Munising am Lake Superior

                                             28. Mai 2014  -  Munising am Lake Superior

 

Die Upper - Peninsula in Michigan verbindet den Huronsee mit dem Lake Superior. Stundenlang führt uns der Highway durch endlose Wälder und nur ab und an entdecken wir einzelne Holzhäuser oder eine kleine Ortschaft verlangsamt unsere Geschwindigkeit von 90 auf 45km/h. Es ist ein echt entspanntes Reisen und man registriert oft im Nachhinein, dass man eine ganze Weile keine Kupplung, keine Bremse gebraucht hat, lediglich den Fuß leicht vom Gas nehmen musste. Es gibt auch keine riskanten Überholmanöver, denn die Trucks fahren locker dasselbe Tempo. Überhaupt erleben wir das Miteinander im Straßenverkehr als sehr umsichtig und rücksichtsvoll und man wartet lieber einmal eine Minute länger, anstatt sich mit Vollgas im letzten Moment vor ein anderes Fahrzeug einzuscheren. Hier fährt man nicht einfach, hier „cruist“ man ganz lässig.

Und während wir nun auch ebenso relaxt am „Cruisen“ sind und das geöffnete Seitenfenster milde Luft in unser Auto bringt, verändert sich diese und kühlt unvermittelt ab, ohne dass sich die Wetterlage geändert hätte. Plötzlich öffnet sich der Wald und gibt den Blick auf den Lake Superior frei. Doch was ist das? Ich glaube meinen Augen nicht zu trauen: Am gesamten Horizont über dem See liegt etwas, das wie eine weiße Mauer aussieht. Und jetzt entdecken wir  - Eisschollen! – auf der Oberfläche. Ja, jetzt entsinne ich mich: Am Morgen hatte mich noch eine Frau auf dem CP in ein längeres Gespräch verwickelt und zum Schluss gemeint, wir müssten unbedingt bei einem Ort namens Munising (nie gehört) anhalten und die Eisschollen schauen. Sie wären von dort hochgekommen und es sei wunderschön. Ich hatte das irgendwie missverstanden, dachte, das Ganze läge Wochen zurück (weil der Winter hier ja lang war) und konnte mir nun überhaupt nicht vorstellen, wie das zusammmengehen sollte: Eisschollen bei sommerlichen Temperaturen. Aber – so ist es, so war es!

Bei nächster Gelegenheit halten wir an und die entpuppt sich dann auch noch als Campingplatz. Wir beschließen sofort die Fahrt für heute, hier und jetzt zu beenden um uns völlig diesem Naturschauspiel zu ergeben. Wir parken ein,  ziehen ganz fix warme Sachen über, denn es hat hier einen örtlichen Temperatursturz von über 11 Grad, hervorgerufen durch den eisigen Wind (im wahrsten Sinne des Wortes), der von der See her weht.

Fantastisch, atemberaubend, überwältigend – wir sind völlig hingerissen. So etwas haben wir noch nie gesehen, hätten es allenfalls an Eismeergestaden erwartet: Die Sonne scheint wie eh und je mit voller Kraft und bringt die Elemente zum Strahlen; Als hätte ein Maler seine schönsten Blautöne ausgeschüttet, unentschieden, welche zu nehmen sei, so spielt der See mit Ultramarin, Smaragd und Türkis. Eisschollen verzieren dieses Kleid wie Sahnehäubchen, nur um sich kurz vor dem gelben, warmen Dünensand in fantasievolle Kristallgebilde zu verwandeln. Über allem erheben sich in leuchtendem Grün alte,,majestätische Kiefern. Ein Naturgemälde von solcher Pracht, das unsere Kamera dieses nur ansatzweise widergeben kann.

Wir sind so froh und dankbar für dieses traumhafte Erlebnis.