Virginia City - Montana

20. Juni 2014 (Fraukes Geburtstag!)  -  Bozeman bis Virginia City, Montana

 

Seit einigen Tagen gibt die Wasserpumpe unserer Womo-Versorgung nur unter erbarmungswürdigem Geschrei ihr Wasser heraus. Gustavs Versuche möglichen Verunreinigungen auf die Spur zu kommen bzw. diese zu beseitigen schlagen fehl aufgrund der kompakten Bauweise. So beschließen wir heute einen Trip in die nächstgrößere Stadt (100 km) nach Bozeman zu unternehmen. Hier erstehen wir eine neue Wasserpumpe, die Gustav zu einem späteren Zeitpunkt einbauen will. Nach einigen Besorgungen ist der Tag schon wieder rum und es wird Zeit für ein Quartier. Im Ort selber gibt es nur einen RV-Park direkt an der Autobahn (!!!) und weil wir uns dieser akustischen Folter nicht aussetzen wollen, fahren wir einen kleinen Platz 20 km süd-westlich an. Doch dann erst mal ein Schrecken: Es ist 18.00 Uhr und dieser angeblich einzige Platz mitten in der Einöde  -  ist voll! Wir können es kaum glauben, in Anbetracht der freien Wiese, die mindestens 70 % des Campground ausmacht. Aber der Camphost weiß um einen weiteren Platz in der Nähe und siehe da: Hier finden nicht nur wir, sondern auch noch weitere Spätankömmlinge eine Übernachtungserlaubnis.

Am nächsten Morgen unter der Dusche ist – oh Wunder – unsere Wasserpumpe plötzlich wieder ganz friedlich und leise und gibt ohne Mucken wieder eine ordentliche Ladung Wasser von sich. Super! Die Arbeit mit dem Umbau bleibt uns also erst mal erspart und wir haben nun eine zweite Pumpe auf Vorrat.

Gut gelaunt fahren wir weiter in südwestliche Richtung  und machen für zwei Tage in Ennis Station. Von hier aus starten wir zu einem Besuch einer Westernstadt des 19. Jahrhunderts: Virginia City. Hier ist alles entweder original oder originalgetreu restauriert: Die Holzhäuser mit ihren hohen Fassaden, hinter der man jeden Augenblick einen versteckten Cowboy mit gezücktem Revolver vermutet; Die überdachten, hölzernen Bürgersteige über die Herren galant ihre Damen am Arm an den Auslagen der Geschäfte vorbeiflanierten; Ein Saloon, typische Schwingtüren führen ins Innere und geben den Blick frei auf einen mit dunklen Hölzern verkleideten Raum. Die Wände dekoriert mit alten Gemälden und den Köpfen von Hirsch, Elch, Bison und Bär. Eine Regalwand hinter der Bar ist gut bestückt mit allerhand Hochprozentigem, das der Besucher auch heute noch dort serviert bekommt oder an einem der Rundtische mit ihren urigen Armlehnstühlen genießen kann.

 

Nebenan wartet ein altes Kino mit typischen Schwarz-Weiß-Filmen auf seine Kundschaft. Gegenüber ein Gemischtwarenladen (für die die es noch kennen, wie aus: Unsere kleine Farm). Hier sieht es so aus, als wäre der Kaufmann nur grad mal kurz im Lager verschwunden. Es ist alles da, zumindest rein optisch: Teekisten, Kaffeesäcke, Mehlsäcke, Holzfässer und tausenderlei an Gläsern, Dosen, Schubläden für die Dinge des täglichen Bedarfs, und ein zweiter Tresen, hinter dem sich Non-Food-Artikel wie Wäsche, Stoffballen, aber auch Geschirr, Töpfe und Besteck befinden.

Des Weiteren gibt es das Haus eines Arztes, die Bank, in der die im örtlichen Fluss gefundenen Goldnuggets eingereicht wurden, eine Sattlerei, eine Stellmacherei und eine Druckerei. Kirche und Gerichtsgebäude sind bis heute im normalen Betrieb. Man fühlt sich beinahe vollkommen in die Zeit des Wilden Westens versetzt, beinahe – denn vor den Geschäften und Saloons sieht man nun statt der angeleinten Pferde die „komprimierten Pferde“ der heutigen Cowboys.

 

 

 

Aber nichts desto trotz: Virginia City ist einen Besuch mehr als wert und bleibt uns als weiteres Highlight in Erinnerung.