Joshua Tree Nationalpark und Route 66

9. September 2014 Joshua Tree NP und Route 66

Es dauert zwei Stunden, bis wir die Randbezirke von Los Angeles hinter uns lassen, die Fahrspuren von zehn auf zwei reduziert sind. Plötzlich liegt wieder eine weite Wüstenebene vor uns und wir lassen uns im Nu von dieser friedlichen Landschaft umfangen. Anbauflächen von Obst, Gemüse und Wein wechseln sich ab mit ursprünglicher Steppenlandschaft, bis am Horizont eine Bergkette auftaucht, die neue Eindrücke verspricht. Und tatsächlich: Im nächsten Tal sehen wir sie zum ersten Mal, die Yucca-Bäume, denen die Mormonen seinerzeit den Namen Joshua Tree gaben, weil sie sich an Josuah in der Wüste erinnert sahen.

 

Für uns ist es einfach nur faszinierend, die bei uns als Topfpflanzen bekannten Yuccas hier baumhoch zu erleben und das nicht nur vereinzelt, sondern gleich mal als kleinen Wald, eingebettet in rotem Felsgelände, ein Déjà-vu mit den Devil Marbels in Australien. Hier hat die Nationalparkverwaltung kleine Campgrounds angelegt, die sich auch noch in diesen Septembertagen großer Beliebtheit erfreuen. Die Felsen lassen sich gut erklimmen und so manch einer genießt von hier aus den Sonnenuntergang. Wir suchen uns hier ein ruhiges Plätzchen im Außenbereich, haben dabei einen meilenweiten Blick über das Parkgelände und werden am Abend gleich zweimal von einem scheuen Kojoten besucht.

An einem Aussichtspunkt bietet sich uns ein weiter Ausblick bis zum berühmten Palm Springs, einer künstlichen Oase in dieser Wüste, in denen reiche Amerikaner ihrem Vergnügen in den  Nobelhotels und über 100 Golfplätzen nachgehen können. Da scheint es doch kein Wunder, dass die Wasservorräte in Kalifornien sich dem Ende zu neigen, oder?

Unweit dieser City sieht man einen Teil des San Andreasgrabens und uns wird ein klein wenig mulmig, wenn wir uns dessen starke tektonische Auswirkungen vergegenwärtigen. Die Erdplatten schieben sich hier übereinander und lösen immer mal wieder Erdbeben aus. Nach Ansicht der Forscher ist ein großes Beben längst überfällig; doch nach unserer Ansicht muss das ja nicht gerade in diesen Wochen sein.

Die Hitze lässt für uns keine großen Wanderungen zu, allerdings lassen wir es uns nicht nehmen, uns an einer ehemaligen Goldmine umzusehen.  Nuggets finden wir leider keine, dafür knuffige alte Rostlauben, in deren große Zeit man sich mühelos zurückversetzen kann.


Drei Tage und Nächte lassen wir uns von dieser Landschaft verzaubern, bevor wir uns im nächsten Ort entschließen, unseren „Käptn“ ein wenig zu verwöhnen: Er hat uns bisher über eine Strecke von 20 000 km die Treue gehalten und verdient nach Gustavs Meinung jetzt mal einen Ölwechsel. Die Werkstatt erweist sich als kompetent und gründlich und so sind wir schon bald wieder auf Achse.

 Wir erleben den seit Monaten ersten Wolkenbruch – und den in der Wüste Arizonas, den heißesten Tag und eine Nacht mit Temperaturen von 36°C um zehn Uhr abends und 26°C um halb sechs in der Frühe. An dem Morgen starten wir also auch früh, besichtigen in Lake Havasu City die London Bridge, die ein spleeniger Amerikaner aus London importiert hat, und treffen zwischen Seligmann und Kingman auf ein Teilstück der Route 66.

Das Museum in Kingman erzählt von der Geschichte dieser berühmten Straße und lässt auch die Dramen nicht aus, die sich Ende der Zwanziger Jahre zur Zeit der großen Stürme unter den Flüchtlingen aus dem Mittleren Westen ereignet haben. Später, in den Fünfzigern gehörte es wie heute zum Lifestyle diese Straße der Sehnsucht zu bereisen. Inzwischen ist es Fun pur und wir sehen eine Menge verrückter Läden, Lokale und Tankstellen entlang dieser Strecke und ebenso viele urige Typen und Fahrzeuge. Der Rummel ist schön, aber bald zieht es uns weiter.

Am frühen Abend erreichen wir so den Eingang zum Grand Canyon.