Abenteuer am Lake Powell - Antelope Canyon

17. September, Lake Powell - Arizona, Antelope-Canyon

Noch voll mit den Eindrücken der größten Schlucht der Welt machen wir uns auf den Weg zum Lake Powell, einem Stausee im Glen-Canyon, der auch vom Colorado gespeist wird. Hier in der Stadt Page hat Gustav einen RV-Platz mit WiFi ausgemacht und wir hoffen nun mal das Beste.

Nach ein paar Zwischenstopps, einem60 km Umweg (Straßensperrung wg. Erdrutsch) und einem Großeinkauf, um unsere Vorräte aufzufrischen, erreichen wir am frühen Abend besagten Platz in Page und – siehe da – er ist voll! Wer hätte das gedacht? Die Schulferien sind überall längst vorbei, es ist Mitte September und tatsächlich noch jede Menge Mietmobile unterwegs.

Nach einigem Hin- und Herdiskutieren, entschließen wir uns, es bei dem 20 km entfernt liegenden Statepark zu versuchen. Wir werden wieder kein Netz haben, aber im Moment ist ein ruhiger Schlafplatz wichtiger.

 

Eine knappe halbe Stunde fahren wir auf das Gelände des Campgrounds. Ein kilometerlange Steppenlandschaft zieht sich an einem Hang hinunter, durchzogen von fächerförmigen Fahrspuren bis zu der langen Reihe von Wohnmobilen dort unten am Ufer des Sees. Mann, sieht das verlockend aus, am Ende eines so heißen Tages! – Nichts Böses ahnend verlassen wir die obere Ebene und begeben uns auf eine der Schotterpisten. Doch – oh Schreck – eh wir es uns versehen, hat die Straße uns verlassen (nicht umgekehrt!), kein Schotter mehr zu sehen, nur ein Haufen Sand, zwar fein – aber eben verhängnisvoll: Wir stecken fest und das sowas von….! Der Motor ist aus, „Käptn Blaubär“ ist richtig ausgeknockt. Die Dämmerung bricht herein und ich hab schon die schlimmsten Befürchtungen, seh uns schon in dieser „abgefahrenen“ Hanglage nächtigen. Doch Gustav ist schon raus und kommt Minuten später mit Hilfe in Form eines Geländewagenfahrers zurück. Dem scheint die ganze Aktion noch Spaß zu machen, berichtet er doch von unzähligen Wohnmobilen, besonders deutschen, die er hier aus dem Sand gezogen hätte. (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!). Im Nu hat er ein Abschleppseil an unserem Haken und zieht uns – nicht ganz so leicht wie er gedacht hat–auf festen Boden. Das Seil wird ausgeklinkt und wir bedanken uns   von Herzen erleichtert und mit zwei „Lincoln“. Doch er besteht darauf, uns bis zum Ufer hinunter zu lotsen. Das erweist sich als die sichere Lösung, denn den Zickzack-Kurs an Wegen, den er einschlägt, hätten wir nie alleine gefunden.

Am Ufer gesellen wir uns zu den anderen Womos und sind jetzt jedoch nicht mehr ganz so erpicht auf diesen Stellplatz. Das Unbehagen bleibt, wie wir anderntags alleine aus diesem Treibsandareal herausfinden sollen.

Am nächsten Morgen beobachten wir nach dem Frühstück, wie ein PKW ohne Allrad sich suchend hin- und her am Strand entlang bewegt, einen Weg riskiert um kurz danach wieder umzudrehen. Na, das kann ja noch was werden! – Wir machen es ähnlich, kommen aber auch nicht weiter. Doch dann sehen wir, wie ein großes Womo einem Pickup ohne zu zögern folgt, sich in unsere Richtung wendet. Wir beschließen uns dran zu hängen. Und – wow – es klappt. Im Eiltempo sind wir durch das Wegelabyrinth bis nach oben gelangt und werden von einigen Beobachtern mit Applaus empfangen.

Unerklärlich bleibt uns allerdings, warum es in diesem Statepark keinerlei Warnschilder, oder Wegmarkierungen gibt, die die Besucher vor so einem Desaster bewahren, während andernorts solche Hinweise oft im überzogenen Maße vorhanden sind.

Wir planen diesen Tag hier oben nun erst einmal zur Erholung und fahren nur noch mal nach Page, um uns über den Besuch des Antelope-Canyons zu informieren. Wir hatten schon viel gehört, wie umständlich und zeitraubend dies sein sollte, mit Voranmeldung Tage vorher, und inkludierter Jeeptour (wir könnten nicht selber fahren) – und Preisen um die siebzig Dollar. Alles eigentlich genau das, was für uns gegen einen Besuch spricht. Ein Kanadier hatte uns den Tipp gegeben, uns den Unteren Antelope Canyon anzuschauen. Die Fotos die er dabei hatte, hatten uns magisch in den Bann gezogen.

Im Ort dann die Überraschung: Zum Lower Canyon? Nein keine Voranmeldung, wir könnten einfach vorfahren. Super, dann mal los! Gustav gibt das Ziel ins Navi ein. Kurioserweise sehen wir jede Menge Hinweise auf den Upper Canyon, der wegen seiner Spots wohl der Beliebtere ist. Erst oben an der Abzweigung  zum Upper C. entdecken wir gegenüber ein Schild des Lower Canyon. Auf dem Parkplatz stehen eine ganze Menge PKW und Wohnmobile, in die wir uns nun einreihen. Hier ist Navajo-Gelände und dieser Stamm managt den Besuch der Canyons. So stehen wir denn bald vor einem Holzpavillon, wo uns eine junge Indigena begrüßt: Ja, wir können die Schlucht besuchen, ja heute noch, ja in einer halben Stunde gäbe es die nächste Führung und mit 56 Dollar seien wir zwei dabei.

 

Pünktlich um 12.20 Uhr holt uns ein Navajo-Guide ab, führt uns 1 km zum Eingang der Schlucht und hinein in dieses wundersame, unterirdische Felsenlabyrinth. Über Jahrtausende haben Wind und Wasser diesen Sandstein bearbeitet, ihn zu Spiralen, Wellen, Bögen geformt, die das Sonnenlicht je nach Tageszeit in warme Farben taucht. Wieder ein Kunstwerk der Natur, das seinesgleichen sucht. Wir fühlen uns mal wie auf einem anderen Planeten und dann wieder, als würden wir aus dem Schoß der Erde neu geboren. Dann sind die Farben wie eine gut durchblutete Haut, die Struktur glatt und rund und eine angenehme Wärme umgibt uns.

Wir sind nur mit 13 Personen unterwegs und der Guide lässst uns Zeit für die einzelnen Gänge und Zwischenräume. Er kennt jeden Fotoapparat und nimmt entsprechende Einstellungen vor, die den meisten von uns bisher unbekannt waren. So haben wir Muße und die Möglichkeit diesen ungewöhnlich schönen und besonderen Ort für unsere Erinnerung auch fotografisch festzuhalten.

Nach einer knappen Stunde entsteigen wir wie „Erdgeborene“ dem Schoße dieses Canyons und finden uns in der Realität an der Oberfläche der heißen Felsenwüste wieder. Hier lässt sich wirklich nicht erahnen, welch ein Schatz sich in der Unterwelt verbirgt.

Tief beglückt fahren wir zum Campground am Lake Powell zurück, wo wir nun aber auf der oberen Ebene bleiben.

Als wir anderntags abfahrbereit sind, parkt neben uns ein großes Womo ein, dem ein älteres Paar entsteigt. Die beiden sprechen Gustav und mich an und auf einmal sehen wir uns in ein längeres Gespräch verstrickt. Weil es so heiß ist, meinen die beiden, wir könnten uns besser in ihrem Womo bei ein paar Erfrischungen weiter unterhalten. So lernen wir Richard und Janet kennen, ein Rentnerpaar aus Pensylvania. Die beiden hatten früher eine Farm, in die sie viel Arbeit und Geld investiert hatten, bis es sich nicht mehr rentiert hat. Da haben sie sie verkauft, ein Womo gekauft und pendeln damit zwischen ihren 7 Kindern, die quer durch die USA verteilt wohnen, und den wärmeren Gefilden im Westen hin und her. Janet und Richard sind nicht nur ungemein warmherzig, sondern auch offen, vielseitig interessiert, mit einem enormen Wissenshintergrund. So diskutieren und plaudern wir „über Gott und die Welt“ und merken kaum, wie die Stunden verstreichen. Irgendwann am Nachmittag ist es natürlich zu spät für eine Weiterreise (was wir jetzt nicht bedauern) und nur der Hunger lässt uns mal kurz die Gemeinschaft unterbrechen, die wir am Abend unter dem Sternenhimmel mit der leuchtenden Milchstraße fortsetzen.

Nach einem herzlichen Abschied von Janet und Richard reisen wir am nächsten Tag weiter nach Kanab, wo wir tatsächlich einen freien Platz mit einer schnellen Internetverbindung finden.

Dieser Typ hat das Fahrerhaus unseres Womos erobert, aber nicht für lange - wie ihr seht.