Yellowstone 1

16.Juni 2014, Yellowstone, Osteingang, 1. Tag – 250 km

Drei Tage und Nächte verbringen wir relaxt auf kleinen Campgrounds hinter Cody, bevor wir uns an die Entdeckung des Yellowstone-Nationalparks machen.

Bei einer Fläche von knapp 900000 qkm und relativ weiten Anfahrtswegen will ein Besuch wohl überlegt sein. Allein von Cody bis zum Osteingang sind es 80 km und auf dieser Stecke gibt es nur vereinzelte Siedlungen und Tankstellen. Aus jeder Himmelsrichtung plus einer weiteren von Nordost führen Zufahrten in das Zentrum des Parks, und ein eigens dafür gebauter Rundkurs leitet die Besucher zu den Highlights. Leider kann die Infrastruktur mit dem Besucheraufkommen nicht Schritt halten, denn es gibt an den besonderen Aussichtspunkten viel zu wenig Parkplätze und die wenigen Campingplätze sind meist am Mittag schon ausgebucht. Wir waren vorgewarnt, dass der Yellowstone zu jeder Zeit und Witterung „very busy“ sei und dass ohne Voranmeldung „nichts ginge“. Aber da wir solcherart Festlegungen hassen, versuchen wir es beim nächsten zentralgelegenen CP – und – haben Glück: Wir bekommen für eine Nacht den letzten der 270 Plätze! Für knapp 30 Dollar sind wir dabei, stehen wie auf einem Parkplatz eng an eng mit kleinen Zelten und anderen Fahrzeugen unter hohen, dünnen und kargen Kiefern, von denen leise der Regen tropft. Also nach dem Einchecken erst mal nichts wie raus und ab zu den Highlights hier im Canyonland des Yellowstone.

Es sind nur wenige Meilen bis zu den Wasserfällen des Yellowstone-River; Doch am Lower Fall ist der Parkplatz dermaßen überfüllt, dass hier heute nichts mehr zu machen ist. Am nächsten Aussichtspunkt können wir gerade noch einen frei gewordenen Platz bekommen und immerhin einen ersten Eindruck von dieser eigentlich wunderschönen Schlucht gewinnen. Inzwischen traut sich auch die Sonne wieder hervor und verzaubert die wilde, tiefeingegrabene Flusslandschaft mit ihren gelben Felswänden in ein warmes Gemälde. Befestigte Wege erlauben großartige Ausblicke auf den Wasserfall und den weiteren Verlauf des Flusses. Mit einem Rundgang am Rande der Klippen beschließen wir diesen ersten Tag.

 

   

 

Gegen fünf am nächsten Morgen benötigen wir beide unsere Zweitdecke, denn die Temperatur ist auf unter Null gesunken. Ein Blick aus dem Fenster erklärt die frühe Unruhe um uns herum: Es hat geschneit und so mancher Zelter hat weder damit noch mit den Minusgraden gerechnet und so brechen viele etwas früher zu ihren Abenteuern auf. Wir entscheiden uns allerdings lieber für eine Verlängerung der Nachtruhe.

Drei Stunden später gibt es die nächste Überraschung. Da das Sanitärgebäude etwa 300 Meter entfernt ist und die Tröpfelinfanterie auf dem Autodach nicht zu längeren Spaziergängen einlädt, fahren auch wir mit dem Womo zu dem eigens dafür angelegten Parkplatz . Doch welch ein Gedränge! Es scheint als hätten heute alle total viel Lust auf eine heiße Dusche. Wohnmobile aller Art drehen ihre Runden auf der Suche nach einem freien Parkplatz. Wir haben Glück, denn mit unserem Kleinen finden wir noch eine Lücke. Schnell ins Gebäude geeilt und dann ----  ja, das hatten wir auch noch nicht gesehen: Hier stehen die Leute schön nach Männlein und Weiblein sortiert Schlange vor den Duschen. Und über die ganze Szenerie wacht ein Officer in Rangerkleidung und möchte von jedem die Duscherlaubnis sehen, die er dann entwertet. Das ist echt ein „Kracher“! Ich denke: So ähnlich muss es in Zeiten der DDR gewesen sein. Eigentlich hab ich gar keine Lust mehr, möchte lieber in unser eigenes Bad. Doch die Schlange bei den Frauen ist ungewöhnlicherweise nur ein Drittel so lang wie bei den Männern, so dass ich gleich an der Reihe bin. Gustav hat die „Lizenz zum Duschen“ (für Zwei). Yeah! Der Officer streicht zwei aus, will uns aber partout nicht beide durchlassen. Trennung auf amerikanisch und das nach über 30 Jahren Ehe *g*. Gut dann bin ich mal weg! Als ich zehn Minuten später wieder den Vorraum betrete, steht mein Schatz immer noch in Warteposition, aber jetzt sind zehn hinter ihm und nur noch drei davor. Wenn einer eine Reise tut…..

 

 

 

Nach dieser abenteuerlichen Aktion fahren wir raus aus dem Campground auf die nächste Wiese und genießen hier – nun auch wieder bei Sonne  - unser Frühstück. Anschließend zieht es uns in den Nordosten des Parks, denn hier soll man noch Bären beobachten können.

In den 80er Jahren gab es im Yellowstone mehrere verheerende Brände, die den Nadelwaldbestand auf einer Fläche von vielen Hektar vernichtet haben. Ursprüngliche Aufforstungsideen wurden verworfen als man feststellte, dass der Boden recht kurz nach der Katastrophe neue Sämlinge aufwies. Also wurde beschlossen, dieses Territorium sich selbst zu überlassen. Doch die Wachstumsperiode dauert! In diesen Höhen braucht die Natur einiges länger und so sieht man immer noch recht trostlose Hänge mit den Gerippen toter Bäume, an deren Fuß gerade mal mannshohe Tannen und Kiefern stehen. Aber auch schneebedeckte Höhen, Berge, die Almwiesen gleichen, und Täler mit dichtem Buschwerk liegen auf unserer Route. Die Straßen sind zweispurig und sehr gut ausgebaut, doch hier herrscht ein weitaus höheres Verkehrsaufkommen als auf den übrigen Highways und die Geschwindigkeit ist entsprechend herabgesetzt. Das ist auch gut so, denn irgendwer bringt garantiert ganz plötzlich den kompletten Verkehr zum Erliegen, weil ein Bison, ein Hirsch oder (leider sehr selten) ein Bär gesichtet wurde. So auch an diesem Mittag. Vor mir kommt alles zum Stillstand, ebenso der Gegenverkehr. Für uns viel zu früh -   steht schon ein Ranger bereit und scheucht die Schaulustigen weiter. So können wir nur einen Augenblick lang auf 30 Meter Distanz eine Schwarzbärenfamilie wahrnehmen, gerade lange genug, um nicht an eine Illusion zu glauben.

 

Da sind wir aber mal gespannt auf das Lamartal und seine Pelztiere!

Stunden später haben wir in diesem Tal eine Picknickpause eingelegt, es auf ganzer Strecke hin- und zurück durchfahren, sogar zur besten Zeit am frühen Abend , doch von einem weiteren Schwarzbär oder gar Grizzly ( vor denen allenthalben gewarnt wird) keine Spur. Wenn ich nicht aktuelle Fotos von diesen Tieren gesehen hätte, würde ich glauben, es wäre eine grandiose Marketingstrategie der amerikanischen Tourismusindustrie. Wahrscheinlicher ist aber, dass zumindest die Grizzlys in Anbetracht der Menschenmengen die Flucht ergriffen und sich in entlegenere Gebiete zurückgezogen haben.

Wir verlassen Yellowstone für heute über den Nordeingang, bzw. –ausgang und übernachten auf einem kleinen Campground, auf dem sich selbst die Hirsche wohlfühlen , ja gerade die Nähe der Menschen suchen, angeblich weil sie sich hier sicher vor den Wölfen fühlen.

 

Die heutige Tagesetappe: 160 km

 

3. Tag – Nordeingang – Mammouth Hot Springs  -  Noris Geyser Basins  -  Nordeingang –Eagele Creek -  Tagesetappe: 146 km

In Mammouth Hot Springs haben heiße Quellen auf einem parkähnlichen Areal phantasievoll geformte Becken und farbenfrohe Flächen geschaffen. In Kaskaden überwindet das dampfende Wasser mehrere Höhenmeter und bringt dabei ein Bassin nach dem anderen zum Überlaufen . Kilometerlange Holzwege, –stege und -treppen durchziehen das gesamte Gelände und ermöglichen einen sicheren Zugang zu den verschiedenen Quellen. Wir genießen dieses wundersame Naturschauspiel auch hier gemeinsam mit vielen anderen, bis uns zumindest die Hitze von oben (Sonne am Mittag) zu viel wird und wir froh über die Zuflucht in unserem blauen Gefährten sind.

 

 

 

Nach einer Pause fahren wir in das südliche gelegene Norris-Geyser-Basin. Schon von weitem sieht man große Dampfwolken über den Nadelwald gen Himmel ziehen. Vor Ort erwartet uns ein Zauberwald: Gewundene Wege und Stege führen durch dichten Nadelwald auf und ab und geben plötzlich den Blick über ein Tal mit brodelnden Teichen, zischenden Fumarolen und springenden Geysiren frei. Über zwei Stunden durchstreifen wir diese wunderschöne Anlage und fühlen uns immer wieder wie in einen Fantasyfilm versetzt.

 

 

 

Auf der Fahrt Richtung Nordeingang stoppen wir noch einmal am Lower Fall des Yellowstone, wo wir nun, am frühen Abend, recht leicht einen Parkplatz finden. Steile Treppen und Wege führen in Serpentinen einen bewaldeten Steilhang hinunter zur Oberkante des Wasserfalls. Schon auf halber Höhe steigert das Tosen des Flusses die Spannung und dann stehen wir mit Staunen vor dem Abhang, an dem sich der Fluss in die Tiefe stürzt. Klargrüne Wassermassen erhalten im Fallen glitzernde Gischtkronen, sammeln sich im Becken als weiße, brodelnde See und verwandeln sich dann wieder in den ruhig und munter dahinziehenden Fluss – wie zuvor am Oberlauf. Mit wenigen anderen, späten Gästen genießen wir auch hier noch einige Zeit dieses faszinierende Szenario, bevor wir den Park wieder über den Nordeingang verlassen und  eine weitere Nacht in Eagle Creek verbringen.