Von Alamogordo bis Salt Lake City - 3000 km in drei Wochen

15. Juni 2016 Montpelier, Idaho

Um es einigen besorgten Anfragen vorweg zu nehmen: Uns und unserem „Käptn“ geht es gut!

Wir sind in den letzten Wochen einiges an Strecke gefahren, die aber im Vergleich mit Mexiko weniger ereignisreich oder mit neuen Eindrücken gespickt war, und daher sind unsere Berichte etwas seltener geworden.

Um euch trotzdem an unserem Reiseverlauf teilnehmen zu lassen, bediene ich mich heute mal Gustavs Logbucheintragungen:

Am 26. Mai (Christians Geburtstag!) brechen wir von Alamogordo auf in Richtung Flagstaff.  Auf dieser über 800 km langen Strecke führt unser Weg ….

….durch Tularosa mit seiner frisch renovierten Missionskirche

 

 

 

… und durch die wild zerklüftete Lavalandschaft des „Valley of Fire“.

 

Mit ein wenig Unbehagen durchqueren wir die Wüste New Mexikos, wo seinerzeit die erste Atombombe gezündet wurde, und erreichen wenig später den Rio Grande.

 

 

 

 

Eine Nacht verbringen wir beim „Petrified Forest“. Am nächsten Tag stellen wir beim Tankstopp einen leichten „Plattfuß“, können den aber noch im selben Ort beheben lassen. Weiter geht die Reise zu einem Campground südlich von Flagstaff, wo wir uns mit Melanie, Mike, Connie und Dough (unser so liebenswertes Team aus Payson) treffen. Es wird ein langer Abend, denn es gibt auf beiden Seiten so viel zu erzählen, und am nächsten Morgen fällt nicht nur den vieren der Abschied schwer. Die nächste Nacht verbringen wir am Südosteingang des Grand Canyon, „Desert View“.

 

 

 

29. Mai – 340 Tageskilometer über „Monument Valley“ bis „Gooseneck State Park“.

 

 

  

  

  

Am Sonnabend, den 30. Mai erreichen wir Moab. Hier erwartet uns – wieder einmal – eine Ersatzteillieferung  für unser Womo.  Diese Sendung jedoch hat dankenswerterweise unser Schwager Wolfgang auf den Weg gebracht und das ging „so was von flott“ und unproblematisch: Wir sind total „happy“. Als weitaus mühsamer gestaltet sich die Suche nach einer Werkstatt, die bereit ist das Traggelenk einzubauen: Vier angefragte Werkstätten in Moab haben vorgeblich keine Zeit. Einen mutigen Betrieb mit Zeit und Können finden wir jedoch am 4. Juni in einem kleinen Ort namens Monticello. Und jetzt – nach sechs Monaten und 16 000 Kilometern seit Mesa Verde, einer Rundreise durch Mexiko und vier Werkstattvorführungen – hat es endlich ein Ende mit dem beunruhigenden Klackergeräusch am Fahrwerk.

Vier Nächte verbringen wir auf BLM-Land in der Nähe von Moab, von wo aus wir zu folgenden Unternehmungen starten:

31. Mai – 50 Tageskilometer: Internet und Bummeln in Moab

1. Juni –  156 Tageskilometer: Werkstattanfragen und Wanderung  zum „Double O Arch“

 

 

 

 

2. Juni –  270 Tageskilometer: Cayonlands: „Island in the Sky“

 

 

 

Am  3.Juni ziehen wir 175 km und für zwei Tage weiter nach Monticello, s.o.

 

5. Juni - 62 Tageskilometer: „Natural Bridges“

 

 

 

 

 

 

6./7. Juni  -  225 Tageskilometer: "Glen Canyon" bis „Capitol Reef“

 

 

 

 

 

 

 

8. Juni  -  157 Tageskilometer: Escalante: Pioniermuseum

 Ja und hier erfahren wir nun noch eine besondere Geschichte: Ende des 19. Jahrhunderts brachen 230 Mitglieder der Mormonen nach der Erntezeit auf zu einem Land jenseits des Colorado. Aus der ursprünglich veranschlagten Reisezeit von sechs Wochen wurden sechs Monate; die Familien gerieten in die Winterzeit, hatten zu wenig Nahrung und mussten eine schier aberwitzige Engstelle, genannt „Hole in the Rock“, überwinden. An dieser einzig passierbaren Möglichkeit war der Felsboden so steil, dass Frauen und Kinder nur sitzend in der Lage waren, nach unten zu gelangen. Es gruselt uns noch heute bei der Vorstellung, wie hier die Wagengespanne diesen Abhang meistern mussten. Aber – und das ist das Besondere – die Familien haben alle diese Hindernisse überwunden und das auch noch ohne Verluste. Sie gründeten die Ortschaft „Bluff“, die sich schon wenige Jahre später zu einem ansehnlichen Städtchen entwickelte.

 

 

9./10. Juni  -  270 Kilometer: Bryce Canyon, nun im Frühling

 

 

 

11./12. Juni  -  201 Kilometer: Provo – Neue Reifen bestellt und montiert bekommen

 

 

 

 

13. Juni  - 145 Kilometer: Salt Lake City und „Antelope Island“

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 Samstag ist ein guter Tag für einen Besuch in Utahs Hauptstadt – Salt Lake City: In der Innenstadt ist nur wenig Verkehr und die Parkplätze sind kostenlos verfügbar. So können wir problemlos den Tempelbezirk der Mormonen erkunden und uns ein wenig in der für uns ungewohnten Religionsgemeinschaft umsehen. Die Kirchen und Versammlungsgebäude sind im neugotischen Stil errichtet und sind deswegen für Amerikaner eine Besonderheit. Wir in dieser Hinsicht verwöhnten Europäer können diesen Gebäuden allerdings nichts abgewinnen, mit einer Ausnahme, und das ist das sogenannte Tabernakel: Dieser ovale kuppelförmige  Saal hat eine fantastische Akustik, die ihresgleichen sucht. An der Stirnseite befindet sich eine fünfmanualige Orgel, von deren Klangfülle wir uns in einem halbstündigen Konzert in den Bann ziehen lassen: Solch eine Größe und Bandbreite erleben wir hier zum ersten Mal. Noch ganz erfüllt von diesen Klängen besichtigen wir anschließend den riesigen Konferenzsaal mit Platz für 21000 Gäste. Einmal im Jahr trifft sich hier die inzwischen weltweite Gemeinschaft der Mormonen; im übrigen steht der Saal konventionellen Veranstaltungen zur Verfügung. Während wir uns mit einem Angestellten unterhalten, tritt ein junges Paar hinzu und fragt uns woher wir kommen. Als wir vorsichtig mit „Norddeutschland“ und „nahe der niederländischen Grenze“ antworten, staunen wir nicht wenig, als von unserem Gegenüber  - „wie aus der Pistole geschossen“ : Ostfriesland  - kommt. Unglaublich, bisher wussten nur wenige von der Existenz Norddeutschlands, Hamburgs oder gar Bremens. Und es kommt noch besser: Der junge Mann kennt Greetsiel, schwärmt von Fahrradtouren auf dem Deich und hat noch andere Dörfer in Erinnerung. Er weiß, dass Ostfriesen Teeliebhaber sind, dass die Menschen aus dem Ruhrgebiet hier gerne der guten Luft wegen herkommen und dass alles so friedlich und sauber ist.

Ja, da staunen wir! Wer weiß, vielleicht erreicht Ostfriesland doch noch einen weltbekannten Status; und wenn nicht – ist`s auch nicht schlimm.