Byway Nr. 12 und Arches

26. September 2014 - Über den Scenic-Byway No. 12 zu den Arches

Der “Scenic-Highway” Nr. 12 führt uns über eine Strecke von 200 km vom Bryce Canyon zum Capitol Reef. Diese Panoramastraße präsentiert uns – wieder einmal – eine Felslandschaft der Extraklasse: Schroffe, steile Felsplatten, als hätte sie ein Riese in den Boden gerammt; cremefarbene Hügel, deren Verlauf wie eingefroren wirkt und an Sahnedekorationen erinnert , oder rotbraune Klötze, Türme - wie Festungen – lassen uns die Urgewalt ihrer Entstehung vor Millionen von Jahren erahnen. Die Dimensionen tun ihr Übriges und vermitteln einen starken Eindruck von Ursprünglichkeit, so daß wir uns ein wenig fühlen, wie zu Beginn der Zeiten.

Hinter Hanksville haben sich die Berge bis zum Horizont zurückgezogen.Erst eine einzelne Felsgruppe in der weiten Ebene weckt unsere Aufmerksamkeit, denn hier finden wir unseren Übernachtungsplatz, den einzigen auf einer Strecke von 40 km. Am nächsten Tag ist Sonntag und allerhand Besucherverkehr unterwegs. Viele halten just an dieser Stelle, um diese besondere Landschaft in Augenschein zu nehmen. Als wir abfahrbereit vor dem Highway stehen, kommt von der gegenüberliegenden Straßenseite ein Paar in mittleren Jahren auf uns zu. Die beiden stellen sich als Schweizer vor, die sehr interessiert an unserer Reisegeschichte sind. Gustav stellt den Motor aus und eh wir es uns versehen, sind wir mit Helen und Ronald (siehe Link) in ein höchst spannendes Gespräch übers individuelle Reisen allgemein und unsere speziellen Erfahrungen verwickelt. Die beiden haben schon die verrücktesten Touren unternommen, waren u. a. schon mit dem Fahrrad in Asien unterwegs, haben alte Autos gekauft und damit die Staaten, Lateinamerika und Australien erkundet. Jetzt sind sie allerdings mit dem Mietwagen (und einer Matratze im Heck) unterwegs, um in 4 Wochen die für sie schönsten Flecken der USA – hier im Canyonland – erneut zu besuchen. Kaum zu glauben: Aber wir haben tatsächlich vier Stunden miteinander geklönt (natürlich im Womo). Als wir uns dann verabschieden, ist es schon fast 17 Uhr und wenig sinnvoll, die vor uns liegenden 100 Meilen noch in Angriff zu nehmen. So wendet Gustav kurzerhand das Fahrzeug und parkt es erneut hinter den Felsen, die uns auch diesmal wieder eine ruhige Nacht bescheren.

Am Montagnachmittag erreichen wir Moab, den Ausgangsort für den Besuch des Arches-Nationalparks. Hier ist die Campingsituation leider ähnlich unbefriedigend wie im Yellowstone: Im Park selber gibt es 30 km hinter dem Eingang einen einzigen Campground, der viel zu klein und eigentlich immer ausgebucht ist. Aktuell liegen Reservierungen bis zum November vor. So zieht denn auch hier jeden Tag eine Karawane von Fahrzeugen in den Park und am Abend wieder heraus, um sich in der Umgebung von Moab ein Quartier für die Nacht zu suchen. Die Campgrounds hier sind allerdings für uns eine Zumutung: Sie liegen unmittelbar an der Straße, keine 2 Meter vom Fahrbahnrand, haben allesamt kein Frischwasser am Platz und für die Zelter gibt es „Open-Air-Plumps-Klo`s“ (bei Regen den Schirm nicht vergessen…). Für 15,- Dollar ist man dabei. – Wir nicht! 15 Meilen außerhalb finden wir ein ruhiges Plätzchen für unseren „Blaubär“ und für uns.

Im Park treffen wir anderntags wieder auf Roland und Esther, die uns hier schon erwartet haben. Gemeinsam erkunden wir in den nächsten Tagen die großartige Landschaft der Arches.  Dieser Nationalpark rangiert nach dem Grand Canyon gleich an zweiter Stelle unserer persönlichen Beliebtheitsskala. Die grandiosen Bögen faszinieren zu jeder Tageszeit in anderen Rot- und Gelbtönen, der blaue Himmel bringt die Farben zum Leuchten und ihre augengleichen Öffnungen lenken unseren Blick auf die dahinterliegende Szenerie. Einige besondere Bögen wollen z. T. regelrecht erobert werden; wir klettern über Felsen und schmale Höhenwege, zwängen uns durch Spalten und niedrige Überhänge, um am Ende mal wieder staunend vor einem dieser Naturwunder zu stehen. Zwischen drei und fünf Stunden dauern diese Tagestouren, am Abend spüren wir unsere Beine  - und gehen, wie seinerzeit John Wayne nach einem langen Ritt; aber: Das war es mehr als wert!