Baker City - Hells Canyon - Wallowa

4. Juli 2014 (Unabhängigkeitstag)  -  Baker City /Oregon

Ja, was mag uns heute wohl erwarten? Am Tag der Unabhängigkeitserklärung soll ja mancherorts „der Bär los“ sein. Wir sind nun im beschaulichen Baker City in Oregon gelandet, haben wieder einmal einen der letzten freien Plätze auf einem voll gepfropften RV-Park bekommen. Doch die Nachbarn begrüßen uns nett und einige Runden im Pool bringen den Kreislauf nach der Fahrt durch die Hitze wieder auf ein normales Level. Für heute ist bei uns nur noch Entspannung angesagt und siehe da: Die bekommen wir auch. Um Mitternacht werden hier und da ein paar Raketen und Feuerwerkskörper entzündet, doch das ist auch schon alles. Der ganze Spaß dauert nicht mal so lang wie daheim die Neujahrsnacht.

Am nächsten Morgen begeben wir uns in das Museum des Oregontrails. Schon am Tag zuvor hatten wir am Highway des öfteren vor Infotafeln gestoppt, die Landschaftmarkern gleich auf den Verlauf des Trails hinwiesen. Hier führte die Strecke durch dürre, heiße Pisten mit stacheligem Strauchbewuchs und Moskitos, die Mensch und Tieren gleichermaßen zusetzten. Laut Augenzeugenberichten soll es teilweise alle 80 Meter ein Grab gegeben haben und manche Täler waren durch die Gebeine toter Rinder, Pferde und Schafe unwegsam geworden.

Im Museum selbst werden diese dramatischen Szenen visuell nachgestellt und durch eine ganze Reihe von Artefakten verdeutlicht. Da gibt es Planwagen mit kompletten Hausrat, gusseiserne Öfen, die unterwegs entsorgt wurden, Kleidertruhen mit wertvollen Kleidern für den Start im gelobten Land, Geldbeutel, Werkzeug, medizinische Ausrüstung, Tagebuchaufzeichnungen und Gemälde, die die Erlebnisse festhielten. Ein halbes Jahr dauerte dieser Zug von Ost nach West im Schnitt; Manchmal auch länger wenn der Treckführer die Route falsch festlegte oder zu einem zu späten Zeitpunkt gestartet war. So passierte es, dass ein Trupp (auf dem Weg nach Kalifornien) vom Wintereinbruch im Gebirge überrascht wurde und nur wenige die Folge dieser Fehleinschätzung überlebten.

Insgesamt geschafft haben es allerdings die meisten. Knapp 30 Jahre dauerte dieser Zug in den Westen, dann vereinfachte die Eisenbahn die Ost –West-Verbindung erheblich. Doch noch heute gedenken die Menschen hier ihrer Vorfahren, die in der Frühzeit des Oregontrails diese Mühen auf sich genommen haben.

Tief bewegt setzen wir unsere Reise fort – in nördlicher Richtung. Wieder geht es durch heiße Steppen, bis sich plötzlich ein schmales, grünes Band – ein kleiner Fluss – am Straßenrand  bemerkbar macht. Entlang des Flusses windet sich die Straße dem Verlauf entsprechend durch tiefe, karge Schluchten und wieder hinauf auf die ebenso kargen Höhen. Wir befinden uns im „Hells Canyon“ in Oregon. Die Hitze bringt die Luft zum Flirren, Zikaden zirpen um die Wette und uns kocht leicht das Gehirn gar. Wir können es fast nicht glauben, als nach der nächsten Kuppe ein sattgrüner Talkessel vor uns liegt. Der „River“ ist breiter, plätschert munter vor sich hin und hat hier einen bunten Mischwald zum Leben erweckt. Große, alte Kiefern und Tannen spenden wohltuenden Schatten und laden zum Verweilen ein. Auf einem derart willkommenen Wanderparkplatz beschließen wir den Tag und finden es auch nicht schlimm, dass sich heute niemand dazu gesellt.

Am nächsten Morgen sind wir wieder fit für die nächste „Ofenrunde“. Wir tauchen auf aus unserem schattigen Talkessel, fahren nochmals durch steppenartige Hochebenen und sehen in dieser Trockenheit dann auf einmal einen See vor uns. Der Lake Wallowa in einem Ort namens Joseph (benannt nach dem Häuptling, dessen Grab hier ist) verblüfft unsere Wahrnehmung zunächst einmal mit seinen kahlen Hängen auf der Ost- und der Südseite. Die Nordseite hingegen lockt mit tiefdunklem Wald, der sich vom breiten Ufer des Sees bis zum schneebedecktem Gipfel hochzieht; Das alles bei knapp 40 Grad im Schatten – will erst mal mental verdaut werden.

Hier finden wir nun auch noch einen Campground des „National Forest“ vor; Und was für einen! Es ist mit über 200 Plätzen der bisher größte Platz dieser Forestplätze und dabei auch noch der schönste in dieser Klasse. Durch eine großzügige Parkanlage mit uraltem Baumbestand geht es zu vier verschiedenen, voneinander abgegrenzten Plätzen, wo man sich seine eigenen 40 qm aussuchen kann, natürlich mit Riesenbankgruppe und der unvermeidlichen Grill- und Feuerstelle. Wir genießen unser Abendessen im Freien und bekommen derweil Besuch von einem Hirsch. Auch auf diesem Platz gehören diese Tiere wohl irgendwie dazu. Sie grasen auf den Grünflächen, zeigen keine Scheu vor den Menschen und schnuppern nur zu gerne mal an den Sachen, die die Zweibeiner so auf dem Tisch liegen lassen. Ich biete ihm da lieber ein paar schnell gerupfte Gräser und bringe zügig unser Geschirr in Sicherheit. Lieber selber spülen als „Wild abschlecken lassen“.

Zu dem Campground gehört noch eine „Marina“ mit Badestrand und Bootsverleih und  - was auch mal wieder toll ist: Freies Internet! Am nächsten Morgen bekommen wir tatsächlich eine Skypeverbindung und treffen glücklicherweise Frauke an. (Übrigens: Wo treibt ihr anderen Skypekollegen euch eigentlich rum, wenn ihr schon nicht online seid??? – Aber gut: Um 19.00 Uhr hat man wahrscheinlich auch anderes zu tun). Jedenfalls bleibt ihr uns nah und auch hier mal: Danke für eure Mails und Gästebucheintragungen.