Happy End und Neustart in Payson

Payson, Arizona, 27. Oktober 2014

Das Warten und die verbleibende Unsicherheit über den Ausgang unserer Panne zerren an unseren Nerven; weniger bei Gustav als bei mir. Wir versuchen uns abzulenken, aber ein unterschwelliger Druck läßt sich einfach nur schwer ausblenden.

Am Tag nach der niederschmetternden Absage überraschen uns die beiden Verwalterpaare mit einer Einladung zum Barbecue. Sie meinen, wenn sie uns schon nicht bei der Reparatur unseres Womos helfen können, dann wollen sie uns wenigstens auf menschlicher Ebene unterstützen.  - Als wenn sie das nicht ohnehin schon täten! – Uns fehlen die Worte. Wir sind einfach zutiefst berührt von soviel Anteilnahme.

Am Samstagabend besorgen wir uns ein paar Flaschen Wein, Käse und frische Trauben und begeben uns damit auf den gemütlichen Stellplatz zwischen den Mobilen der beiden Paare. Die Dämmerung bricht langsam herein, es ist herrlich mild, in einem variablen Feuerkorb brennt ein Feuer und Mike empfängt uns mit einem Drink. Die anderen kommen beladen mit frischen Salaten und feinem Grillgut dazu. Wir ziehen uns die Stühle rings um das Feuer heran und während die Steaks langsam ihr köstliches Aroma verströmen, finden wir uns unversehens in einer wunderbar entspannten Unterhaltung wieder. Jeder hat irgendwie Geschichten aus seinem Leben zu erzählen, mal ernst, mal lustig, manchmal auch traurig - und so lernen wir einander ein wenig näher kennen – und schätzen.

Melody weiß zudem einige Anekdoten über John Wayne zu berichten: Ihr Vater hat seinerzeit als Mechaniker für ihn gearbeitet und erlebte ihn hautnah, jedoch als außerordentlich hilfsbereiten und umsichtigen Mitmenschen. Melody selber ist früher Rennen gefahren – und zwar der besonderen Art: Mit umfunktionierten, getunten Rasenmähern sind sie von einem Rennen zum nächsten quer durch die Staaten gereist. Man merkt ihr heute noch die Begeisterung an, wenn sie mit leuchten Augen sagt, sie sei ein „Speedjunkie“ gewesen. Ich jedenfalls kann das gut nachvollziehen!

So verbringen wir einige Stunden und merken gar nicht wie die Zeit vergeht. Als der Abend sich dem Ende neigt, verabschieden wir uns von vier unverhofft lieb gewonnenen Menschen.

Am Montagmorgen hat uns der Wecker um sechs in der Früh aus dem (Halb-) Schlaf geweckt. Heute ist der große Tag, heute entscheidet sich, ob wir unsere Freiheit zurück erhalten. Pünktlich um halb acht zieht der Abschleppdienst unseren Master huckepack und bringt uns drei zu Conor in die Werkstatt. Hier werden wir auch schon erwartet. Dann geht alles ganz schnell: Kaum ist unser Womo unten, wird er schon auf die Bühne gebracht und die ersten Schrauben gelöst. Conor glaubt, dass er für die Reparatur sieben Stunden braucht und das Fahrzeug etwa um 15.00 Uhr fertig sein sollte. Wir bedanken uns und ziehen mit dieser Information unserer Wege. Jetzt haben wir gaanz viiel Zeit, das unbekannte Payson zu erkunden!

Wir vertrödeln zwei Stunden in der kleinen Parkanlage und machen dabei die Bekanntschaft eines netten älteren Herren, der uns aus seinem Leben erzählt. Anschließend begeben wir uns den Hang hinauf zur Stadtbücherei. Hier verweilen wir drei Stunden mit Lesen und Surfen im Netz. Um ein Uhr wird draußen auf einer Bank gepicknickt, ja -dann brauchen wir natürlich Bewegung und steuern extra umständlich den Walmart an. Zurück geht es über eine neu entdeckte wilde Hügellandschaft, vorbei an der Highschool (der Gustav nun nichts mehr abgewinnen kann) bis in ein hübsches Neubaugebiet. Hier stehen stilvolle Häuser aus Holz und Stein und vor einem führt gerade eine Frau ihren Labrador spazieren. Sie will uns schon im Voraus beruhigen ob der Friedfertigkeit des Tieres, als wir ihr zu verstehen geben, das wir nicht besorgt, sondern interessiert geschaut haben, weil wir schon einmal einen ähnlichen Hund hatten. So kommen wir ins Gespräch und sie möchte uns unbedingt noch jemanden aus Deutschland vorstellen, der auf Rente ist und jetzt wieder zurück möchte. Doch der Landsmann ist nicht daheim. Stattdessen taucht ein anderer Nachbar auf, der sich unserer Runde anschließt und uns einiges nie zuvor Gehörte aus der Zeit der Indianerkriege erzählt. Aber auch das Leben hier in den Staaten mit allen seinen Sonnen- und Schattenseiten kommt zur Sprache und wir sind überrascht, wie offen hier mit diesen problematischen  Themen umgegangen wird. So merken wir kaum, wie die Zeit vergeht und stellen mit einem Mal fest, das wir schon eine knappe halbe Stunde über der mit Conor vereinbarten Zeit sind.

Wir eilen schnell den Hang hinunter, erreichen kurz vor vier die Werkstatt und ---- entdecken unseren Master immer noch aufgebockt. Bei mir schnellt der Stresslevel erst mal rapide hoch. Was ist passiert? Noch ein Worst Case? – Doch der Mechaniker beruhigt, meint er wäre bis um fünf fertig. Gustav geht ins Büro und erfährt den Grund für die zweistündige Verzögerung: Das von Conor bestellte Schwungrad war nicht in der Lieferung und das vorhandene konnte ohne vorherige Reinigung nicht eingebaut werden. Dafür wurde das alte Schwungrad zu einer professionellen Servicestelle gebracht. Sonst ist alles in bester Ordnung.  - Oh Mann! – Wir sind sowas von erleichtert!

Dabei erfahren wir, dass Mike mit seinem Oldtimer schon hier und auf der Suche nach uns in die Stadt gefahren sei. O je!  - Lieber, lieber fürsorglicher Mike! So kommt es, dass die Dame von der Rezeption uns kurzerhand mit ihrem großen Pickup zum Resort hochfährt, wo wir dann auf den Anruf der Werkstatt warten können.

Eine Stunde später fährt Mike Gustav zurück und  - tatsächlich -  kommt kurze Zeit später unser Womo auf eigenen Rädern vorgefahren! Was für ein Gefühl: Nach knapp zwei Wochen des Angebundensein, der Unfreiheit und auch der Ungewissheit kann ich noch gar nicht so recht glauben, was ich da sehe. „Käptn Blaubär“ steht munter brummend vor mir. Diese besondere Reise unseres Lebens ist also noch nicht zu Ende!

Unsere Freunde hier auf dem Berg freuen sich so sehr mit uns, dass sie spontan noch ein zweites, kleines Fest anstiften:  Connie ordert für alle Pizza, wir besorgen den Schampus und dann sitzen wir in gemütlicher Runde um Mikes Neuerrungenschaft, ein wunderbares Lavafeuer, auf dem zu guter Letzt nach bewährter amerikanischer Tradition Marshmellows gegrillt werden. Was für ein Spaß und welch ein süßer Abschluss – und das im doppelten Sinne.   
Unsere Abenteuer gehen weiter, denn es gibt noch soviel zu entdecken in diesem riesigen, phantastischen Land.

 

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Unserer besonderer Dank gilt an dieser Stelle unserem Dream-Team vom RV-Resort: Connie und Dough und Melody und Mike: You have made such an unwanted stay an experience that we do not want miss. Thanks for your Care, your sympathy, your openess and your human warmth. You know: We will never forget you and - let´s stay connected!

Nachtrag: Selbstverständlich haben wir uns am nächsten Tag nochmal bei Conor und seinen Team persönlich bedankt  und ihre Augen mit frischen Donoughts zum Strahlen bringen können. Wir können diese Werkstatt nur weiterempfehlen. Aber bitte trefft unbedingt klare Terminabsprachen, denn sie haben viel zu tun.