Von Salt Lake City nach Lethbridge, Kanada

14.-24. Juni 2015 – Von Salt Lake City nach Lethbridge, Kanada

Als wir von Salt Lake City in Richtung Norden weiterreisen, überrascht uns die Landschaft: War bisher  - wie meist auf diesem Kontinent –  alles groß, weit, hoch oder tief – in den Dimensionen oft unfassbar, entdecken wir nun kleinere Almlandschaften in denen der Gebirgsbach schmale Felsschluchten gegraben hat. Von frühen Pionieren besiedelt und kultiviert, durchfahren wir hier kleine Orte mit wunderbar altem Baumbestand und pittoresken Holzhäusern mit Puppenhausimage. Nicht selten wird das Zentrum von einer Kirche markiert. Man kann sehr gut nachvollziehen, welche lebendige soziale Gemeinschaft hier einmal entstanden ist und zum Teil auch noch besteht. Doch leider sind nur noch wenige dieser Städtchen intakt  und verfügen über eine gesunde Infrastruktur; oft künden reihenweise geschlossene Läden vom Niedergang, und so manche Wohnhäuser sind dem Verfall preisgegeben.

Doch im Übrigen hat uns diese beschauliche Ecke mit seiner Ruhe und den freundlichen Menschen  mal ganz gut getan; eine kleine Unterbrechung unseres von grandiosen Eindrücken gespickten Reisejahres.

Weiter geht es – den  „Bearlake“ entlang, durch den „Teton“ und, da unser Nationalparkausweis  in  diesem Monat noch gültig ist, besuchen wir noch einmal unsere persönlichen Highlights im Yellowstone- Nationalpark.

 

 

 

 

 

 

 

In Nevada City fasziniert uns eine große „Dredge“ – eine Art Schaufelbagger aus der Goldrauschära. Mit solchen Maschinen wurden riesige Flächen regelrecht umgewälzt, um an den geringen Anteil des begehrten Edelmetalls zu gelangen. In der Folge führt  die Hauptstrecke viele Meilen durch wüste Geröllhalden, die aus dieser Zeit übrig blieben.

 

 

„Great Falls“  -  benannt nach den ursprünglich sehr eindrucksvollen Wasserfällen des Missouri, ist eine eher langweilige Industriestadt. Die ehemals großartige Flusslandschaft  hat sich durch den Bau der Staudämme in eine vertrocknete, steinige Ödnis verwandelt, und von den Kaskaden ist nur noch ein spärliches Rinnsal übrig.

 

Es ist inzwischen hochsommerlich warm geworden. Temperaturen von mehr als 38 Grad Celsius wecken in uns den Wunsch nach ein wenig Abkühlung. Die Grenze Kanadas ist nicht weit, ebenso die Nationalparks Banff und Jasper mit ihren Gletschern. Eigentlich wollten wir nicht dort hin, besonders nicht in diesen Sommermonaten, denn im Juli, August  ist hier alles völlig überlaufen,  die Campgrounds sind voll und die Moskitos haben Hochsaison.  „ Aber wir haben ja noch Ende Juni, vielleicht geht`s ja noch?“ Ein aberwitziger Gedanke, der wohl auch nur Langzeitreisenden in den Sinn kommen kann! Doch so entscheiden wir uns am Dienstag, dem 24. Juni, für den kleinen Übergang „Del Bonito“. Bei den Amis ist niemand zu sehen, also fahren wir durch zum kanadischen Checkpoint. Eine sehr nette junge Dame in Uniform begrüßt uns, erkundigt sich nach etwaigen Besitz von Waffen, Alkohol und Tabak; doch unsere zwei Flaschen Wein sind irrelevant. Während wir im Fahrzeug sitzenbleiben sollen, geht sie mit unseren Pässen ins Büro und kommt wenig später mit einem 180-Tage-Visum und allerhand touristischem Karten- und Camping- Infomaterial für uns zurück. Wir sind und fühlen uns „Herzlich Willkommen“.

 

In der Nähe von Fort McLeod finden wir eine „Recreation-Area“, wo wir die nächsten zwei Tage erst einmal die herrliche Ruhe genießen. Bären kommen zwar nicht vorbei, dafür eine Elchkuh mit ihren zwei Kälbern und ein Skunk, der zum Glück genügend Abstand hält. Doch diese Idylle soll nicht lange währen.

 

 

 

 

Am Donnerstag starten wir zum „Großeinkauf“ um unsere Vorräte wieder aufzufüllen -  und  - erfahren so nebenbei, dass am nächsten Mittwoch, der erste Juli und dieser ein Nationalfeiertag in Kanada ist. Oje, da haben wir aber etwas verpasst! – Dies bedeutet nämlich, dass hier für kanadische Familien „Brückentage“ anfallen und es bereits ab diesem Wochenende zu Engpässen in den eh raren Campgrounds kommen kann.

Also alles wieder auf Anfang, bzw. wir kommen auf unseren ursprünglichen Plan zurück, Westkanada ad acta zu legen, und richten uns ostwärts.

In unserem Campingguide finden wir einen Platz in erreichbarer Nähe, doch seltsamerweise sind hier fast nie die Preise aufgeführt. So verbringen wir die Nacht auf einem gut besetzten, recht unruhigen Campingplatz, für den wir (ohne Duschen!) 25 kanadische Dollar zahlen. Um uns herum wird bis um elf Uhr abends Holz gehackt, qualmende Feuer entzündet – „auf Romantik komm raus“ und Kinder spielen fröhlich und lautstark hinter unserem Fahrzeug bis kurz vor Mitternacht. Wir stehen im Schatten der „Cottonwoodbäume“, die mit ihrem klebrigen Flaum unser Womo überziehen, die Solarzellen bekommen kein Licht, der örtliche Stromanschluss funktioniert wieder mal nicht, es ist heiß, der Kühlschrank will kühlen, kann aber nicht, und zu allem Überfluss starten morgens um halb sechs die ersten Flugzeuge vom benachbarten Flugplatz: Uns langt´s! Ein Déjà-vu -  wie zu Beginn unserer Reise: Von zehn kanadischen Campingplätzen war da nur einer gut und das nicht nur im Preis- Leistungsverhältnis.

Wir sind frei, haben noch zehn Tage Zeit in den Staaten und aktuell keine Lust auf weitere Campingabenteuer dieser Art. So sind wir noch am selben Tag: „Back in the USA“.

Der ältere Beamte am US-Grenzübergang in "Wild Horse" macht einen etwas verunsicherten Eindruck, als er feststellt dass wir erst vor fünf Tagen nach Kanada eingereist sind. Doch Verständnis leuchtet auf, als wir ihm die Gründe darlegen. Er will wissen, ob wir Zitrusfrüchte dabei haben. Ich gestehe vier Orangen, die  sogar einen Stempel aus den Staaten haben. Doch  - kann ja wohl nicht wahr sein – die sollen in den Müll.  Auf meine Nachfrage, ob wir die nicht gleich essen könnten, willigt er ein – will aber die Schalen haben. „Es wäre möglich, dass da Insekten drin sein“. Ja, das versteh´ einer! – Von Mexiko nach USA durfte man Limonen mitnehmen, aber von Kanada in die USA sind sie und ihre Verwandten nicht erlaubt.

So stehen Gustav und ich - sozusagen auf behördliche Anordnung  - in unserer Küche und schälen unsere vier Orangen, während sich hinter unserem Fahrzeug langsam ein kleiner Stau bildet. Diese Anekdote wollte ich euch doch nicht vorenthalten. So kann also ein Grenzübergang  - selbst in die USA –  direkt mal lustig sein.