Olympic National Park Peninsula

Olympic-Peninsula, 20. Juli 2014

 

Als wir Leavenworth verlassen, steht das Thermometer immer noch auf 38 Grad im Schatten und oben in den Bergen wütet seit Tagen ein Feuer, das bereits 400 Hektar Wald vernichtet hat.TV-Teams sind vor Ort und halten die Welt auf dem Laufenden, denn auch die Hauptverbindung nach Seattle ist gesperrt. So sind auch wir gezwungen eine Umleitung zu nehmen.

Wir erleben wieder einmal eine Überraschung: Keine 100 km weiter westlich verändern sich die Wälder und die Temperatur ist auf angenehme 25 Grad gesunken. Hier lässt das pazifische Klima riesige Hemlocktannen, Sitkafichten, Rotzedern, Douglasien und Ahorn gedeihen und bedeckt die Böden mit Moosen, mannshohen Farnen und Sträuchern.

 

 

 

Hier in diesen verwunschenen Wäldern finden wir für ein paar Tage unsere Campgrounds, bevor wir am 20. Juli auf der Olympic-Peninsula bei Seattle die Pazifikküste erreichen.; Für uns ein Grund innezuhalten, denn wen und was haben wir bisher alles erlebt und gesehen; darunter die Kontakte zu den unterschiedlichsten Menschen und so viele überraschende, wunderbar - erstaunliche und manchmal auch anstrengende Situationen, und wir haben „Coast to Coast“ 13600 km zurückgelegt, die unser „Blaubär“ ganz brav gemeistert hat.

Ihn und das Nummernschild kann allerdings in Seattle ein Polizist nicht einordnen und stoppt uns. Uns wird schon ein wenig mulmig, als wir auf dem Randstreifen des Highway anhalten, und wir überlegen schnell, welchen Fehler wir gemacht haben. Da tritt auch der Officer auf der Beifahrerseite an unser Auto und fragt, was es mit unserem Nummernschild auf sich hat. Wir erklären, dass wir das Auto aus Deutschland mitgebracht haben und es mit dieser Nummer hier versichert ist. Es stellt sich heraus, er hielt uns für amerikanische Einwohner, die illegal mit ihrem deutschen Nummernschild hier herumkurven. Doch nachdem wir das Missverständnis aufgeklärt haben, muss der Officer lachen und auch seine Welt ist wieder in Ordnung. Er erlaubt uns ein Foto von ihn als Erinnerung an diese Episode aufzunehmen. Mit den besten Wünschen für eine sichere Reise entlässt er uns wieder auf den Highway.

Ab jetzt heißt die Devise nicht mehr „Go West“, denn es geht langsam in den Süden.

 Doch zuerst schauen wir uns diese Halbinsel mit ihren Naturparks ein wenig genauer an: In der Mitte erheben sich die schneebedeckten und bewaldeten Hänge der Olympic-Mountains mit ihrem spezifischen Bewuchs und an den Küsten treibt der Pazifik nicht nur seine Wellen, sondern auch die für uns ungewohnten Nebelschwaden an Land. Spektakulär und fast unglaublich wirkt das Ganze bei klarem blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein; da steigen die „Wolken“ förmlich aus dem Meer.

 

 

 

Im Innern der Halbinsel hat dieses spezielle Klima einen Regenwald gebildet, der uns mit seinem uralten Baumriesen, z.T. völlig bemoosten Ästen und Stämmen und glasklaren Bächen in einen Märchenwald versetzt. Mit Durchmessern von bis zu 2 Metern und Höhen bis an die 60 Meter verwandeln uns die Baumriesen in Zwerge, die staunend dieses zauberhafte Gelände durchstreifen.

 

  

 

 

   

  

Aber auch die Küste hier hat ihre Besonderheiten: Nahe einem Indianerreservat bei La Push hat der Fluss in vielen Jahren eine gewaltige Menge an Urwaldriesen bis ans Meer gespült. Das Meer wiederum hat mit den Stämmen gespielt, sie angenommen und an das Ufer zurückgeworfen und das so oft und so lange, bis irgendwann ein meterhoher Wall gestapelt war. Auf diese Art entstand so ein natürlicher Überflutungsschutz für das Hinterland und außerdem ein toller Abenteuerspielplatz für Groß und Klein. Wir verbringen hier einige Tage mit langen Strandspaziergängen, üben uns auf diesem Hindernisparcours und beobachten Weißkopfseeadler, Pelikane und Kormorane.

 

  

   

 

 

 

  

 
 

 

 

 

An der Küste weiter südlich, kurz vor Astoria, stoppen wir an der Mündung des Columbia-River an einer früheren Besiedlungsstelle der Chinookindianer (heute McGowan genannt). Über Jahrtausende lebten sie in ihrer eigenen Welt am Lauf des Columbiariver und ernährten sich vorwiegend vom Lachsfang. Die Lewis und Clark-Expedition überwinterte 1805-06 bei ihnen. In den folgenden 30 Jahren starben aber viele Indianer - verschiedene, von den Weißen eingeschleppte, Infektionskrankheiten dezimierten ganze Stämme auf 10 Prozent ihrer ursprünglichen Größe. Später folgten amerikanische Siedler über den Oregontrail und errichteten im großen Stil eine Fischindustrie, bis sich das Ende ihrer Existenzgrundlage ankündigte: Durch Überfischung blieben die Lachsströme aus. Und so kam es, dass in den 80 Jahren von der Gründung bis zum Verfall eine Stadt existierte, von der heute nur noch eine Kirche und Gedenktafeln zeugen.

Kilometerlange Brücken führen uns über den Columbia-River in das von Jakob Astor gegründete Städtchen Astoria. Hier weht nicht nur die Meeresluft, sondern auch ein Hauch der Gründerzeit durch die Straßen. Das legendäre Hotel überragt schon von weitem alte Läden, Restaurants und Kneipen, und im Hafen liegt ein Schaufelraddampfer vor Anker.

 Wir nutzen diesen Ort aber zunächst für ganz profane Dinge wie – Wäschewaschen (wieder mal mit Free-WiFi) und der ersten Handwäsche für „Käptn Blaubär“ um ihn endlich vom wochenalten Staub zu befreien.

Weil wir an diesem Wochenende keinen Campingplatz mehr gefunden haben, übernachten wir vor einem Safeway-Supermarkt, der extra hierfür ein paar separate Plätze zur Verfügung stellt. Mit Blick auf den Fluß und unweit der Promenade lässt es sich gut aushalten und wir können von hier aus die Stadt und die Molen mit den Seelöwen erkunden.

 Am Sonntagmorgen bummeln wir über den Markt mit all seinen bunten Angeboten und besuchen anschließend das Winterquartier von Lewis und Clark – Fort Clatsop. Dauerregen und der nahende Winter setzten der rund 30-köpfige Expeditionsmannschaft  arg zu und so errichteten sie in nur 30 Tagen diese Blockhäuser, die wir heute allerdings als naturgetreue Nachbauten vorfinden.

Am Montag streifen wir weiter die Küste entlang, die jetzt zu Oregon gehört und landen am Nachmittag in einem kleinen, unscheinbaren Fischerdorf mit dem Namen „Rockaway-Beach“. Ein kleiner RV-Platz sagt uns spontan zu und so bleiben wir für die nächsten Tage hier.