, benannt nach seinem Gründer William Frederik Cody, besser bekannt als „Buffalo Bill“. Ende des 19. Jahrhunderts reiste der ehemalige Büffeljäger mit einer von ihm kreierten Wildwest-Show durch die Welt und machte unter anderem auch in mehreren Städten in Deutschland Station. Seiner Truppe schlossen sich mehrere Indianer an, für die dies eine einmalige Gelegenheit war die Welt der „Weißen“ kennenzulernen bzw. sich selbst bekanntzumachen. Der berühmte Häuptling „Sitting Bull“ (Wiki) war einer von ihnen.

 

Buffalo Bill selbst war eine recht schillernde Persönlichkeit mit einer entsprechend, bewegten Lebensgeschichte. Die Stadt Cody hat ihm mit dem „Buffalo Bills Wild West“-Museum ein bemerkenswertes Denkmal gesetzt: Im Erdgeschoss empfängt uns ein Naturkundemuseum, welches seinesgleichen sucht. Wir finden uns zunächst in der Prärie, dann ansteigend in den Wäldern und im Gebirge wieder, stehen entsprechend platzierten, präparierten Grizzlys, Schwarzbären, Wölfen, Schakalen, Bisons , Elchen bis hin zum kleinsten Singvogel oder Streifenhörnchen gegenüber. Selbst die natürlicherweise verborgenen Nisthöhlen und Grabgänge der im Erdboden lebenden Tierwelt wie Erdhörnchen, Schlangen, Eulen, sind konserviert und naturgetreu hergerichtet durch Glasplatten im Fußboden hier für jedermann einsehbar. Informationen zu jedem Tier sind durch verschiedene visuelle und akustische Medien abrufbar.

 

  

Die nächste Abteilung beschäftigt sich mit dem Leben Codys sowie mit dem Leben in der Zeit des „Wilden Westens“ im 19. Jahrhundert und der Gründung und Entwicklung seiner Stadt. Lebendig wird dies alles durch audiovisuelle Präsentationen sowie eine umfangreiche Sammlung an Mobiliar, Ausrüstung für Trapper, Cowboys, Scouts und deren Bekleidung wie Bärenfellmäntel, Bisonjacken, Biberfellmützen, Lederhosen nach indianischem Vorbild und entsprechenden Stiefeln. Planwagen, Postkutschen, zweirädrige Kutschen und nicht zuletzt die ersten Automobile erzählen von der zunehmenden Mobilität im Lande. Alte, große Ölgemälde vermitteln Tier- und Landschaftsimpressionen oder zeigen Porträts von „Buffalo Bill“ in den verschiedenen Stadien seines prominenten Lebens. Eine saalfüllende Waffensammlung mit Gewehren wie die berühmte „Winchester“, Revolvern und Pistolen zieht insbesondere die Männer in ihren Bann.

 

 

 

Ich begebe mich lieber in die Halle, die den Indianern gewidmet ist, und bin erst einmal geplättet: Diese Ausstellung zu den „Natives“ übertrifft alles, was wir bisher zum Thema gesehen haben. In einer Art Zeitreise durchquert man Säle, die sehr anschaulich das jeweilige Leben bestimmter Stämme von ihrer Zeit vor der Besiedelung bis in die Gegenwart darstellen. Hier sieht man Tipis in allen Varianten: Sommerzelte aus Cotton, Zelte aus Tierhäuten, Winterzelte aus Fellen und solche aus Holzstämmen. Sogar eine Rundhütte aus Holz und Erde ist naturgetreu nachgebaut worden. Dokumente, Fotos und Artefakte erklären die Aktivitäten der Indianer, den Jahreszeiten entsprechend. Kunstvoll bestickte Kleidung, phantasievoller Kopfschmuck, Schilde, Pfeifen und Waffen, Insignien der Macht: Hier erzählen sie uns ihre Bedeutung und ihre Einsätze in Zeiten des Krieges und des Friedens. Pflanzen und Kräuter lassen uns staunen über ihre vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten in Küche, Medizin und Kunst und das Wissen darüber, was von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

 

 

 

Das Ende der Ausstellung dokumentiert den Übergang der ursprünglichen, indianischen Lebensweise bis in die der Gegenwart. Geblieben sind einige wenige Rituale und Treffen, die die Erinnerung und den Zusammenhalt als Volk stärken sollen oder aber als touristische Inszenierung der eigenen Ökonomie dienen.

Nach einem vierstündigen Museumsaufenthalt sind wir vollgepackt mit Eindrücken und reif dafür, diese einfach mal „sacken zu lassen“.

Es war ein grandioses Erlebnis!

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag genießen wir ein wenig die Westernatmosphäre in Cody und besuchen am Abend ein Rodeo. Cowboys und Cowgirls aus verschiedenen Bundesstaaten wetteifern gegeneinander um den besten Platz im Kälber- und Rindereinfangen, der Schnelligkeit im Reiten zu Pferde und in der Ausdauer beim Bullenreiten. Uns begeistert die Ästhetik und die Dynamik, mit der die jungen Frauen wie Amazonen ihre Pferde beherrschen, geradezu eins werden und in einer atemberaubenden Geschwindigkeit die Ziellinie überqueren. Das Publikum tost und springt von den Plätzen, wenn ihre Champions auf dem Rücken eines Stieres in die Arena preschen. Aber man spürt auch Mitgefühl, hört verhaltenen Beifall, wenn ein Reiter verfrüht und mit Blessuren am Boden landet. Zwischendurch moderiert ein Clown die Pausen, verkaufen Hostessen mit Bauchläden Getränke und Popcorn auf den Tribünen. Unter uns hört man bisweilen einen Bullen brüllen oder auch nur wütend gegen die Absperrung rennen. Und dann beginnt die nächste Staffel.

Es ist ein tolles Spektakel, das uns für zweieinhalb Stunden in Atem hielt.

Übrigens: Wir sind heute auf den Tag genau seit einem Monat unterwegs und haben in dieser Zeit 7000 km zurückgelegt, und das dankbarerweise ohne Pannen.

Ab jetzt verlangsamt sich unsere Reise, denn die großen Nationalparks liegen hier im Westen auf die Größe des Landes bezogen relativ nahe beieinander. Das bedeutet, unsere Aufenthalte werden länger, die Tagesetappen kürzer und wahrscheinlich auch die Berichte. Also: nicht wundern!

Wir bleiben verbunden.