Washburn - New London

Samstag, 31. Mai 2014  -  Bewahrt geblieben!

Bei Duluth erreichen wir den Staat Minnesota Entgegen allen Erwartungen ein eintöniges Agrarland zu durchfahren erleben wir zumindest den von uns befahrenen Teil dieses Landes als faszinierend. Weite Wiesen- und  Ackerflächen, die bis zum Horizont kein Ende nehmen, vermitteln uns ein irreales Gefühl der Fortbewegung, grad wie im Zeitlupentempo.

Nach einigen Stunden Fahrt ändert sich die Landschaft. Büsche, die man in weiter Ferne entdeckt, entpuppen sich plötzlich als Baumkronen, die aus kurzen, tiefen Tälern herausragen. Hier haben sich die Menschen angesiedelt, wohl auch um Schutz vor den Tornados zu finden. Fortan lockern also solche lieblichen Einschnitte die übliche Weite immer mal wieder auf. Oft sind es luftige Mischwälder, die in diesen Senken gedeihen. Und so passiert es: Parallel zum Highway verläuft hier eine Eisenbahnlinie Es ist mittags um halb eins. Während wir in aller Seelenruhe die Eindrücke rings um uns aufnehmen, taucht rechts von uns einer dieser riesigen Güterzüge auf. Vor mir registriere ich noch eine auffallend hohe Zahl an Warnschildern vor Wildwechsel, doch es ist ja mittags um halb eins. Plötzlich kommt alles zusammen: Wir erreichen gerade die Höhe der Lok, als wie aus dem Boden geschossen ein kapitaler Rehbock keinen Meter vor unserem Womo auf die Fahrbahn springt und im nächsten Satz vor einem großen Truck auf der Gegenfahrbahn landet. In solch einem Moment läuft in meinem Hirn in Sekundenschnelle ein ganzer Film ab; Ich spüre förmlich den Zusammenprall mit dem Tier, sehe unser Fahrzeug schleudern und mit der Kraft von 100 km/h mit anderen Verkehrsteilnehmern kollidieren. ABER: Es bleibt Gott-sei-Dank – ein Film. Der Schrecken sitzt uns noch lange in den Gliedern und ich fahre die nächsten Kilometer weit unter der erlaubten Geschwindigkeit.

Wieder einmal werden wir uns unserer Grenzen bewusst und sind von Herzen dankbar für die heute erlebte Bewahrung.

Am Nachmittag entdecken wir in St. Cloud den ersten Aldi-Markt unserer Reise. Na, da sind wir mal gespannt auf die landestypischen Unterschiede.

Das erste, was auffällt, ist, das sich jeder hier einen Wagen mit einem Coin ausleihen muss. Viele Kunden bringen Einkaufstaschen mit. Das gab es bisher noch nie. Im Laden selbst ist eine schier unglaubliche Menschenansammlung damit beschäftigt ihre Wagen zu füllen. Ganze Familien organisieren hier ihren Einkauf, tragen aus den Regalen die verschiedensten Nahrungsmittel zusammen. An ihrer Kleidung erkennt man viele Muslime, einige Juden und sogar eine Amish-Familie. Sie machen heute zusammen vielleicht die Hälfte der Kundschaft aus. Aber trotz des Gedränges geht alles äußerst höflich und rücksichtsvoll vonstatten.  Man entschuldigt sich, wenn man an jemandem vorbei möchte, den Wagen zu nah geparkt hat, oder auch nur den suchenden Blick eines anderen gestört hat. Soviele „Sorrys“ wie hier haben wir selten auf einmal gehört.

Auffallend auch, wie stark hier gerade der Ost- und Gemüsestand frequentiert wird. Da sind nun auch wir dabei, denn die Ware ist unglaublich gut und  zu alledem haben die  Preise nahezu das aus Europa bekannte Niveau. So sind gleich wieder unsere Vorräte aufgefüllt und wir um eine Einkaufserfahrung reicher.

Als wir den Markt verlassen, hat ein warmer Regen eingesetzt, der sich bis zum frühen Abend hält. Und so beschließen wir für heute Schluss zu machen und landen nach dem üblichen CP –Gesuche mal wieder auf einem Campingplatz, der eigentlich keiner ist, bzw. nur für gut ausgerüstete Dauercamper. So gibt es auch hier nur zwei abenteuerliche  Toiletten und improvisierte Duschen, die augenscheinlich nur von Sechs- oder Achtbeinern benutzt wird und sicherlich auch nicht von uns. Doch für 35 Dollar in Cash lässt Michael, der charmante Besitzer, uns hier bleiben. Er erzählt uns, dass er als einer von 12 Kindern irischer Immigranten auf einer nahegelegenen Farm aufgewachsen ist und eigentlich Priester werden sollte. Aber eine schöne Maid habe ihn eines Besseren belehrt (seine Worte) und nun sei er glücklich verheiratet und Vater von sechs Kindern. -  So kann´s gehen!