Ein Abstecher nach New Mexico - White Sands und Alamogordo

Sonntag, 7. Juni 2015 – auf BLM-Land vor dem Westeingang vom Capitol Reef

Nun sind wir bereits seit drei Wochen zurück in den Staaten und unsere sensibilisierte Wahrnehmung weiß hier die vielen, ruhigen Plätze zu schätzen: Die ersten zwei Nächte verbringen wir im Patagonia State Park und die nächsten entweder auf BLM-Land, wie in der Nähe von Tucson, oder  auf einfachen Campgrounds,  die gerade in New Mexiko besonders schön sind; für 10 USD gibt es hier sogar eine warme Dusche inklusive.

Nach der vielen Fahrerei freuen sich unsere müden Knochen über etwas Bewegung während  einer Wanderung;  als Ziel dient uns Fort Bowie, das allerdings nur noch an seinen Grundmauern als solches zu erkennen ist. In dieser Region lebten früher Apachen, bis Siedlertrecks auf dem Weg in den Westen auf der Suche nach Wasser hier fündig wurden. Erbitterte Kämpfe forderten Opfer auf beiden Seiten, doch letzten Endes unterlagen die Apachen. Ihrer Existenzgrundlagen beraubt, ergab sich als letzter Häuptling Geronimo und wurde mit den Seinen in ein Reservat nach Florida verbracht.

Ein Besucherzentrum, Schautafeln vor den Ruinen und ein alter Friedhof erzählen von dieser Zeit.

 

Etwa 200 km östlich – nun in New Mexiko – zieht eine geologische Besonderheit unsere Aufmerksamkeit auf sich: „City of Rocks“ sieht aus, als hätte ein Riese in der Einsamkeit der Prärie mit Kieseln gespielt. Auf einer Fläche von etwa zwei Quadratkilometern liegen die rundlichen Felsen locker beieinander und bieten nun den Besuchern einen ganz speziellen Platz zum Campieren.

 

 

 

 

 

Zwei Tage später ziehen wir weiter. In „White Sands“ wartet das nächste Naturwunder. Schneeweiße Dünen aus Gips gaukeln einem eine wunderschöne Winterlandschaft vor  -   wären da nicht die Temperaturen von 27 Grad plus. Irritierend, surreal, wenn Familien mit Kunststoffschlitten die Hänge runtergleiten -  oder  - irgendwo in dieser weißen Welt wie bunte Tupfen ins Auge fallen. Die Fahrwege sind geräumt wie bei uns vom Winterdienst und in der Mitte des Parks laden überdachte Picknickplätze zu einem zünftigen Barbecue ein.

Während Gustav  eine Düne erklimmt, ziehe ich einen dieser Schattenplätze vor – und werde kurz darauf von einer Frau angesprochen: Sie fragt, ob wir wirklich aus Leer kommen. Aber na klar! Es stellt sich heraus, dass sie und ihre Familie aus Reepsholt  sind. Also noch ein paar Butenostfreesen! Wir freuen uns gemeinsam und tauschen uns aus. Ihr Mann, früher als Pilot hier,  arbeitet nun für drei Jahre im Stab bei den deutschen Truppen in Alamogordo.  Etwa 1200 Deutsche leben hier für eine gewisse Zeit und den meisten gefällt es ganz gut. Kein Wunder, das Städtchen hat sich hervorragend auf die Versorgung der Truppen und ihrer Angehörigen eingestellt und im Übrigen sorgen die vielen Sonnentage für gute Laune.

In Alamogordo gibt es aber auch ein Spacecenter. Eine Ausstellung dokumentiert die Anfänge der Raumfahrt bis in die Gegenwart und im Außengelände sehen wir uns Raketen, Raumkapseln und anderen Flugobjekten gegenüber. Ein wenig erstaunt sind wir allerdings, als wir eher zufällig eine Gedenktafel für die drei Astronauten entdecken, die bei dem einem Test zu Tode kamen. Aber diese Geschichte passt wohl nicht zum Heroismus des amerikanischen Verständnisses.

 

 

Wir beschließen den Tag mit einer weiteren Nacht auf dem wunderschönen Oliver Lee Memorial Campground, während über uns  - ungerührt von der Raumfahrt – „der große Wagen“  seine Runden dreht.