Gila Cliffs bis Lake Mead

31. Oktober 2014  - Von Gila Cliffs bis zum Lake Mead

Es dauert alles, bis sich wieder eine gewisse Grundsicherheit im Fahren einstellt. Es ist, als könnte ich dem „Frieden“ noch nicht so ganz trauen, so als müsste ich jeden Augenblick mit einem neuen Desaster unseres „Käptns“ rechnen. Jetzt fährt Gustav die meiste Zeit und ich versuche mich als Beifahrerin zu entspannen, obwohl meine Ohren immer noch in Alarmbereitschaft sind, jedes „seltsame“ Geräusch sofort zu vermelden und zu analysieren. Aber es geht vorwärts, denn die Landschaft zieht mich doch unweigerlich wieder in seinen Bann, weitet den Blick – und das nicht nur äußerlich.

Vom Petrified Forest geht es 200 km weiter südöstlich in Richtung New Mexiko. Hier führt uns eine kurvenreiche Bergstrecke – wir brauchen zwei Stunden für 40 km – zu den Gila Cliffs, den Überresten einer alten Indianersiedlung. Hier hat unter anderem der berühmte Apachenhäuptling Geronimo eine Zeitlang seine Zuflucht gefunden, bevor auch er deportiert wurde: Er hat seine Heimat nie wiedergesehen, denn er starb im weit entfernten und fremden Florida. In Gila Cliffs erinnert heute nur noch eine Gedenktafel an ihn, doch die Geschichten und Erzählungen über ihn erhalten ihn für die Nachwelt lebendig.

Ganz in der Nähe gibt es mehrere Hot Springs und einige ruhige Campgrounds für „nothing“, die wir wiederum mit nur einer Handvoll Gleichgesinnter teilen.

Von dieser grünen Berglandschaft führt unser Weg über den Apachenpass in Richtung Tucson, Arizona, zum Saguaro Nationalpark. Unter dem klimatischen Einfluss des Golfs von Kalifornien und des Pazifiks gedeihen hier die baumhohen Riesenkakteen, die mit ihren kandelabergleichen Armen schon so manchem Regisseur als Hintergrund diverser Western gedient haben. Wir freuen uns aber zunächst einmal über diese so besondere Vegetation mit ihren sehr individuellen Formen, die sich zudem über eine Fläche von tausenden Quadratkilometern ausgebreitet hat. Siebzig Jahre alt muss so ein Saguaro werden, bevor sich ein erster Armansatz entwickeln kann. So ertappen wir uns des Öfteren dabei, das Alter einzelner Bäume zu schätzen. Hier stehen immerhin einige „Hundertjährige“ gemütlich zusammen. Zwischendurch wachsen kleinere „Familienangehörige“ der Saguaro; Kakteen, die im Kleinformat unsere Fensterbänke zieren, finden wir hier gleich buschweise und auch schon mal mannshoch. Die Natur hat hier einen wunderschönen Park hervorgebracht, der uns in seiner Einzigartigkeit und Größe einfach nur verzaubert.

Zwei Tagesetappen später sind wir an Phoenix vorbeigezogen, haben einen Flugzeugschrottplatz in der Wüste und die ersten Baumwollfelder in dieser Region entdeckt. Die Saguaros begleiten uns noch eine ganze Weile, bekommen auch noch mal Gesellschaft von den Yucca, bevor die Wüste karger und bis kurz vor Las Vegas steinig wird.

 

Am Lake Mead schlagen wir für ein paar Tage unser „Lager auf“.