Monument Valley - Jerome

14. Oktober, östl. von Sedona, Arizona

In der Nähe vom Nationalpark Mesa Verde haben wir drei Nächte frei gestanden. Das Gelände war schön, ruhig, aber auch recht abenteuerlich: Der Starkregen vor einigen Wochen hat Äste und Schlamm die Hänge heruntergezogen und tiefe Furchen und Rinnen auf den Fahrwegen hinterlassen. Die sind zwar inzwischen steintrocken, haben aber dadurch andere Tücken: So kommt es denn, das Gustav am letzten Morgen beim Zurücksetzen „Käptn Blaubär“ mit dem linken Vorderrad unversehens in eine etwa 30 cm tiefe Rinne manövriert und mit einigem Geächze  (bei beiden) wieder hinaus. Einige Zeit später auf der Rüttelpiste bemerken wir immer dann, wenn die Vorderachse sich auf unterschiedlichem Niveau befindet, ein seltsames Klackern auf der Fahrerseite, so als ob bei diesen Unebenheiten etwas aufgeworfen wird. Auf glatter Fahrbahn ist allerdings nichts mehr zu hören und so fahren wir weiter - hundert Meilen bis zum Monument Valley. Hier nimmt uns erst einmal „Marlboro-Country“ gefangen, verzaubert uns mit seiner weiten Landschaft, die die einzelnen Felsmonumente erst recht in Szene setzt. Das Sonnenlicht tut je nach Tageszeit sein Übriges, bringt das rote Gestein zum Leuchten oder entwirft ein Schattentheater und in der Nacht übernimmt der Mond diesen Part, das alles mit Untermalung vom Geheul der Kojoten: Wow!  - Da ist er wieder, dieser Moment, der uns absolut in den Bann zieht!

Wir verbringen die Nacht an der Schlucht des Green River im Gooseneck-Statepark und fahren am nächsten Morgen an die Panoramastraße des Monument Valley, wo wir unser Frühstück im Anblick dieser einmaligen Landschaft genießen.

 

Das ganze Gebiet hier ist Navajo-Land und wird entsprechend autonom verwaltet. Da der Tourismus für die Navajo die wichtigste Einnahmequelle ist (45% von ihnen leben unter dem Armutsniveau), muss hier einiges extra bezahlt werden. Die bekanntesten Felsformationen sind nur von einem besonderen Ausgangspunkt zu sehen. Dazu passiert man eine Zahlstelle, entrichtet 20$, fährt einen Kilometer bis zum Visitorcenter und hat hier einen freien Blick auf die Felsen. Wem das nicht reicht, der kann eine geführte Jeeptour buchen, die ihn in drei Stunden durch das ganze Areal bringt. Wir ziehen es vor, selbstständig zu bleiben und wagen uns die Piste hinunter; aber nicht lange: Nach etwa 300 m auf dieser Strecke mit Hochseefeeling (alles schwankt durch die Löcher), für die wir eine Viertelstunde brauchen, beunruhigt uns erneut das Klacken auf der linken Seite. Wenn wir hier stecken bleiben, das wird teuer. Also kehren wir um und verlassen das Monument Valley in Richtung nächst größeren Ort, in der Hoffnung auf eine Werkstatt.

Im Navajo-Ort - Tuba City – machen wir einen Tankstopp und entdecken dabei in unmittelbarer Nachbarschaft einen Reifendienst. Wir hatten schon zuvor bei einem Walmartservice versucht, die Reifen tauschen zu lassen. Doch das Personal hatte nicht den Mut dazu, weil sie angeblich das Drehmoment der Radschrauben nicht wussten. So unternehmen wir hier nun einen zweiten Versuch; und siehe da: Kein Problem! Als Gustav ihnen was vom inzwischen ermittelten Drehmoment erzählen will, gibt es nur fragende Gesichter, so als würde mein Schatz marsianisch reden. Wir werden nach draußen geschickt und der Monteur hat im Nu die Wagenheber parat, alle vier Reifen runter und entsprechend von vorne nach hinten getauscht. Nur als Gustav hinzukommt, um mal nach den Bremsbelägen zu schauen, wird der Chef „sauer“ und komplimentiert ihn reichlich unfreundlich wieder hinaus. Egal, dann wird das eben später überprüft. So haben wir wenigstens die Reifen rotiert bekommen und sind keine halbe Stunde später wieder auf dem Highway.

Am Sonntagnachmittag erreichen wir Flagstaff und fahren vorsichtshalber auf einen RV-Platz. Hier erkundigen wir uns nach einer guten Werkstatt und können am nächsten Morgen gleich einen Termin bei „Reggie“ wahrnehmen. Von außen eine völlig unauffällige Halle im Gewerbegebiet, birgt diese Werkstatt eine Überraschung der besonderen Art: Als wir die Seitentür öffnen, glauben wir zunächst, wir hätten uns in der Adresse geirrt, denn wir finden uns unversehens in einem mit warmen Farben ausgestatteten Raum wieder, der über und über mit bunten Gebetsfahnen aus Fernost, Wandteppichen und mit allerhand kunstgeschmiedeten Gegenständen wie Spiegeln, Rahmen, und beschlagenen Truhen (wie im Indiana-Jones-Film) dekoriert ist. Es dauert einen Moment, bis wir den Besitzer dieser „Werkstatt“ ausmachen, zumal wir noch durch lautes Krächzen aus einer anderen Ecke abgelenkt werden. Reggie begrüßt uns und stellt uns gleich seinen Papageienzoo vor: Zwei Aras, einen Kakadu und zwei weitere „Schnabeltiere“ leisten ihm beim Schrauben Gesellschaft. Das ist doch mal was anderes! Aber nun hat Reggie erst einmal Zeit für uns und schaut sich unseren „Blaubären“ mal etwas genauer an. Die Federn sind okay, die Lenkung auch, der Blick unten drunter bleibt ohne Ergebnis, genauso wie die Probefahrt über unebenes Gelände. Er vermutet einen Stein in der Kunststoffabdeckung und gibt ansonsten Entwarnung. Na denn: Wir wollen mal hoffen, dass er recht behält. Weil es so interessant bei ihm ist, reden wir noch eine ganze Weile. Reggie hat früher zehn Jahre auf Hawaii gelebt, weil er so gerne gesurft ist. Doch irgendwann war es genug und er hatte Sehnsucht nach der Abwechslung von vier Jahreszeiten und kam aus diesem Grund nach Flagstaff. Mit einem Kumpel (der Künstler) hat er diese Werkstatt eröffnet und repariert alle Arten von Fahrzeugen. Auf dem Hof bewundern wir noch ein paar alte Schätzchen, die wir auch noch aus unserer Jugendzeit kennen. Beim Abschied gibt Reggie uns den Tip nach Jerome zu fahren und dort die „Ghosttown“ zu besuchen. Eigentlich waren wir ja auf den Weg zum Petrified Forest weiter im Osten, aber da wir nun schon mal einen anderen Kurs eingeschlagen haben, können wir genauso gut den Abstecher nach Jerome machen.

Nach einer ruhigen Nacht in der Wildnis geht es also über den Touristenort Sedona weiter nach Süden und in die Berge hoch. Hinter dem Örtchen Jerome kommen wir in das ehemalige Bergbaugebiet, in dem vor allem Kupfer, aber auch schon mal Gold gefunden wurde. Ein paar Förderanlagen und baufällige Holzhäuser zeugen noch von dieser Zeit. Doch die Hauptattraktion ist die riesige Sammlung von alten Fahrzeugen und Maschinen aller Art. Ein wundersamer Schrottplatz in Wildwestmanier. Zwei urige Typen, weit über 80 Jahre alt, halten hier den Laden am Laufen. Sie nehmen vor dem Publikum die alte Sägemühle in Betrieb und lassen auch mal den alten Studebaker-Rennwagen aufheulen. Don ist ein versierter Ingenieur, der diesen Flitzer vor drei Jahren glatt noch in einem Rennen gefahren hat. Ich denke, er wird sicher noch eine Weile so weitermachen, denn dieses ganze Gelände mit all seinen Motoren und den Herausforderungen- scheint ihn einfach fit zu halten.

Wir finden es großartig, dass es solche Typen wie Reggie und Don gibt, denn sie machen das Leben doch um so vieles bunter.