Wilderness-Gateway - Browning

8. Juli 2014, Wilderness-Gateway bis Browning, oder: „Die Indianer sind unter uns!“

Auch diese Etappe bleibt weiterhin heiß und die Vegetation dem Klima entsprechend. Die Strecke über Lewiston (Idaho) mit seinen kahlen, trockenen Höhen die das Sonnenlicht stark reflektieren, fordert uns kräftemäßig einiges ab. Als wir anderntags das „Wilderness-Gateway“ bei Lowell erreichen, fühlen wir uns  - mal wieder – von der Wüste in die Oase versetzt.

Dieser National-Forest-Park liegt mehrere Autostunden von bewohnten Gebieten entfernt am Lochsa-River. Tief hat der Fluss sein Bett in die bewaldeten Hänge gegraben und bietet nun Naturliebhabern, Abenteurern und Wildwasserfreunden ein großzügiges Areal für ungestörte Erkundungstouren. Ein Campground ist der Ausgangpunkt für selbstorganisierte Kanu- und Trekkingtouren und das für uns Besondere: Hier findet sich ein separater Bereich, in dem Reisende mit Reit- und Packtieren campieren. Da gibt es nicht nur frisches Heu, Gras sowieso, sondern auch Tränken, Aufstiegshilfen und mehrere Balken zum Anbinden; Das alles aufgeteilt auf mehrere Parzellen, die dann natürlich wieder Platz für Zelt, die rustikale Sitzgruppe und einen Feuerplatz bieten. Wer von hier aus nun tagelang über Indianerpfade in die Berge und Wälder entschwinden möchte, wird gebeten am Kontrollposten seine Daten -  wie Zeit und geplante Route – zu hinterlegen. Hier ist die Wildnis halt tatsächlich noch wild und birgt diverse Risiken. Ohne Muli und Packpferd begnügen wir beide uns mit den kürzeren Pfaden, die grad nach der vielen Fahrerei doch sehr reizvoll sind.

Vier Tage und Nächte lassen wir unsere Seele auf diesem Naturplatz baumeln um uns dann am Samstagmorgen in Browning (Montana) ins Getümmel zu stürzen: Hier ist an diesem Wochenende ein „Pow Wow“ angesagt, ein Treffen sämtlicher Indianerstämme Nordamerikas.

Der Highway führt über einen versteppten Hang hinunter und so fallen einem schon von weitem die weißen Tipis am Ortsrand ins Auge. Hier gibt es anscheinend keine Regeln wer, wo parkt, also stellen wir uns einfach zu den Pickups die in der Nähe vom Blackfeet-Center stehen und schließen uns einfach der Menge an, die Richtung Hauptstraße strebt. Dies erweist sich als gute Idee, denn die Straße ist bereits von vielen „Natives“ gesäumt. Die Leute haben es sich auf mitgebrachtem Campinggestühl, auf den Bordsteinkanten oder  - ganz luxuriös – in ihren klimatisierten Fahrzeugen bequem gemacht, während wir derweil ein wenig Schatten an einem Taccoimbiss finden. Gemeinsam „harren wir der Dinge die da kommen sollen“.

Etwa eine halbe Stunde später gibt ein Signal den Umzug frei, der von den jeweiligen Stammesältesten in ihrem prachtvollen Häuptlingsornat angeführt wird.

        

Nun folgen bunt geschmückte Themenfahrzeuge, die die Lebensbereiche der Natives von heute darstellen, oder witzige Teilnehmer zu Fuß und in kleinen Rennwagen, die Süßigkeiten in die Menge werfen. Dazwischen immer wieder besonders eindrucksvoll  - Indianer die hoch zu Ross, meist ohne Sattel stolz ihren jeweiligen Stamm in der entsprechenden Aufmachung präsentieren. Oldtimerfahrer, Elvisfans, Cowboys, ein Trupp junger Rodeoreiter ergänzen den Zug und zwischendrin sorgen Country-und Western-Bands für Unterhaltung.

 

 

 

 

 

 

 

 

Etwa zwei Stunden später beschließen Polizeiwagen das Ende des Umzugs und geben die Straße wieder für den Verkehr frei und wir begeben uns mit der Menge in Richtung Zeltplatz.

Die Tipis stehen rings um einen runden Versammlungsplatz mit überdachten Tribünen und Wänden aus Holz, der wiederum von einem schattenspendenden Zelt mit Tischen und Bänken für jedermann, von Verkaufsständen für Handwerkskunst, Imbiss-, Eis- und Getränkebuden umgeben ist. Eine Schlange hat sich ausgerechnet vor einem Thaiimbiss gebildet. Also muss der gut sein und wir stehen mal mit an., na gut –  Gustav 20 Minuten und ich nur 2 Minuten, denn diese hübschen Kunsthandwerke locken ja auch so sehr. Mein Schatz lockt mich mit einem verführerisch duftenden Teller von dem Budenzauber fort in die Arena. Dort stärken wir uns an dem tatsächlich leckeren Essen und beobachten, wie sich um uns herum die Sitzreihen füllen. Es sind überwiegend Natives, die die Zuschauertribünen besetzen. Wir erleben ganze Familien, vom Baby bis zu den Großeltern die in der Festkleidung ihres Stammes teilnehmen und hier gut gelaunt ein Wiedersehen mit Verwandten, Freunden und Bekannten feiern. Die Kleinen turnen zwischen den offenen Rängen herum, junge Mädchen schmücken sich nach traditioneller Art mit Bändern, Federn, Ketten und bestickten Tüchern unter den wohlwollenden Blicken von Mutter und Großmutter; Ein Irokesenjunge übt seine Tanzschritte und weiter unten zieht ein Vater sehr liebevoll den gerade wachgewordenen Säugling aus seinem Sitz um ihn zum Stillen an die Mutter weiterzureichen.

Wir sitzen nur wenige Meter vom Eingangsbereich und so bemerken wir nun, dass sich dort gerade eine Menge federgeschmückter Köpfe sammeln. Unter von Trommeln begleiteten Gesängen ziehen die Häuptlinge der anwesenden Stämme ein und werden von der Festleitung vorgestellt und begrüßt. Als nächstes füllen prächtig geschmückte Krieger die Arena und verwandeln mit ihrem wilden Tanz die Fläche in ein einziges, buntes, wogendes Federmeer. Nicht nur wir sind begeistert: Wow, welche Power auf diesem Pow-Wow!

Anschließend verlassen die „Herren der Schöpfung“ die Szene um den Frauen den Platz zu überlassen. Diese sind einfach nur wunderhübsch anzusehen: Mit Stolz tragen viele noch die traditionelle Festkleidung mit ihren üppigen Stickereien aus Glasperlen, Muscheln, Glöckchen und z. T. mit Besätzen aus glänzendem Fell, bunte Mokassin an den Füßen und Bänder im geflochtenen Haar. Die Frauen zeigen einen Tanz, der allerdings ruhiger und mehr in der Art einer Polonaise „über die Bühne geht“, und auch unsere Nachbarin zur Rechten, die extra dafür mit ihrer Familie aus Kanada angereist ist, ist nun dabei. Zum Schluss zeigen die Kinder ihr Können in den alten Tänzen; fröhlich und diszipliniert zugleich beweisen sie Achtung vor ihrer Tradition.

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist bereits früher Abend, als wir – nach einem kurzen Zwischenstopp bei den Trommlern im Nebenzelt – den Festplatz in Browning verlassen. Etwa 40 km weiter, kurz vor dem Eingang zum Glacier-Nationalpark finden wir in St. Mary einen freien Campground.